Eine Spende für drei Leben

Baden-Baden (sga) – 145 Menschen haben sich trotz Corona in der Rheintalhalle in Sandweier Blut abnehmen lassen. Damit waren alle Termine ausgebucht.

Freut sich, anderen Menschen helfen zu können: Daliborka Stankovic spendet nicht zum ersten Mal 500 Milliliter ihres Bluts. Foto: Sarah Gallenberger

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Freut sich, anderen Menschen helfen zu können: Daliborka Stankovic spendet nicht zum ersten Mal 500 Milliliter ihres Bluts. Foto: Sarah Gallenberger

Wenn es um die mögliche Rettung eines Menschenlebens geht, werden die Türen der Rheintalhalle in Sandweier auch in Zeiten von Corona geöffnet. So auch vor wenigen Tagen, als dort 145 Menschen Blut spenden. „Wir sind vollkommen ausgebucht“, freut sich Andrea Palau. Als Referentin beim DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg/Hessen weiß sie: „Vor allem in der aktuellen Situation ist das bemerkenswert.“

Denn aufgrund der Kontaktbeschränkungen und sonstigen Corona-Maßnahmen überlegen sich viele Menschen derzeit zweimal, ob sie den Schritt vor die Haustür wagen. „Bei der Blutspende zeigen sich einige Leute solidarisch. Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus muss man dabei auch nicht haben“, erklärt Palau. Dafür werde vor Ort gesorgt. Bemerkbar macht sich das bereits am Eingang der Rheintalhalle. „Fühlen Sie sich krank? Waren sie in letzter Zeit im Ausland“, werden die Besucher von einem Mann gefragt, der daraufhin die Körpertemperatur misst. „36,5 Grad, das klingt gut“, und zusätzlich gibt es noch eine frische OP-Maske. Dann kann es losgehen, die Halle darf betreten werden.

Keine unnötigen Warteschlangen

Weil sich in dieser zu keinem Zeitpunkt mehr als 30 Personen aufhalten dürfen, muss in seltenen Fällen kurz gewartet werden. „Da heute alles nur unter Terminvergabe läuft, ist das kein Problem“, sagt Palau, bevor sie den nächsten Blutspender in die Halle winkt. Dort warten schon die Damen und Herren im Anmeldebereich darauf, den Spenderausweis entgegenzunehmen. Persönliche Daten werden in einem separaten Bereich abgefragt – pro Person steht ein Tisch zur Verfügung.

Anschließend wird während einer Voruntersuchung beim Arzt der Hb-Wert geprüft. Dieser gibt die Menge an Hämoglobin, ein Protein der roten Blutkörperchen, an. „Die eigentliche Blutspende dauert dann ungefähr zehn Minuten“, erklärt Palau. Pro Person werden 500 Milliliter abgenommen, die anschließend in einer Kühlbox bei 22 Grad Celsius bis zum nächsten Morgen aufbewahrt werden. Danach wird das Blut gefiltert und maschinell in gleichförmige Kreisbewegungen gebracht. Dadurch kann das Blutplasma, also die Blutflüssigkeit, von den festen Bestandteilen, also rote und weiße Blutkörperchen, getrennt werden. Aufbewahrt werden kann dieser Teil bis zu zwei Jahre.

In der großen Halle gibt es genügend Platz für die einzelnen Stationen – keiner muss eine Ansteckung mit Corona fürchten. Foto: Sarah Gallenberger

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In der großen Halle gibt es genügend Platz für die einzelnen Stationen – keiner muss eine Ansteckung mit Corona fürchten. Foto: Sarah Gallenberger

„Aus einer Spende entstehen so drei Produkte“, weiß Palau. Somit können auch drei verschiedene Patienten davon profitieren: „Den Krebspatienten wird oftmals mit den Thrombozyten viel geholfen.“ Dabei handelt es sich um Blutplättchen, die für die Blutgerinnung wichtig sind. Sind sie erhöht oder zu niedrig, kann das auf verschiedene Erkrankungen hinweisen. Im Fall eines Krebspatienten sinkt die Thrombozytenzahl durch die Verdrängung des normalen Knochenmarks.

Mit Blutspenden wird aktuell rund 80 Prozent des Bedarfs in Baden-Württemberg und Hessen abgedeckt. „Das zeigt ganz klar: Das Blut wird dringend gebraucht“, appelliert Palau auch an mögliche Erstspender. Davon gebe es derzeit leider nicht so viele: „Dabei kann das Leben retten.“

Kommentar

Zeichen der Solidarität
Von Sarah Gallenberger

Täglich 15.000 Blutspenden werden laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung benötigt. Das ist ganz schön viel. In Deutschland sollen sich zudem bereits zwei Millionen Menschen dazu bereit erklärt haben, mit ihrem Blut zu helfen. Ebenfalls eine große Zahl. Allerdings nicht groß genug, denn der Bedarf wird nicht kleiner, der Mangel an Blutkonserven größer, die Spender immer älter. In Deutschland darf ein Spender maximal 68 Jahre alt sein. Somit scheiden viele der aktuellen Spender innerhalb der nächsten Jahre aus, es zeichnet sich ein Engpass ab. Helfen können hierbei Erstspender. Und wenn man sich überlegt, dass mit einer Konserve drei Menschen versorgt werden, ist das ein großes Zeichen der Solidarität – vor allem in Zeiten von Corona. Deshalb ist es auch erfreulich, dass bei der Blutspende in Sandweier 145 Menschen erschienen sind. Das sind 145 Blutkonserven, die bis zu 435 Mal eingesetzt werden können. Man denke an die zahlreichen Leben, die gerettet werden könnten. Natürlich ist es verständlich, wenn Menschen aufgrund der aktuellen Situation Angst vor unnötigen Kontakten haben. Von unnötig kann hier allerdings nicht die Rede sein, und sicher lief die Spende in der Rheintalhalle dank des Platzangebots auch ab. Also: Im Terminkalender findet sich aktuell bestimmt noch ein Plätzchen. Was sind schon zehn Minuten, wenn andere Menschen dafür ganze Jahre geschenkt bekommen könnten?

Ihr Autor

BT-Volontärin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
10. Februar 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 08sec

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Dope_meme 15.02.202113:51 Uhr

Vielen Dank für diese tolle Aktion und für den Artikel, um auf dieses Problem aufmerksam zu machen.
Was mir persönlich fehlt ist eine Verlinkung für Erstspender, damit diese wissen, worauf sie zu achten haben, wenn diese spenden wollen (genug trinken, Ruhephase einplanen ect.).


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