Ein klag-Konzert für zu Hause

Gaggenau (tom) – Knapp drei Dutzend Akteure des regionalen Musikgeschehens haben sich für ein Benefiz-Videokonzert zusammengefunden. Es ist ab dem 1. Juni online.

Initiator Thomas Riedinger (Mitte) mit dem Duo 2Cool (Maike Oberle und Gerald Sänger) beim Kurzinterview auf der klag-Bühne. Foto: Stadt Gaggenau

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Initiator Thomas Riedinger (Mitte) mit dem Duo 2Cool (Maike Oberle und Gerald Sänger) beim Kurzinterview auf der klag-Bühne. Foto: Stadt Gaggenau

Endlich mal wieder auftreten! Das haben sich wohl alle der insgesamt 33 musikalischen Akteure gedacht, bevor sie spontan zugesagt haben. Auf Initiative von Thomas Riedinger haben sie sich am 21. und 22. Mai im klag zusammengefunden, um ein Konzertvideo einzuspielen. Es ist hier im Internet zu sehen – kostenlos. Wer mag, darf einen selbst gewählten Beitrag spenden. Der Erlös ist für diejenigen Mitwirkenden bei der Aktion, die wegen der Corona-Beschränkungen seit Monaten auf einen Großteil ihres Lebensunterhalts verzichten müssen.

„Wir spielen – Du spendest“ lautet das Motto der Aktion von Kulturamt und Kulturring Gaggenau. Auf der eigens hierfür gestalteten Internetseite gibt es Pop, Rock und Rock ‘n‘ Roll ebenso wie sanfte Klänge und Jazzmusik.

„Ohne Publikum, aber mit aufwendiger Technik und der Crème de la Crème der regionalen Musikszene“, berichtet Organisator Thomas Riedinger. „Die Bands und Interpreten standen in zeitlichem Abstand und unter Einhaltung der geltenden Hygieneregeln auf der Bühne. Ihr Auftritt wurde von einem Kamerateam aufgenommen und zu einem Konzertfilm zusammengeschnitten.“

Für Heidrun Haendle und ihr Team von Gaggenauer Kulturamt war das Projekt eine Herzensangelegenheit, das konnten die Akteure vom ersten Mailkontakt an spüren. Mit Anne Tenzer und Anna Schadl stemmte Haendle das Event, das auch ohne Live-Publikum zu einer organisatorischen Herausforderung geriet.

Kulturring hilft beim Spendensammeln

„Wir haben so eine tolle und gut aufgestellte Musikszene hier im Murgtal, aber sie ist schon so lange auf dem ,Trockendock‘“, sagte Haendle bei der offiziellen Vorstellung des Projekts. Hier nicht nur einen materiellen Beitrag zur Unterstützung der Profis unter den Akteuren zu leisten, sondern auch ein Zeichen zu setzen, dass sich die Kunstszene nicht unterkriegen lässt, dies sind die Intentionen. Deshalb habe auch Oberbürgermeister Christof Florus nicht gezögert, die Schirmherrschaft zu übernehmen. Die Szene ansprechend sicht- und hörbar machen, aber mit einem unterm Strich überschaubaren Aufwand – deshalb ist man bei den Organisatoren froh, Mario Merkel aus Hörden und seine Produktionsfirma im klag dabei gehabt zu haben.

Ohne den Kulturring Gaggenau und dessen Vorsitzenden Dr. Robert Scharff wäre die Umsetzung aber nicht möglich gewesen. Nicht nur, weil der Kulturring als etablierter Veranstalter hochwertiger Konzerte gilt, sondern weil er als gemeinnütziger Verein bei der rechtmäßigen Abwicklung der Spenden unverzichtbar ist. Der Kulturring kann als gemeinnütziger Verein Spenden entgegennehmen.

Das Spenden über den Bezahldienst Paypal sei wirklich kein Problem, versicherte Scharff. Ein Button auf der Homepage der Aktion oder ein stets eingeblendeter QR-Code helfen dabei. Aber wer mag, kann natürlich auch per Kreditkarte oder ganz normal an das Volksbank-Konto des Kulturrings einen selbst gewählten Betrag überweisen. Das Video wird bis mindestens 16. Juni online zu sehen sein; wer hinterher noch spenden will, wird sicher nicht zurückgewiesen, sagte Heidrun Haendle schmunzelnd.

Bei der Suche nach gewerblichen Spendern habe man einen Schwerpunkt auf Firmen gelegt, die nicht wesentlich unter den Auswirkungen der Corona-Krise leiden.

Die gesamte Summe wird zunächst in einen Topf kommen, ehe dann einzelne Auszahlungen erfolgen. Aus den Reihen der Amateurmusiker haben bereits zahlreiche Teilnehmer erklärt, dass sie auf eine eventuelle Gage zugunsten der professionell arbeitenden Kollegen verzichten werden.

Entertainer Eric Prinzinger ist überwältigt von dem Engagement. „Ich kann nur sagen: Super. Vorbildlich.“ Das Auf und Ab der Corona-Monate habe nicht nur an der finanziellen Existenz, sondern auch am Selbstbewusstsein genagt – „Man fühlt sich ein bisschen lebendig begraben.“ Und nach wie vor seien die Veranstaltungen verunsichert, ob und wie es endlich wieder mit Konzerten und Kultur losgehen dürfe. „Doch es wird sehr deutlich, wie sehr die Menschen sich nach Veranstaltungen sehnen. Es gibt wirklich perfekte Konzepte zur Sicherheit. Nun muss es endlich wieder losgehen.“

So sieht es auch Organisator Thomas Riedinger. Er denkt bereits daran, das Videoprojekt auch tatsächlich live auf eine Bühne zu bringen. Wann? Da lässt sich der erfahrene Hobby-Musiker nicht festlegen. Zunächst einmal gilt es, das klag-Konzert richtig populär zu machen. Konzert, Informationen zu Projekt, Interpreten und Spendenkonto gibt es unter www.meingaggenau-meinekultur.de

Knapp drei Dutzend Akteure

Diese Akteure wirken bei dem Video-Konzert mit:

Eric Prinzinger & Band (Gerald Sänger, Mätze Schulz, Claus Müller, Stefan Rupp), Broken Heart (Mario Götz, Roland Hasenohr und Ludwig Weber), Dieter Kirchenbauer (Hard Days Night), 2Cool (Gerald Sänger und Maike Oberle), Sängerin Oliwia Czerniec (Finalistin bei „The Voice Kids“), First Cream (Lea Würz

Maurice Spiller, Hannes Merkel, Lutz Merkel, Nils Heinze, Lennard Wegst), PAT (Patrick Heid und Leon Kappenberger), Inkluba-Band der Lebenshilfe (David Mauderer, Tobias Hantke, Martin Bleier, Matthias Heck, Werner Rittler, Ute Stoll), Die Tollenhechte (Thomas Buchta, Frank Herm, Oskar Kahles, Thomas Senger), Loopbox (Argentina und Martin Schumacher), Jazz Project Gaggenau (Pfarrer Tobias Merz. Gerhard Maisch, Kurt Wunsch, Robert Rieger. Durch das Programm führt Thomas Riedinger.

„Mein Beruf und meine Berufung“

Eric Prinzinger. Foto: Reinhold Bauer/Archiv

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Eric Prinzinger. Foto: Reinhold Bauer/Archiv

Er ist einer der bekanntesten Bühnenakteure der Region: Eric Prinzinger aus Gaggenau. Mit seiner Show „Elvis in Comedy“ rockt er als Entertainer bundesweit die Bühnen. BT-Redakteur Thomas Senger hat sich mit ihm unterhalten.

BT: Eric, Du lebst ausschließlich vom Musikmachen?
Eric Prinzinger: Ja. Das ist mein Beruf und meine Berufung.

BT: Wie viele Auftritte hattest Du vor Corona pro Jahr?
Prinzinger: Das waren immer um die 100 Auftritte – ich war eigentlich jedes Wochenende unterwegs. Dadurch war es uns auch selten möglich, mehr als zehn Tage am Stück Urlaub zu planen.

BT: Von was lebst du dann seit bald anderthalb Jahren?
Prinzinger: Von ersparten Rücklagen und den Überbrückungshilfen für Künstler und Soloselbstständige. Letzten Sommer waren ja zumindest kleinere Veranstaltungen und Konzerte mit entsprechendem Hygienekonzept zum Beispiel in der Jahnhalle durch das Kulturamt in Gaggenau möglich.

BT: Seit wann lebst Du ausschließlich von Auftritten?
Prinzinger: Das war ein fließender Übergang, aber seit etwa 25 Jahren bin ich zu hundert Prozent Bühnenakteur. Vorher hatte ich eine Ausbildung zum Feinblechner und eine kaufmännische Ausbildung bei Mercedes in Gaggenau. Hier habe ich auch eine kurze Zeit gearbeitet. Ich wollte aber schon immer auf die Bühne. Darüber gibt es sogar einen Song von mir, „Elvis du bist schuld daran“. Um so schöner ist es jetzt und hoffentlich bald wieder, auf Veranstaltungen, zum Beispiel auch auf Betriebsfeiern alte Kollegen von der Bühne zu begrüßen, zum Beispiel den heutigen Gesamtbetriebsratsvorsitzenden, Michael Brecht, der mit mir damals in der Ausbildung war.

Zur Homepage von Eric Prinzinger geht es hier.


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