Eine „bewegende“ Krippe in Langenbrand

Forbach (red) – Die mechanische Krippe in St. Valentin in Langenbrand ist „bewegtes“ Zeugnis Murgtäler Volksfrömmigkeit.

Der Verkündigungsengel fährt mit Glockengeläut hinaus zu den Hirten aufs Feld. Foto: Winfried Förderer

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Der Verkündigungsengel fährt mit Glockengeläut hinaus zu den Hirten aufs Feld. Foto: Winfried Förderer

Mechanisch bewegte Weihnachtskrippen haben eine lange Tradition. In Baden sind „laufende“ Krippen sehr selten. Ein solches Kleinod mit mechanischen und akustischen Effekten steht in der katholischen Kirche St. Valentin in Langenbrand.

Die aus dem Jahr 1951 stammende Weihnachtskrippe mit Holzfiguren ist eine Mischung von Stall- und Landschaftskrippe. Sie ist hierarchisch aufgebaut: Unten die Geburt mit der Heiligen Familie und Anbetung durch die Hirten, darüber das zum Himmel offene Hirtenfeld und über diesem das himmlische Jerusalem: „Es fährt aus dem Himmel herab, als zukünftiger Ort für das Zusammenleben von Gott und den Menschen, als neues Paradies. Die Hirten sind die Lieblinge Gottes, denn ihnen werden Engel aufs Feld gesandt“, beschreibt es Gerhard Bogner in seinem Krippenlexikon. Als Teil der Krippe steht rechts unten ein Dorfkirchlein als automatischer Opferstock. Er ist als Relikt aus den in der Barockzeit geschätzten mechanischen Krippen zu begreifen.

Digitale Steuerung

Über fünfzig Jahre hat Valentin Schmitt in vorbildlicher Weise das komplexe Antriebswerk gewartet. Inzwischen hat diese Aufgabe Konrad Merkel übernommen. Gleichzeitig wurde die Mechanik überholt und auf digitale Steuerung umgestellt. Beide bauen mit Helfern die Krippe auf.

Deshalb können wir uns auf folgende Abläufe freuen: Aus einer Höhle der Krippenlandschaft fährt der Verkündigungsengel mit Glockengeläut zu den Hirten aufs Feld und kehrt danach zur Höhle zurück. Nun wird der Stall erleuchtet. Gleichzeitig läuft der Brunnen an. Eine kleine Spieluhr lässt abwechselnd „Ihr Kinderlein kommet“ und „Stille Nacht“ erklingen. Anschließend werden die Gebäude des himmlischen Jerusalem von innen beleuchtet. Nun wechselt das Geschehen vom Krippenberg ins Dorfkirchlein: Zunächst läutet im Turm ein Engel mit kräftigen Seilzügen die Glocke. Dann springt in der kleinen Kirche das Licht an, die Mitteltüre geht auf und der Jesusknabe mit Weltkugel fährt heraus und später wieder zurück. Zum Schluss wird die Anlage voll beleuchtet und weihnachtliche Zithermusik sorgt für eine besondere Stimmung.

Über die Weihnachtszeit wird die Krippe von St. Valentin als Zeugnis der Volksfrömmigkeit wieder viele Menschen erfreuen und nicht nur Kinderherzen höherschlagen lassen.

Vielfältige Krippenlandschaft

Eine tief verwurzelte Krippenkultur prägt das Murgtal. In allen katholischen Kirchengemeinden gibt es Weihnachtskrippen. Mittlerweile sind sie auch in zwei evangelischen Kirchen heimisch. Krippenkultur wird auch in Kindergärten und Familien gepflegt. Krippenspiele, Krippenwege, Strohhalmlegen sowie das Friedenslicht aus Betlehem unterstreichen dies.

Die Krippen des Murgtals spiegeln auch dessen Lebens- und Glaubenswirklichkeit wider. Sie stammen durchweg aus dem 20. Jahrhundert und sind historisch betrachtet noch jung. Überwiegend Mischformen von Stall- und Landschaftskrippen, zeichnen sie sich durch große Vielfalt aus – von der Wurzel- bis zur Künstlerkrippe über Figuren aus Holz, Ton und Teig. Besonderheiten sind die mechanische Krippe in St. Valentin in Langenbrand und die szenische Krippe in St. Jakob in Gernsbach. Das Murgtal ist zwar mit den renommierten und historisch bedeutsamen Krippenlandschaften des württembergischen Oberschwabens und des bayrischen Schwabens nicht vergleichbar, aber ist eine emotionale ansprechende Krippenlandschaft. Gemeinsam ist allen die anschauliche Vermittlung der Menschwerdung Jesu Christi.

Näheres zur Kirchen in Langenbrand finden Sie hier.

Über allem das himmlische Jerusalem: Wo die Krippe bei den Hirten steht, ist das Paradies nicht weit. Foto: Winfried Förderer

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Über allem das himmlische Jerusalem: Wo die Krippe bei den Hirten steht, ist das Paradies nicht weit. Foto: Winfried Förderer

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Winfried Förderer

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Erstellt:
23. Dezember 2020, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 34sec

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