Eine Pyramide für einen gebürtigen Rastatter

Rastatt (dm) – Am Comer See in Oberitalien steht ein außergewöhnliches Grab- und Denkmal für den in Rastatt geborenen Mediziner Joseph Frank. Es erinnert an dessen Wohltaten für notleidende Kranke.

Das Monument für Joseph Frank an der Seeuferstraße in Laglio. Foto: Daniel Melcher

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Das Monument für Joseph Frank an der Seeuferstraße in Laglio. Foto: Daniel Melcher

20 Meter ragt der Koloss in die Höhe, 13 Meter ist er breit und am Abend beleuchtet, also weithin sichtbar: Eine Pyramide am Westufer des Comer Sees in Norditalien. Ganz klar, hier hat man jemandem ein außergewöhnliches Denkmal errichtet. Joseph Frank heißt der Mann. Geboren wurde er 1771 – also vor genau 250 Jahren – in Rastatt.

Das sonderbare Monument ist ein Grabmal und steht auf dem Friedhof des Örtchens Laglio, nur wenige Kilometer von Como entfernt. Dorthin war der Arzt Joseph Frank 1829 gekommen, gesundheitlich offenbar in keiner guten Verfassung und eigentlich schon im Ruhestand. Ein Beitrag über ihn in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia endet wohl daher bereits mit dem Jahr 1824. Für die Menschen am See beginnt die Frank-Geschichte jedoch erst fünf Jahre später. Frank kauft die Villa Gallietta im Stadtteil Borgo Vico in Como, kommt wieder zu Form – und schreibt ein Werk namens „Praxeos medicina universae praecepta“. Berühmt wird er am Comer See indes wegen seines Großmuts, wie berichtet wird: Notleidende Kranke behandelt er gratis, schenkt ihnen auch die Medikamente. Zugleich wird er aber auch als kontroverser Mensch beschrieben, der prunkvoll lebte und „legendäre“ Empfänge gab, wie es in einem Reiseführer heißt.

„Unter den Menschen wahrlich menschlich“

Dazu passt wohl, dass sich der eitle Mann die Pyramide selbst gewünscht hat und sie am Ufer in Laglio stehen haben wollte, dort, wo einst so zahlreich berühmte Reisende aus Europa vorbeikamen. Auch das Geld dafür soll er selbst gestiftet haben. Als er 1842 stirbt, hinterlässt er einen großen Teil seines Besitzes der Gemeinde, damit das Geld armen Menschen zugute komme, aber laut einem Bericht auch 25.000 Franken für den Bau der Pyramide. Zehn Jahre später wird sie tatsächlich errichtet und seine sterblichen Überreste dorthin umgebettet. „Ihr, die ihr den Fuß über diese Schwelle setzt, wünscht einem Mann Frieden, der unter den Menschen wahrlich menschlich war“, steht dort als Inschrift – etwas „selbstverliebt“, wie die Süddeutsche Zeitung vor Jahren einmal befand.

Wer indes Interesse an Joseph Franks Verdiensten in der Medizin hat, muss weit in die Zeit vor den oberitalienischen Jahren zurückreisen.

Geboren wird er vermutlich am 23. Dezember 1771 in Rastatt (abweichend davon wird auf www.dercomersee.de der 22. Oktober genannt), sein Geburtstag jährt sich also jetzt zum 250. Mal. Laut dem Rastatter Kirchenbuch, das im Archiv des Erzbistums Freiburg lagert, ist an jenem Tag vor Heiligabend jedenfalls Joseph Franks Taufe vermerkt.

Berühmter Vater: Hofmedikus und Hygiene-Vorreiter

Seine Eltern sind in der Barockstadt und Umgebung keine Unbekannten: Seine Mutter Maria Anna Wittlinsbach ist die Tochter des damaligen Rastatter Amtsschreibers, sein Vater Johann Peter Frank ist Mediziner und weitaus berühmter, als es sein Sohn später einmal werden würde. Johann Peter Frank ist ab 1768 als Hofmedikus in Rastatt tätig. Die Barockstadt verlässt er aber, nachdem er mit dem Aus der Baden-Badener Markgrafenlinie diese Stellung verlor. Sohn Joseph ist also etwa gerade mal ein Jahr jung, als die Familie Rastatt 1772 den Rücken kehrt. Die Stadt von heute ehrt den Vater inzwischen auf besondere Weise: Nach Johann Peter Frank ist in der neuen Ludwigvorstadt (ehemalige Joffre-Kaserne im Dörfel) eine Straße benannt worden. Der Mediziner gilt als Begründer der öffentlichen Hygiene. Noch heute trägt die höchste Auszeichnung des Bundesverbands der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdiensts seinen Namen: die Johann-Peter-Frank-Medaille.

Joseph Frank „wieder ins Bewusstsein bringen“

Sohn Joseph arbeitet zeitweise für ihn, erwirbt sich aber auch eigene medizinische Meriten. Vom Vater übernimmt er 1795 die Leitung des Krankenhauses in der italienischen Universitätsstadt Pavia, geht dann nach Wien, wird Lehrer an der kaiserlich-russischen Universität Vilnius (Litauen) und übernimmt dort eine vom Vater eingerichtete Klinik, während Johann Peter Frank für kurze Zeit Leibarzt des russischen Zaren Alexander I. wird. Joseph Frank gründet in Vilnius ein Impfinstititut, offenbar eines der ersten seiner Art in Europa. Auch um die Dermatologie hat er sich verdient gemacht: Gerd Plewig, ehemals Direktor der Hautklinik der Uniklinik München, plädiert in einer Abhandlung dafür, neben Johann Peter Frank daher ebenfalls seinen Sohn Joseph wieder „in unser Geschichtsbewusstsein“ zu bringen.

In der Nachbarschaft wohnt George Clooney

Immerhin am Comer See hat er es – gerade dank seiner denkwürdigen Pyramide – zu anhaltender Bekanntheit gebracht. Als gewisse Sehenswürdigkeit findet sich das Monument auf einschlägigen Tourismusseiten oder in Reiseführern wieder, und im Buch „101 Orte, die man am Comer See gesehen haben muss“, erhält es eine Erwähnung.

Wenn in den vergangenen Jahren der Ort Laglio international in vieler Munde war, dann aber wegen eines doch weithin berühmteren und noch lebenden Einwohners der 900-Seelen-Gemeinde – Hollywood-Star George Clooney.

Joseph Frank (Illustration aus dem 19. Jahrhundert). Foto: Archiv

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Joseph Frank (Illustration aus dem 19. Jahrhundert). Foto: Archiv

Ihr Autor

BT-Redakteur Daniel Melcher

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Erstellt:
25. Dezember 2021, 10:00 Uhr
Lesedauer:
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