Eine Ampel für die gute Schulluft in Bühl

Bühl (fvo) – Die Stadt Bühl stattet die weiterführenden Schulen mit so genannten CO2-Ampeln aus. Sie sollen ein effizientes Lüften garantieren und nicht zuletzt die Aerosolbelastung im Raum anzeigen.

Klein, aber oho: Bei schlechten Luftwerten schaltet die CO2-Ampel auf Rot.  Foto: Franz Vollmer

© fvo

Klein, aber oho: Bei schlechten Luftwerten schaltet die CO2-Ampel auf Rot. Foto: Franz Vollmer

Rote Ampel heißt Problem, einmal schnell zum Fenster geh’n: Frei nach diesem Motto ticken künftig die CO2-Ampeln, mit der die Stadt Bühl derzeit die Klassenzimmer der weiterführenden Schulen ausstattet. Laut Eduard Itrich, dem Digitalisierungsbeauftragten, „das ideale Werkzeug, um effizient zu lüften“ und so das Infektionsrisiko in Schulen erheblich zu minimieren. Insgesamt stellt die Stadt der Aloys-Schreiber Schule, Carl-Netter-Realschule, Bachschloss-Schule sowie dem Windeck-Gymnasium 220 Bausätze für CO2-Ampeln zur Verfügung.
Man nehme einen Mikroprozessor, einen CO2-Sensor sowie eine Hauptplatine – fertig ist der Bausatz für die „Do-it-yourself-Ampel“. Sobald der Sauerstoffgehalt im Raum zu niedrig ist, sprich die Luft „verbraucht“, springt die LED-Leuchte erst auf Gelb und kurz danach auf Rot. „Das Ganze ist letztlich ein guter Indikator für die Aerolsolbelastung im Raum“, erklärt Itrich. Als Variante zur Ampel gibt es ein Modell mit digitaler Anzeige, wobei der Wert im dreistelligen Bereich unbedenklich ist. Ab 1.000 ppm (Anteile pro Million) ist die gelbe, ab 1.200 schließlich die rote Zone an CO2-Gehalt erreicht. Auch eine Darstellung via farbige Smileys auf dem Smartphone ist denkbar.

Der große Vorteil des kleinen Systems ist neben der relativ günstigen Herstellung letztlich die Objektivität der Luftkriterien. „Lehrer wie Schüler haben ja oft unterschiedliche Empfinden, wann es kalt ist und wann gelüftet werden muss. Damit hat man jetzt eine objektive Basis“, betont Bürgermeister Wolfgang Jokerst. Ganz davon abgesehen, dass mit diesem passgenauen Timing eine zu starke Auskühlung des Raumes verhindert wird, die nicht nur Energieverschwendung darstellt, sondern auch die Luft schlechter zirkulieren lässt.

Der zweite Vorteil ist nicht zuletzt der pädagogische Nebeneffekt. Immerhin dürfen die Schüler die Einzelteile selber zusammenbauen und das auf niederschwelligem Level. „Womit man auch mehr Bezug zur ganzen Sache hat“, wie OB Hubert Schnurr findet. Mithilfe der städtischen Abteilung „Digit“ könne eine Lehrkraft Bauteile auf die Platine löten lassen, bevor das fertige Messgerät dann auf dem Lehrerpult oder dem Tisch eines Schülers landet, der für diesen Tag den „Luftrichter“ spielen darf. „Mit etwas Routine sollte man in 15 Minuten einen Bausatz zusammen haben“, schätzt Itrich, sodass bei entsprechender Mithilfe die Lötmontur in zwei, drei Nachmittagen erledigt ist.

Sonderlich fehlerträchtig ist die Technik nicht. „Es gibt eine klare Anleitung. Die Arbeit ist auch nicht zu filigran. Letztlich werden sieben Widerstände eingebaut“, schätzt Itrich, dass ein Neuntklässler gut zurande kommt. Bis Ende November sollten die Schulen die Bausätze (20.000 Euro) einsatzbereit haben, das Einzelstück liegt bei 50 bis 60 Euro, je nach Energiezufuhr (Powerbank oder USB-Netzwerk/Strom).

Zwetschgenstadt als digitaler Trendsetter

„Wenn die Technik sich bewährt, haben wir vor, auch die Grundschulen damit auszustatten“, kündigt Schnurr an, nicht ohne Stolz, in der Region erneut digitaler Trendsetter zu sein. Umso mehr, als neben dem pädagogischen Synergieeffekt auch die Nachhaltigkeit nicht zu kurz kommt.

So könnten in Postpandemie-Zeiten die Bauteile weiter für Experimente im MINT-Bereich dienen. Laut Itrich kann man die Platinen etwa verwenden, um – gekoppelt an Mikro oder Mikroprozessoren – Umweltdaten (Lärm, Feinstaub) in der Stadt zu erheben und auszuwerten, wie es auch im neuen „LoRaWAN-Sensornetzwerk“ praktiziert wird, an dessen Open-Source-System man andocken kann.

Durch die forcierte Beschäftigung mit der Sensorik ist die Stadt auch auf die Ampeltechnik aufmerksam geworden, die übrigens vom Umweltbundesamt empfohlen wird. Die zugrunde liegende Technik „Octopus“ ist übrigens eine gemeinsame Entwicklung der Hochschule Trier, konkret der „IoT2-Werkstatt“ des Umwelt-Campus Birkenfeld, sowie der IoT-Expertengruppe des nationalen Digitalgipfels, wobei IoT für „Internet of Things“ (Internet der Dinge) steht.

Flankierend testet die Stadt an der Aloys-Schreiber-Schule zwei Luftreiniger, die in der Anschaffung natürlich weit teurer sind: Einer ist kombiniert mit einer festinstallierten Lüftung, einer singulär platziert (Stoßlüftungstechnik). Laut Schnurr vermerkt die Stadt die Kosten erst mal auf ihr Corona-Konto, er geht aber davon aus, dass man hier letztlich finanziell einspringen muss.

Zum Artikel

Erstellt:
11. November 2020, 07:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 59sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.