Eine neue Fusionswelle rollt durch die Bankenbranche

Baden-Baden (tas) – Die heimische Bankenlandschaft ist im Umbruch. Genossenschaftliche Institute und Sparkassen stehen unter Margendruck – und suchen ihr Heil in Zusammenschlüssen.

Die Zahl der Volksbanken wird sich auch im kommenden Jahr weiter reduzieren. Foto: Markus Scholz/dpa

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Die Zahl der Volksbanken wird sich auch im kommenden Jahr weiter reduzieren. Foto: Markus Scholz/dpa

Früher hatte fast jede Stadt und sogar manch kleine Gemeinde im Südwesten eine eigene Volks- oder Raiffeisenbank. Doch in den 90er-Jahren schlüpften viele der Institute, genauso wie konkurrierende Sparkassen, unter das Dach eines größeren Partners. Die Gründe dafür waren sehr unterschiedlich.

Die eine oder andere Regionalbank geriet aufgrund einer verfehlten Geschäftspolitik in Schieflage und musste von einem benachbarten Institut aufgefangen werden. Bei anderen Geldhäusern wurde die Expansionslust von ehrgeizigen Bank-Vorständen vorangetrieben, die die Marktmacht ihres Instituts vergrößern wollten.

„Fusionen von Volksbanken und Raiffeisenbanken finden permanent statt – mal mehr und mal weniger“, sagt Roman Glaser, der Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands. In den vergangenen Jahren habe sich die Fusionsdynamik jedoch erhöht. Nun sind es vor allem externe Faktoren, die den Druck zu Zusammenschlüssen deutlich erhöhen: Das seit vielen Jahren bestehende Niedrigzinsniveau, der Trend zu immer mehr Digitalisierung des Geschäfts und die wachsenden Anforderungen, die die Aufsichtsbehörden an die Banken stellen. Auch für kleine Institute, die in der Vergangenheit in ihrer Nische erfolgreich unterwegs waren, wird das Fahrwasser immer flacher.

Knowhow für den Wandel vorhalten

„Für die Banken und Sparkassen ist es im Moment herausfordernd, durch die Gewässer von Digitalisierung, Niedrigzinsphase, aber auch hohen regulatorischen Anforderungen zu navigieren. Es kann durchaus sein, dass der eine oder andere in diesem Sturm aus dem Markt ausscheidet“, analysiert Joachim Wuermeling Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, in einem Interview mit dem „Bonner General-Anzeiger“.

Vor allem für kleine Institute dürfte es immer schwerer werden, das nötige personelle Knowhow für den Wandel vorzuhalten beziehungsweise die erforderlichen Investitionen über das klassische Bankengeschäft finanziell zu stemmen. „Die Marge zwischen den Aufwendungen für die Geldbeschaffung und den Erträgen aus der Kreditvergabe ist geringer geworden. Dies konnten die Banken bisher durch eine Ausweitung des Kreditvolumens ganz gut kompensieren“, sagt Wuermeling. „Die Banken müssen allerdings ihre Geschäftsmodelle prüfen und gegebenenfalls anpassen, um dauerhaft rentabel zu bleiben.“

Das Thema Rentabilität bei den Volks- und Raiffeisenbanken ruft auch die Aufsichtsbehörde Bafin auf den Plan. In ihrem im Mai veröffentlichten Jahresbericht zeigt sie sich besorgt über die Perspektiven für die Genossen. Obwohl die Institute ihre Kosten in den vergangenen Jahren – auch durch Filialschließungen – deutlich gesenkt und neue Geschäftsfelder erschlossen hätten, stünden sie unter enormen Druck. „Sollten die bereits negativen Zinsen weiter gesenkt werden, könnte sich die Rentabilität bis zum Jahr 2023 halbieren. Die Banken werden sich weiter dagegenstemmen, indem sie die Kosten durch Fusionen der Ortsbanken und Filialschließungen weiter reduzieren“, steht in dem Bericht.

Der Genossenschaftsverband in Stuttgart erwartet im kommenden Jahr mindestens vier Fusionen im eigenen Bankenlager. Mit auf der Liste sind auch die Volksbanken Baden-Baden/Rastatt und Karlsruhe. Sie haben in dieser Woche angekündigt, ihre Institute zusammenzulegen zu wollen. Dabei spielt das Bündeln von „Know-how und Kompetenz“ eine wichtige Rolle, es gehe aber auch darum, „Synergien zu heben und Kosten zu reduzieren“. Die schiere Größe der neuen Genossenschaftsbank spielt dabei eine entscheidende Rolle. Mit einer Bilanzsumme von etwa 6,5 Milliarden Euro würde das gemeinsame Institut 2021 auf Platz drei in der Liste der größten Volksbanken im Südwesten streben. Deutschlandweit könnte die Volksbank Karlsruhe Baden-Baden unter die Top-20 rutschen.

Diesen Schritt ist die Volksbank in der Ortenau mit Sitz in Offenburg bereits in diesem Jahr gegangen. Zusammen mit den Kollegen von der Volksbank Schwarzwald Baar Hegau in Villingen-Schwenningen formten die Vorstände die größte Volksbank im Südwesten, seit dem vergangenen Wochenende ist auch der technische Zusammenschluss der beiden Geldhäuser gemeistert. Der Co-Vorstandschef der jetzigen Volksbank eG – Die Gestalterbank, Markus Dauber, ist sich sicher: „Durch die neue Größenklasse entstehen neue Chancen – zum Beispiel im Bereich eigener Innovationen, im Beteiligungs- und Kreditgeschäft.“ Noch ist der Zusammenschluss organisch nicht verdaut, doch Dauber sendet bereits jetzt Signale an andere Geldhäuser in der Region aus: „Auch nach unserer Fusion laden wir ein, an dieser Wertegemeinschaft, an dem innovativen Geschäftsmodell mitzuarbeiten und sich einzubringen.“ In welche Richtung diese Einladung geht, bleibt offen.

Für die Verantwortlichen der Volksbank Bühl war in den vergangenen Jahren immer klar, dass sie die Herausforderungen der Zukunft alleine meistern wollen. Das Institut hat sich deutschlandweit den Ruf als Vorreiter in Sachen Digitalisierung erarbeitet, war in den einschlägigen sozialen Kanälen schon früh dabei und bezieht seine Mitarbeiter eng in die Innovationsprozesse im Unternehmen ein. Die Volksbank Bühl habe sich „zu einer Marke etabliert, deren Organisation zukunftsfähig aufgestellt ist“, sagt Vorstandschef Claus Preiss. „Die guten Ergebnisse und Entwicklungen der letzten Jahre sowie die überdurchschnittlich gute Eigenkapitalausstattung ermöglichen uns, aus einer Position der Stärke heraus die eigene Zukunft unabhängig zu gestalten.“

Doch auch er weiß, dass sich die Bühler den Realitäten da draußen stellen müssen. Preiss spricht von großen Herausforderungen für die Institute, die zu einer Partnersuche im genossenschaftlichen Lager führen. „Die angekündigten Fusionsgespräche zwischen der Volksbank Baden-Baden/Rastatt und der Volksbank Karlsruhe haben uns deshalb weder verwundert noch überrascht.“ Gänzlich abschotten will sich der Bankchef bei der Fragestellung Zusammenschlüsse aber auch nicht. „Wir sind (...) zu diesem Thema jederzeit gesprächsbereit.“

Im Lager der Sparkassen wurde das Thema Fusionen zuletzt ruhiger angegangen. Im Vergleich zu den genossenschaftlichen Geldhäusern sind die 51 öffentlichen Institute im Südwesten im Schnitt bereits auf einem anderen Größenlevel angekommen. Kleinere Sparkassen gibt es vor allem in Baden. So leistet sich die Stadt Gengenbach im Kinzigtal noch eines der kleinsten öffentlichen Institute im Südwesten.

„Vorteile liegen klar auf der Hand“

Noch. Denn Anfang November kündigte Bürgermeister und Verwaltungsratsvorsitzender Thorsten Erny an, die Gengenbacher Sparkasse mit der angrenzenden Sparkasse Haslach-Zell vereinen zu wollen. Das gemeinsame Institut käme dann auf eine Bilanzsumme von rund 1,6 Milliarden Euro, wäre damit aber immer noch vergleichsweise klein. „Bei beiden Sparkassen besteht kein Zwang zu einer Fusion“, betonen Erny und sein Haslacher Amtskollege Philipp Saar zwar, doch dass es dazu kommen wird, daran lassen beide nur wenig Zweifel. „Die Vorteile eines Zusammenschlusses von zwei starken Häusern zu einer größeren Einheit liegen klar auf der Hand und überzeugen uns.“


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