Eine Gaggenauerin kämpft für ihr Recht

Gaggenau (stn) – Geld vorab bezahlt, doch ein Teil der Ware nie erhalten: Dieses Erlebnis musste eine Gaggenauerin machen. Was folgt, ist ein Kampf um Gerechtigkeit und eine Odyssee durch die Ämter.

Der fehlende Sand sorgt dafür, dass das Unkraut zwischen den Gehwegplatten sprießt. Foto: privat

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Der fehlende Sand sorgt dafür, dass das Unkraut zwischen den Gehwegplatten sprießt. Foto: privat

Es ist ein Gefühl der Hilflosigkeit, dann kommt die Wut – sowohl über die Person, die einen übers Ohr gehauen hat, als auch über das eigene blinde Vertrauen. Für die Gaggenauerin fing der Albtraum vor sieben Monaten an: „Da ich seit letztem Jahr verwitwet bin und nun alleine ein sehr großes Gartengrundstück zu verwalten habe, suchte ich bei Kleinanzeigen eine gärtnerische Hilfe“, wendet sie sich verzweifelt an unsere Redaktion. Schließlich habe sie einen Gärtner und Hausmeisterservice aus Baden-Baden ausfindig gemacht.

„Damals machte er noch einen zuverlässigen Eindruck auf mich. Im Zuge seiner Gartenarbeiten am 20. März bot er mir auch das Abstrahlen meiner Terrasse, des Hofes, des Seitenweges, der Treppe und der Einfahrt an. Da ich dies schon in meiner Planung hatte, ging ich spontan auf das Angebot ein.“

Geschäftsführer ist untergetaucht

Der Geschäftsführer der Firma kam am 23. März mit den Gerätschaften und seinem Mitarbeiter. „Dieser arbeitete vier Stunden lang sehr sorgfältig“, weiß die Betroffene zu berichten. „Um 16 Uhr war alles fertig und ich fragte nach dem Sand, der ja noch eingebracht werden musste.“ Den würde er am nächsten Tag bringen, versprach er. „In meiner geradezu sträflichen Gutgläubigkeit und im Vertrauen auf seine Zuverlässigkeit“ zahlte sie ihm daraufhin den vereinbarten Betrag bar auf die Hand, ohne eine Rechnung erhalten zu haben. Doch: „Den Sand habe ich bis heute nicht gesehen.“

Es folgten etliche Telefonate, den Geschäftsführer erreichte sie allerdings nie. „Der Sommer verging, ohne dass etwas passierte, außer dass das Gras aus den nicht mit Sand aufgefüllten Ritzen wieder üppig zu sprießen begann“, beklagt sie. Aus Frust ließ sie zunächst ebenfalls „Gras drüber wachsen“.

Im September kontaktierte sie ihn über seine Handynummer erneut – bis heute ohne Erfolg. Auch auf eine E-Mail vom 1. Oktober wurde nicht reagiert. Daraufhin begann sie telefonisch bei verschiedenen Ämtern zu recherchieren, „wie man einer solchen Firma beikommen könne“, was allerdings in einer „ungemütlichen Odyssee“ endete, wie sie selbst sagt: Sie kontaktierte das Gewerbeaufsichtsamt in Baden-Baden, das sie wiederum ans Gewerbeamt verwies. Doch auch dort fühlte sich keiner für ihr Anliegen zuständig. Sie wurde an die Handelskammer Karlsruhe verwiesen, von dort wieder zurück an das Gewerbeaufsichtsamt, das ihr erneut seine Nicht-Zuständigkeit erklärte.

Anzeige hätte nur wenig Chancen auf Erfolg

Stattdessen empfahl man der Gaggenauerin, bei der Polizei eine Anzeige zu erstatten. „Dies habe ich mit zwei freundlichen Beamten der Baden-Badener und Gaggenauer Polizeireviere besprochen“, schildert sie. Da ihr Rechtsanwalt ihr jedoch nur wenig Hoffnungen auf Erfolg machte, „da ich lediglich mein eigener Zeuge bin und einfach dumm gehandelt habe“, verwarf sie den Gedanken der Anzeige wieder. „Die Polizei riet mir, direkt mit der Stadtverwaltung Baden-Baden Kontakt aufzunehmen und ein übergeordnetes Amt ausfindig zu machen.“

Nach weiteren Telefonaten fand sie schließlich beim Baden-Badener Fachgebiet für öffentliche Ordnung Gehör. Obgleich man der Gaggenauerin auch dort nicht weiterhelfen konnte, da bislang keine weiteren negativen Hinweise zu der Firma eingegangen waren, war man dankbar für den Hinweis.

Geschlagen gab sie sich trotzdem nicht. Ein Brief an den Geschäftsführer wurde per Einschreiben weggeschickt, „um die Sache für mich selbst ordnungsmäßig fortzuführen, in der Hoffnung, doch noch etwas von meinem Geld oder der bisher nicht erbrachten Leistung zu erhalten. Ich bin mir ja meiner eigenen Dummheit bewusst und schäme mich auch sehr, dass mir so etwas als normal denkender Mensch überhaupt passieren konnte“.

Für das BT war die betreffende Firma für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Kein Betrug, wenn Gegenleistung erfolgt

Offenbar scheint dieses unlauter wirkende Geschäftsgebaren bislang allerdings ein Einzelfall im Umkreis zu sein. „Für den Zuständigkeitsbereich des Polizeireviers Gaggenau liegen derzeit keine Anzeigen im Hinblick auf derartige Vorgänge vor“, lässt Polizeihauptkommissar Harald Dieterle wissen. Seiner Einschätzung nach steht zudem nicht zwangsläufig eine Straftat im Raum: „Das Vorliegen eines Betrugs kann nicht grundsätzlich unterstellt werden, da ja eine Gegenleistung für die Bezahlung erbracht wurde.“

Dennoch lasse das Einfordern einer Barzahlung ohne Rechnungsstellung Zweifel an der Seriosität des Unternehmers aufkommen. „Es liegt der Verdacht nahe, dass in diesem Fall ein deutlich überhöhter Preis für die durchgeführten Arbeiten verlangt und auch bezahlt wurde.“

Polizei gibt Tipps zur Prävention

Um zu vermeiden, tatsächlich auf einen Betrüger hereinzufallen, hat der Gaggenauer Polizeihauptkommissar Harald Dieterle folgende Tipps:

Den Bürgern kann geraten werden, dass sie Verträge für Handwerksarbeiten – insbesondere umfangreiche Arbeiten an Haus und Wohnung – nie an der Haustüre abschließen sollen. Zudem wird empfohlen, sich immer mehrere Angebote von Handwerksfirmen einzuholen.

Zu unbekannten Firmen können im Vorgriff auch Handwerkskammern, Innungen und Verbraucherzentralen befragt werden. Zu betrügerischen Machenschaften gibt es oft auch schon Hinweise im Internet.

Keine Bezahlung ohne Rechnungsstellung. So kann auch sichergestellt werden, dass der ausführende Betrieb ordnungsgemäß seine Steuern abführt und der Schwarzarbeit dadurch ein Riegel vorgeschoben wird.

Bei Kontaktaufnahmen via Kleinanzeigen sind die hier angeführten Tipps besonders wichtig (Erkundigungen über Handwerkskammern einholen). Man sollte immer darauf achten, dass die Firmen ein nachvollziehbares Impressum führen.

„Wenn der Kunde den Verdacht eines Betrugs hat, darf er sich immer an die Polizei wenden. Die Anzeigeerstattung kann grundsätzlich bei jeder Polizeidienststelle erfolgen“, klärt Dieterle auf.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nora Strupp

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Erstellt:
10. Oktober 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 40sec

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