Bäckerhandwerk vom Aussterben bedroht?

Baden-Baden/Bühl (nad) – Das Bäckerhandwerk verliert an Beliebtheit. Das zeigt ein starker Rückgang bei den Ausbildungsverträgen in dieser Branche.

Immer weniger junge Menschen wollen sich als Bäcker ihre Brötchen verdienen. Foto: Uwe Anspach/dpa

© dpa

Immer weniger junge Menschen wollen sich als Bäcker ihre Brötchen verdienen. Foto: Uwe Anspach/dpa

Deutschland ist bekannt für seine Brotkultur, im Schnitt kauft jeder Haushalt laut Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks 37,9 Kilo des beliebten Backwerks im Jahr. Doch immer weniger junge Menschen wollen das Bäckerhandwerk erlernen: Zum Start des Ausbildungsjahres im September seien in Baden-Württemberg acht Prozent weniger Neuverträge geschlossen worden als 2020, sagte Nils Vogt vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks gegenüber der Deutschen Presseagentur. Demnach entschieden sich 269 junge Menschen für eine Ausbildung als Bäcker, im Jahr zuvor waren es noch 292 – bereits 14 Prozent weniger als noch 2019.

Probleme bei der Kommunikation

Auch in der Region ist dieser Abwärtstrend zu beobachten. „Die Ausbildungszahlen gehen zurück“, bestätigt Oliver Braun, Obermeister der Bäcker-Innung Baden-Baden/ Murgtal/Bühl, im Gespräch mit dem BT. Nur drei Bäcker-Auszubildende sind es im ersten Lehrjahr, vier befinden sich im Abschlussjahr. „Der Markt ist hart umfochten“, sagt der Gaggenauer und spricht von einem „allgemeinen Handwerksproblem“. So ganz könne er das nicht verstehen, schließlich hätten „moderne Bäckereien inzwischen flexiblere Arbeitszeiten“, und auch die Bezahlung sei mittlerweile gut.

Braun sieht beim Thema Ausbildung unter anderem „Kommunikationsprobleme“ als Grund für das sinkende Interesse am Bäckerberuf. So wissen laut des Obermeisters viele junge Menschen einfach nicht, dass man mit der Meisterprüfung auch studieren kann und dementsprechend attraktivere Zukunfts- und Aufstiegsaussichten hat.

Konditor-Lehre wird „trendy“

Bei der Böckeler-Confiserie und Kaffeehausbetriebe mit Stammhaus in Bühl sei schon viele Jahre spürbar, dass die Nachfrage an der Ausbildung zum Bäcker „sehr mau“ ausfalle, sagt Juniorchef Sebastian Böckeler im BT-Gespräch. Mitunter ein Grund, weshalb das Unternehmen nicht mehr in diesem Beruf ausbildet. Genau das Gegenteil sei allerdings bei der Ausbildung zum Konditor zu beobachten. Der Beruf sei in den letzten Jahren geradezu „trendy“ geworden, so Böckeler, vermutlich auch durch diverse Backsendungen und die sozialen Medien. Doch nicht nur Bäcker fehlen, auch das Verkaufspersonal. „Ich glaube da suchen alle händeringend nach Leuten“, verdeutlicht der Bühler.

Er hoffe, dass sich der Rückgang mit der Anpassung des Ausbildungsleitbilds im Lebensmittelsektor, welche für kommendes Jahr geplant ist, aufhalten lasse. Denn dann werde „globaler, offener und umfassender“ in der Berufssparte Lebensmittel ausgebildet, was wiederum für bessere Zukunftschancen der Nachwuchskräfte sorge.

Ein „definitiv ganz großer Mangel“ an Fachkräften sei auch bei Peters gute Backstube festzustellen. In den 50 Filialen haben in diesem Jahr nur fünf Bäckereifachverkäufer ihre Ausbildung begonnen. Personalleiter Christian Herrmann sieht in der Pandemie eine Erklärung für den Mangel: Da die Gastronomie „zwischenzeitlich komplett runtergefahren“ gewesen sei, hätten ihr viele den Rücken gekehrt und nach anderen Jobs, beispielsweise in der Industrie, gesucht. Bei den Bäckern nimmt die Anzahl laut Herrmann ebenfalls ab – im neuen Ausbildungsjahr habe das Unternehmen nur einen Bäcker-Azubi eingestellt, was aus seiner Sicht mit der allgemein geringen Attraktivität des Handwerks zu begründen sei.

Ihr Autor

BT-Volontärin Natalie Dresler

Zum Artikel

Erstellt:
14. Oktober 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 27sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.