Eine kritische Masse für Rastatt

Rastatt (dm) – Im möglichst großen Pulk fahren, um für die Belange des Radverkehrs aufmerksam zu machen: Diese Aktionsform, „Critical Mass“ genannt, erreicht nun auch Rastatt. Start ist am 27. März.

Eine Critical-Mass-Fahrraddemo wie hier in Hamburg und anderswo hat es auch in Malsch bereits gegeben, am 27. März findet die erste dieser Art nun in Rastatt statt. Foto: dpa

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Eine Critical-Mass-Fahrraddemo wie hier in Hamburg und anderswo hat es auch in Malsch bereits gegeben, am 27. März findet die erste dieser Art nun in Rastatt statt. Foto: dpa

Viele Fahrradfahrer, die scheinbar zufällig zusammenkommen und als geschlossener Verband gemeinsam durch die Straßen einer Stadt radeln: Critical Mass (=kritische Masse) wird diese Aktionsform genannt, die mit einer möglichst großen Menge an Teilnehmern darauf aufmerksam machen will, dass sich für die Situation der Radfahrer noch vieles verbessern lasse auf den Straßen. Nun kommt die Bewegung auch nach Rastatt. Am 27. März soll es erstmals eine solche Critical Mass in der Barockstadt geben, anschließend findet sie, wenn die Initiative auf entsprechende Resonanz stößt, jeden letzten Freitag im Monat statt.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) macht im Internet zwar auf die Tour aufmerksam – „ganz zufällig“ treffen sich die Radler um 18 Uhr auf dem Paradeplatz hinter dem Rastatter Rathaus, heißt es dort –, Veranstalter ist die Organisation indes nicht. Eine Critical Mass hat nämlich mit Blick auf das Versammlungsgesetz keinen Verantwortlichen, keinen zentralen Organisator. Es gibt lediglich jemand, der sich einen Ort und einen Zeitpunkt überlegt und zur gemeinsamen Fahrt aufruft. Wenn sich daraufhin genügend Menschen einfinden, um miteinander zu fahren, findet die Aktion statt.

So kam auch in Rastatt die Initiative aus privatem Kreis, um für eine bessere Infrastruktur zu werben und den „gemäß Straßenverkehrsordnung zustehenden Platz“ einzufordern. Ihr Grundsatz: „Radfahrer stören nicht den Verkehr – Radfahrer sind Verkehr.“

Auch in der Barockstadt gebe es einige Knackpunkte, wird aus den Reihen der Critical-Mass-Initiatoren betont. Beispielhaft wird der „Flickenteppich“ an Radschutzstreifen genannt, der nicht strukturell eingerichtet werde, sondern nur gerade dort, wo eben eine Straße saniert wird. Es gebe viele Stellen, an denen es knirscht, die Franzbrücke sei eine davon.

Critical Mass ist eine weltweite Bewegung, die erstmals 1992 in San Francisco aufgetaucht ist, in Deutschland wurde sie 1997 in Berlin ins Leben gerufen. In Mittelbaden kam sie erst im vergangenen Jahr an, als in Malsch dreimal dazu aufgerufen wurde – auf Anhieb beteiligten sich fast 100 Radler an der Aktion. Hierzulande können mehr als 15 Radfahrende einen „geschlossenen Verband“ bilden. Für diesen gelten sinngemäß die Verkehrsregeln eines einzelnen Fahrzeugs, und er darf zum Beispiel in einem Zug über eine Kreuzung mit Ampel fahren, selbst wenn diese dazwischen auf Rot umschaltet. Auch die Radwegbenutzungspflicht gilt dann nicht mehr.

„Wildwest“ soll gleichwohl nicht herrschen bei der Aktion, die die Initiatoren in Rastatt eine gemeinsame Radtour nennen. Zu den Regeln, die sie ausgeben, gehört es, nicht auf nicht freigegebenen Gehwegen zu fahren, sich nicht zwischen wartenden Autos vor der Ampel oder im Stau durchzuschlängeln, ausreichend Sicherheitsabstand zu Fußgängern zu halten, Handzeichen beim Abbiegen zu geben und ausreichend Beleuchtung bei Dunkelheit zu gewährleisten.

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Erstellt:
24. Februar 2020, 18:00 Uhr
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