Ein überraschender Abschied

Baden-Baden (BNN) – TV-Star Ursula Cantieni hört bei den „Fallers“ und bei „Sag die Wahrheit“ auf. Welche Rolle spielt bei dem überraschenden Abschied die faktische Impfpflicht für SWR-Schauspieler?

Klarer Schnitt: Ursula Cantieni, hier aufgenommen 2017 beim SWR in Baden-Baden, sieht die Zeit gekommen, „neue Wege zu gehen“. Foto: Uli Deck/dpa/Archiv

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Klarer Schnitt: Ursula Cantieni, hier aufgenommen 2017 beim SWR in Baden-Baden, sieht die Zeit gekommen, „neue Wege zu gehen“. Foto: Uli Deck/dpa/Archiv

Auch als Fernsehstar kann man mit 74 Jahren gut und gerne in Rente gehen. Doch danach sieht es bei Ursula Cantieni nicht aus. Von Ruhestand ist jedenfalls nicht die Rede. „Nun ist es an der Zeit, neue Wege zu gehen“, wird die Schauspielerin zum Abschied vom SWR zitiert.

Über die Hintergründe für das überraschende Ende der langjährigen Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk lassen beide Seiten ihr Publikum bislang im Unklaren. Fakt ist, es kam zu einem klaren Schnitt. Die einem Millionenpublikum vertraute Schauspielerin hört bei ihrem langjährigen Haussender Südwestrundfunk nach 27 Jahren nicht nur als „Johanna Faller“ auf, wie der Sender am Mittwochabend per Pressemitteilung bekannt gab.

Auch bei der Rateshow „Sag die Wahrheit“ mit Michael Antwerpes ist für die Baden-Badenerin Schluss. Das bestätigte SWR-Sprecherin Hannah Basten am Donnerstag auf Nachfrage dieser Redaktion. Wie auch bei den „Fallers“ habe sich Ursula Cantieni „aus persönlichen Gründen“ dazu entschieden, hieß es. Nähere Angaben dazu wollte die Sprecherin nicht machen.

Womöglich haben die strengen Corona-Sicherheitsregeln des SWR zu der letztlich einvernehmlichen Trennung beigetragen. Nach Informationen dieser Redaktion aus der Belegschaft des Senders soll es am Standort Baden-Baden schon länger Irritationen über den Impfstatus der deutsch-schweizerischen Künstlerin gegeben haben.

Strenge SWR-Regeln

Erfüllte Ursula Cantieni zuletzt die 2G-Voraussetzungen beim Dreh? Wenn sie womöglich nicht vollständig gegen das Coronavirus geimpft war und auch keinen Genesenenstatus hatte, wäre die Hauptdarstellerin bei Szenen mit anderen Schauspielern außen vor geblieben.

Sendersprecherin Basten erklärt auf Anfrage unserer Zeitung die strengen SWR-Regeln: „Bei unseren szenischen Eigenproduktionen gilt derzeit gerade auch mit Blick auf mögliche Näheszenen beziehungsweise nicht einhaltbare Abstände die 2G-plus-Regel.“ Dies diene dem Gesundheitsschutz des gesamten Teams und solle zudem verhindern, dass es zu längeren Drehpausen oder gar Ausfällen komme.

Die Regelung kommt faktisch dem ziemlich nahe, was derzeit in der Politik etwa für Pflegeberufe heftig umstritten ist: eine berufsbezogene Impfpflicht. Beim öffentlich-rechtlichen SWR rechtfertigt man sich unter anderem mit der Finanzierung durch die Bürger.

„Gerade weil wir durch den Rundfunkbeitrag finanziert werden, müssen wir angemessene Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um produktionsfähig und auch im Kostenrahmen zu bleiben“, erläutert die Sprecherin Basten. Damit produziere man konform zu den Richtlinien der zuständigen Berufsgenossenschaften. „Darüber hinaus gehören zwei PCR-Testungen pro Woche zu unseren Schutzmaßnahmen bei szenischen Produktionen.“

Ob Ursula Cantieni die strengen Auflagen zuletzt erfüllte, dazu will man sich beim SWR nicht äußern. Sprecherin Basten: „Ich bitte um Verständnis, dass wir uns zu gesundheitlichen Fragen, wozu auch der Impfstatus gehört, zu unseren Mitarbeitenden und Protagonistinnen und Protagonisten grundsätzlich nicht äußern.“ Zudem betont sie, es könne „überhaupt keine Rede von Schwierigkeiten mit Ursula Cantieni sein“.

Cantienis Ehemann erwähnt Schwierigkeiten

Cantienis Ehemann Markus Hubenschmid indes erwähnt in einem Gespräch mit dieser Redaktion durchaus Schwierigkeiten im Zusammenhang mit den SWR-Corona-Regeln. Konkret wolle er sich dazu aber derzeit nicht äußern. Hubenschmid verweist darauf, dass Ursula Cantieni momentan erkrankt sei, aber nicht an Covid-19, wie er klarstellt. Deshalb könne sie sich derzeit auch nicht selbst äußern. Die Gesundheit habe im Moment „absoluten Vorrang“, antwortet er später schriftlich. Zum Impfstatus seiner Frau will er sich ebenso wenig äußern wie der Sender.

In jedem Fall gilt, was SWR-Intendant Kai Gniffke mitteilte: „Wir danken Ursula Cantieni von Herzen für das, was Sie dem SWR, aber vor allem ihrem Publikum gegeben hat und schauen voller Stolz auf den gemeinsam zurückgelegten Weg.“

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Daniel Streib

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Erstellt:
11. Februar 2022, 06:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 56sec

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