Ein römischer Legionär auf Wellness-Urlaub am Oberrhein

Bühl (jo) – Die Bühler Lateinlehrerin Gudrun Daul begibt sich mit ihren Schülern auf Spurensuche am Oberrhein. Ergebnis ist ein unterhaltsamer „Reiseführer“.

Römer-Fiktion nach wissenschaftlichen Erkenntnissen: Gudrun Daul hat mit Schülern eine Geschichte über einen Legionär verfasst.  Foto: Joachim Eiermann

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Römer-Fiktion nach wissenschaftlichen Erkenntnissen: Gudrun Daul hat mit Schülern eine Geschichte über einen Legionär verfasst. Foto: Joachim Eiermann

Aquae Aurelia hießen die römischen „Soldatenbäder“ im heutigen Baden-Baden. Wie mögen die Römer damals am Oberrhein gelebt haben, vor fast zwei Jahrtausenden? Dieser Frage sind Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Achern zusammen mit der Bühler Latein- und Französischlehrerin Dr. Gudrun Daul nachgegangen. Entstanden ist ein außergewöhnlicher „Reiseführer“ von Argentorate (Straßburg) nach Aquae (Baden-Baden) mit dem Titel „Auf den Spuren eines römischen Legionärs“.

Auf „sechs himmlische Tage“ in den einstigen Thermen (als Ruinen erhalten) freut sich im Jahr 213 der junge Legionär Gaius Celsinius Matunius. Der 22-Jährige ist zur Zeit des Kaisers Caracalla im Kastell in Argentorate stationiert, sein Ausflug nach Aquae ein Sonderurlaub, gewährt für militärische Tapferkeit und Umsicht. Wie viel Detailarbeit in dieser fiktiven Kurzgeschichte steckt, die sich unterhaltsam wie ein Auszug aus einer Autobiografie liest, ist nur schwer zu erahnen. Gudrun Daul verwendet dazu einen Begriff aus der griechischen Mythologie: „Das war eine Sisyphusarbeit.“ Über acht Schuljahre in mehreren Schaffensphasen erstreckte sich das Legionärs-Projekt, bis es in diesem Frühjahr als Büchlein in den Buchhandel kam – unglücklicherweise just zum Beginn des ersten Corona-Lockdowns.

20 Schüler am Projekt beteiligt

Etwa 20 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen sieben bis zwölf waren damit befasst. Sie haben sich mit Literatur zum Thema beschäftigt, Stätten und Museen besucht. All dies, um sich schlau zu machen und die Figuren entsprechend den alltäglichen Lebensgewohnheiten der Römer am Oberrhein möglichst authentisch entwickeln zu können. Auch wissenschaftlich sei das Werk, das sich an Kinder ab zehn Jahren sowie Jugendliche und Erwachsene richtet, auf dem neuesten Stand, erläutert Daul: „Wir haben vom Landesamt für Denkmalschutz die aktuellen Forschungsergebnisse berücksichtigt.“ Eingeflossen seien auch die Erkenntnisse eines französisches Ausnahmewerks über Argentorate. Florian Basler, der ein ansprechendes Titelbild schuf, und andere Schüler zeichneten acht Illustrationen sowie Anleitungen zum Nachspielen zweier Spiele, die bei den Römern beliebt waren, und in die Handlung eingeflossen sind.

Den Anstoß zum Schulprojekt gaben im Jahr 2012 Grabungen nahe dem Gymnasium auf einem Baugelände an der Straße „Im Römerhof“, die Thema im Lateinunterricht wurden. Der Name verweist darauf, dass hier ein römischer Gutshof stand. Die historische Römerstraße führte durch Achern, das es als Ort damals noch nicht gab (1095 als „Acchara“ ersterwähnt). Aus der Römerzeit erhalten ist ein Meilenstein bei Sinzheim (heute im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe), der die Entfernung nach Baden-Baden mit vier „Leugen“ (etwa 2,2 Kilometer) angibt. Später besuchte eine Schülergruppe eine in der Nähe wohnende Familie, die Überreste römischer Zivilisation aus ihrem Garten sammelt. Aber erst mit der Einführung des Modulunterrichts für Schüler aus verschiedenen Klassenstufen nahm die Legionärs-Episode (mit dem Götterboten Merkur als begleitender Erzähler) Gestalt an.

Titelhelden gab es wirklich

Gudrun Daul, die seit elf Jahren in Achern unterrichtet, ergänzte die Geschichte um einen Glossar zu Personen, Gottheiten, Orten und lateinischen Begriffen. Wer sich intensiver mit den Römern am Oberrhein befassen will, findet außerdem Tipps zu Besichtigungen in Baden-Baden, Straßburg und Karlsruhe, wenn die Museen wieder öffnen dürfen. Selbstredend sind die XLVIII Seiten der Broschüre stilecht römisch nummeriert, 48 an der Zahl.

Den Titelhelden Gaius gab es tatsächlich, sein Name findet sich im Archäologischen Museum in Straßburg in Verbindung mit einem Reliefbild des Mithras-Kultes. Sein Wellness-Trip nach Aquae geriet, soviel sei verraten, gar nicht so „himmlisch“, sondern – beim Jupiter – ziemlich turbulent. „Auf den Spuren eines römischen Legionärs“, herausgegeben vom Gymnasium Achern im Verlag „regionalkultur“, ISBN 978-3-95505-196-9, 7,90 Euro.

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Erstellt:
4. Januar 2021, 14:00 Uhr
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