Ein nasser Winter hilft noch nicht viel

Baden-Baden (kli) – In den Wintermonaten hat es viel geregnet. Das hat den Böden in Mittelbaden gut getan. Aber weil seit Jahren Trockenheit herrscht, genügt das noch nicht, sagen Experten.

Der Wald leidet unter der Trockenheit, daran ändert auch der nasse Winter wenig.      Foto: Sebastian Gollnow/dpa

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Der Wald leidet unter der Trockenheit, daran ändert auch der nasse Winter wenig. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

In den Wintermonaten hat es kräftig geregnet. Nach drei trockenen Sommern am Oberrhein können sich die Böden damit einigermaßen erholen. Sind sie gewappnet, wenn es erneut zu einem heißen Sommer kommt? Fragen und Antworten zu dem Thema.
Wie ergiebig waren die Niederschläge in den Wintermonaten?

Im Dezember und Januar waren sie sehr ergiebig, bis zu 25 Prozent mehr im Vergleich zum langjährigen Mittel. „Vor allem der Dezember und der Januar waren sehr nass“, sagt Dr. Andreas Marx, Leiter des Deutschen Dürremonitors. Auch für den Wald war die Nass-Phase sehr gut. Allerdings war der Februar zum Teil zu heiß, daher hat der Winter nicht dazu geführt, dass es den Böden insgesamt besser geht.

Wie wirken sich die Niederschläge aus?

Nur an der Oberfläche gut. Das allermeiste dringt nicht weit in die Tiefe. „Der vergleichsweise nasse Winter hat dazu geführt, dass die Bodenwasserspeicher von oben her nach und nach wieder aufgefüllt werden. Diese Niederschlagsmengen haben aber noch nicht ausgereicht, auch das Wasserdefizit im tieferen Boden zu füllen“, sagt Dr. Heike Puhlmann von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg. Nur die Bodenwasserspeicher seien jetzt gut gefüllt. „Die tieferen Bodenbereiche sind häufig noch nicht wieder komplett durch Niederschlagswasser aufgesättigt worden“, so Puhlmann. Das zeigt auch die nebenstehende Grafik.

Warum dringt so wenig Wasser in die Tiefe?

„Das Grundwasser ist am Ende der Fahnenstange“, sagt Michel Wingering von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW). Es handele sich um ein sehr träges System. „Es braucht viele Jahre, um das Niveau zu stabilisieren.“ Ein Problem ist auch die Verdunstung. „Vier Liter pro Tag pro Quadratmeter verdunsten weg“, so Marx. Im Sommer können es auch sechs bis sieben Liter pro Quadratmeter Verdunstung sein.

Was braucht es, damit die Böden auch in der Tiefe ihre Vorräte auffrischen?

„Am besten wäre Sauwetter bis Ostern“, sagt Wingering. Je länger es regne, desto besser für die Reserven. Wenn man die Nässe-Phase ein paar Wochen hinauszögern könne, wäre das gut. Puhlmann pflichtet dem bei: „Die Gefahr der Trockenheit wird abgemildert, je länger die kühle Witterung anhält und je mehr es vor Vegetationsbeginn und in den Frühjahrsmonaten regnet.“ Marx hat denselben Wunsch: Niederschlag noch im Mai und dabei wenig Hitze. „Fünf Grad und Nieselregen kann viel bewirken.“

Welche Form von Regen ist für den Aufbau von Vorräten am besten geeignet?

Damit die Bäume nicht leiden, braucht es auch im Sommer immer wieder Phasen feuchter Witterung. „Idealerweise sollten die Niederschläge als Landregen kommen, der einige Tage mit geringer Intensität dahinregnet. Dann wird viel des Niederschlags tatsächlich im Boden aufgefangen“, so Puhlmann. Komme der Niederschlag dagegen als Starkregen, zum Beispiel als Gewitter, „versickert ein Großteil des Wassers sehr schnell über grobe Poren durch den Boden durch und wird dann nicht gespeichert, steht den Pflanzen später also nicht zur Verfügung“.

Welche Folgen hat das für die Wasserversorgung?

Die ist laut Marx derzeit nicht gefährdet. Insgesamt ist der Jahresniederschlag in Deutschland über die Jahre gesehen konstant. Man habe auch gelernt, Wasser, das im Winter zu viel fällt, nutzbar zu machen. „Wir haben in Deutschland eine gute Wasserinfrastruktur.“

Was bedeutet das für den Wald?

Laut Marx geht man dazu über, auf die Anpflanzung von Fichte und Birke zu verzichten, da sie mit der Hitze und Trockenheit nicht zurechtkommen. Marx plädiert für einen Mix: „Artenreiche Wälder können die Extreme besser kompensieren.“

Wie besorgniserregend ist die Entwicklung?

„Wir sind ein wasserreiches Land und werden es auch in Zukunft sein“, sagt Marx. Aber Klimaschutz sei dennoch nötig. Im Mittelmeerraum gebe es große Probleme. Dort werden die Sommer immer heißer und der Niederschlag geht zurück. „Mit den spanischen Landwirten will ich nicht tauschen“, so Marx. „Die Probleme werden sich verschärfen, erst recht, wenn wir über Europa hinausschauen.“

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Erstellt:
25. März 2021, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 58sec

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