Ein roter Blickfang auf drei Rädern

Durmersheim (stn) – Friedemann Fuchs bietet für ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen ab sofort kostenlose Rikscha-Touren durch Durmersheim und Umgebung an.

Friedemann Fuchs (rechts) will mit einer Rikschafahrt nicht-mobile Menschen aus der Isolation holen. Monika Franzen und Andrea Bauch (von links) vom Familienbüro sind von dieser Idee begeistert. Foto: Nora Strupp

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Friedemann Fuchs (rechts) will mit einer Rikschafahrt nicht-mobile Menschen aus der Isolation holen. Monika Franzen und Andrea Bauch (von links) vom Familienbüro sind von dieser Idee begeistert. Foto: Nora Strupp

Viele ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen leben alleine. Pflegedienste sind dann meist der einzige Draht zur Außenwelt, andere soziale Kontakte fehlen oft. Alterseinsamkeit ist die Folge. Um diesen Menschen etwas Gutes zu tun und ihnen die Möglichkeit zu geben, wieder ein Stück weit am Leben teilnehmen zu können, hat sich Friedemann Fuchs eine Rikscha zugelegt. Mit dieser bietet er ab sofort Touren in Durmersheim und den umliegenden Gemeinden an.

Vor allem die Corona-Krise hat die Situation für ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen noch einmal deutlich verschärft. „Diese schwierige Zeit der Einschränkungen möchte ich zum Anlass nehmen, zukünftig denen eine mobile Perspektive zu bieten, die ganz besonders in der Pandemie an Einsamkeit leiden oder gelitten haben“, sagt Fuchs.

Durch die Corona-Pandemie werde einem bewusst, wie soziale und kulturelle Verarmung im Alltag beeinträchtigen und gar krank machen können. Fuchs hatte deshalb das Bedürfnis, ein wenig seiner freien Zeit den Menschen zu schenken, „denen wir alle viel in unserem Leben zu verdanken haben“. Auf diese Art möchte er ihnen etwas zurückgeben.

Rikscha mit allem erdenklichen Komfort

Und so war die Idee der Rikscha-Radtouren geboren. Rikschas sind zwei- oder dreirädrige Fahrräder mit einem speziell entworfenen Sitz. Darauf können ein bis zwei Personen Platz nehmen und sich von einem Fahrer durch die Gegend chauffieren lassen. Traditionell werden Rikschas in Asien genutzt.

Von der niederländischen Firma Bakfiets ließ Fuchs sich ein Gefährt bauen, das keine Wünsche offenlässt: Mithilfe eines ausziehbaren Trittbretts können die Passagiere bequem ein- und aussteigen, ein Sitzkissen sorgt für den nötigen Komfort. Die Fahrradrikscha – durch ihre knallrote Farbe ein echter Blickfang – verfügt außerdem über einen Sicherheitsgurt und einen zusätzlichen Sicherheitsbügel – aus der Rikscha herausfallen kann also niemand. Ein Verdeck schützt vor Sonne und Regen, bei kälteren Temperaturen spendet eine Decke zusätzlich Wärme. Zwei LED-Lampen gewährleisten, dass das Gefährt auch in den Abendstunden gut zu sehen ist. Das Fahrzeug ist darüber hinaus mit einem elektrischen Motor ausgestattet, um das Treten zu unterstützen und somit die Muskelkraft des Fahrers im nicht-ebenen Gelände zu schonen.

Das Besondere: Der Sitz, auf dem die Passagiere Platz nehmen, befindet sich vorne, der Fahrer sitzt dahinter. Bei traditionellen Rikschas ist es genau umgekehrt. „So können die Mitfahrer den Ausblick in Ruhe genießen“, bringt Fuchs den Vorteil auf den Punkt.

Angebot schon jetzt stark nachgefragt

Er sei der Einzige, der diesen Transportdienst in der Region anbietet. Inspiriert wurde er durch Rikschafahrten in Freiburg. „In Freiburg hat man damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Schon nach der ersten Fahrt ist das dort eingeschlagen.“ Und auch in Durmersheim ist das Angebot bereits stark nachgefragt. „Wir haben schon über 40 Anmeldungen erhalten“, freut sich Fuchs.

Gefahren wird auf Rad-, Feld- und Waldwegen. „Die Rikscha ist eine fantastische Möglichkeit, die Stadt oder die Natur gemeinsam zu erkunden“, schildert er. Seine Intention: Nicht-mobile Menschen aus ihrer Isolation zu holen. Wenn Familien- und Seniorenbüros sowie Altersheime Senioren oder mobilitätseingeschränkte Menschen kennen, die gerne mal wieder an der frischen Luft sein und das schöne Wetter genießen möchten, könnten sie sich mit Fuchs in Verbindung setzen.

Andrea Bauch und Monika Franzen vom Familienbüro Durmersheim zeigen sich begeistert von Fuchs’ Initiative. „Wir sind total glücklich und freuen uns für unsere unternehmungslustigen Senioren“, meint Bauch. Franzen hat keinen Zweifel daran, dass das Angebot in Zukunft gut angenommen wird, „wenn das Eis erst einmal gebrochen ist“.

Noch ehrenamtliche Rikschafahrer gesucht

Die Rikschafahrten sind laut Fuchs für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation – auch für den Fahrer. Fuchs freue sich zum Beispiel auf die persönlichen Gespräche mit den Passagieren. „Es ist Wahnsinn, was man für tolle Geschichten erzählt bekommt und welche Orte man kennenlernt. Ich bin mir sicher, dass ich nach einem Jahr Durmersheim mit anderen Augen sehen werde“, sagt er lächelnd.

Wunschtouren – wie etwa zum Hardtwald – sind immer möglich, sofern sie fahrbar sind. Eine Fahrt dauert etwa eine bis anderthalb Stunden. Durch die Corona-Bestimmungen darf derzeit allerdings nur maximal eine Person befördert werden.

„Selawie“ heißt das fünfköpfige Team um Fuchs, das sich ehrenamtlich als Rikschafahrer betätigt. Fuchs würde sich freuen, wenn sich noch weitere Fahrer der Gruppe anschließen. Wer Lust hat, selbst einmal in die Pedalen zu treten und in der Rolle des „Reiseleiters“ die Gegend zu erkunden, kann sich bei Fuchs unter (01 71) 5 00 43 75 oder per E-Mail an RikschaRadtouren@gmail.com melden. Besondere Vorkenntnisse sind für das Lenken der Rikscha nicht nötig. Nach einer kurzen Einführung und einer ersten Probefahrt kann das „Dreirad“ bequem und sicher bewegt werden.

Ihr Autor

BT-Volontärin Nora Strupp

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Erstellt:
28. April 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 22sec

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