Ein wenig Normalität

Baden-Baden (kie) – Es waren schwierige Monate für die Kultur, doch zum Spielzeit-Auftakt kehrt etwas Normalität und Planungssicherheit zurück – auch in Baden-Baden.

„Wir sind wieder da!“, lautet die Botschaft. Nicht nur am Theater Baden-Baden zeigt man sich zu Beginn der neuen Spielzeit optimistisch. Foto: Franziska Kiedaisch

© kie

„Wir sind wieder da!“, lautet die Botschaft. Nicht nur am Theater Baden-Baden zeigt man sich zu Beginn der neuen Spielzeit optimistisch. Foto: Franziska Kiedaisch

Geschlossene Häuser, abgesagte Gastspiele, sich entsprechend der Infektionszahlen ändernde Vorgaben und eingeschränkte Besucherzahlen in Folge der Corona-Pandemie machten es Künstlern, Veranstaltern und Zuschauern nicht immer leicht. Doch die der Kulturbranche innewohnende Kreativität erwies sich oftmals als Schlüssel zu konstruktiven und gewinnbringenden Lösungsansätzen. Open-Air-Konzerte und Theaterabende unter freiem Himmel und insbesondere die Verlagerung in den digitalen Raum können als gelungene Strategien im Umgang mit der Corona-Krise der vergangenen eineinhalb Jahre gelten. Auch das Theater, die Philharmonie und das Festspielhaus Baden-Baden zeigten große Flexibilität.

Nun kehrt erstmals seit dem Frühjahr 2020 so etwas wie Normalität auf die Bühnen zurück: Die kommende Spielzeit 2021/22 steht unter neuen Vorzeichen. Mit der aktuellen Corona-Landesverordnung sind nicht länger die Inzidenzen alleiniger Wegweiser im Umgang mit Kulturveranstaltungen, sondern die 3G-Regelung wird zum impliziten Standard für die Belegung der Säle. Noch zeigen sich Theater und Philharmonie vorsichtig im Umgang mit den neuen Freiheiten: Die Belegung der Häuser bleibt vorerst eingeschränkt.

Doch eines steht bereits fest: Die Motivation, vor Publikum aufzutreten, ist während der vergangenen Monate nicht gesunken – ganz im Gegenteil. So machte etwa die Theaterintendantin Nicola May unlängst bei einem Pressetermin deutlich: „Es brummt wieder im Theater. Und gemischt mit Applaus ist das ein tolles Geräusch“. Der Applaus als Lebenselixier der Künstlerseele und verbindendes Element zum physisch anwesenden Publikum kehrt endlich zurück.

Optimistisches Omen und zugleich Anspruch

Und so steht die aktuelle Theaterspielzeit unter dem Motto „Berühren“ – optimistisches wie mutiges Omen für eine unbeschwertere Zukunft und gleichsam Anspruch, beim Publikum eine innere Ergriffenheit hervorzurufen. Die Stücke der Saison sind in Inhalt und Adressatengruppe vielgestaltig: Zum Saison-Auftakt am 10. September spielt das Ensemble etwa die Premiere von „Verbrechen und Strafe“ nach dem Roman von Fjodor Dostojewski in der Theaterfassung von Gernot Plass. Es folgt die Revue „Die Suche nach dem verlorenen Musical“, bei der Gassenhauer aus bekannten Musicals wie „My fair Lady“ oder „Cabaret“ erklingen werden. Ab dem 15. Oktober kommt die Bühnen-Adaption der Film-Komödie „Harold und Maude“ ins Theater.

Mit Judith Herzbergs Porträt „Lieber Arthur“ wird in Baden-Baden zudem am 12. November eine Uraufführung gefeiert. Das Familiendrama „Gespenster“ von Henrik Ibsen kommt im April auf die Bühne, es folgt „Stolz und Vorurteil“ nach dem Klassiker von Jane Austen, Ende Mai wird das Stück „Jugend ohne Gott“ nach dem Roman von Ödön von Horvath Premiere am Theater Baden-Baden feiern.

Auch sind erneut viele Stücke für junge Besucher geplant; so etwa „Die Konferenz der Tiere“ nach Erich Kästner oder das Weihnachtsmärchen „Die Bremer Stadtmusikanten“. Selbst ein generationenübergreifendes Theaterprojekt von Senioren und Jugendlichen ist unter dem Titel „Berührungspunkte“ im kommenden Sommer geplant – was unter dem Eindruck der vorangegangenen Schutzmaßnahmen, die vornehmlich zu Beginn der Pandemie zur weitestgehenden Trennung der jungen und älteren Bevölkerung führte, bemerkenswert und mutig scheint.

Mutig und voller Optimismus startet auch die Philharmonie in die Saison, wenngleich Orchestermanager Arndt Joosten betont, dass man sich an höhere Besucherzahlen „vorsichtig ranschieben“ möchte. Die Saalpläne würden entsprechend der Infektionslage stetig angepasst und Konzertkarten „recht kurzfristig“ in den Verkauf gehen. Auch wenn das Gastspiel mit Anna Netrebko und Yusif Eyvasov in Wien kurzfristig abgesagt wurde, sollen weitere Gastauftritte des Orchesters im nahen Aus- und Inland folgen.

Patronatsempfang am 18. September

Dabei wird die vergangene Spielzeit aufgrund vertraglicher Vereinbarungen fast komplett in die neue übertragen, wie Chefdirigent Pavel Baleff im BT-Interview sagt. Zum Saisonauftakt am 19. September (Empfang der Patronatsgesellschaft zur Saisoneröffnung von Philharmonie und Theater am 18. September) gastiert der Geiger Kolja Blacher in der Kurstadt, der als eine Art „Artist in Residence“ die letzte Baden-Badener Spielzeit Baleffs begleiten wird, etwa auch bei den Sinfoniekonzerten im Januar und März.

Am 24. September eröffnet der neue Chefdirigent der Philharmonie Heiko Mathias Förster die Brahmstage (24. bis 26. September). Die orchestrale Begleitung des John-Neumeier-Balletts „Ein Sommernachtstraum“ im Festspielhaus unter dem Dirigat von Markus Lehtinen wird das Orchester im Oktober übernehmen.

Bereits erprobte und beliebte Konzertformate wie etwa die „Soirée philharmonique“ oder das „Rendezvous classique“ werden die Spielzeit über fortgeführt, Weihnachts- und Silvesterkonzerte sind geplant – genauso wie Sinfoniekonzerte mit international renommierten Musikern und Dirigenten. Allein die Abo-Konzertreihe wird derzeit wegen der Unklarheiten, die durch die Corona-Pandemie nach wie vor herrschen ausgesetzt. Ende April dann wird Baleff nach 15 Jahren Chefdirigat bei der Philharmonie sein Abschiedskonzert geben.

Das Festspielhaus startet erst etwas später mit Gastspielen im Rahmen der Brahmstage, unter anderem von Pianist Igor Levit, in die Saison.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.