Einfach zum Punkt

Karlsruhe (red) – Nach zwei Liga-Niederlagen nacheinander hat der Karlsruher SC wieder gepunktet und dem Hamburger SV ein 1:1 abgetrotzt. Torjäger Philipp Hofmann sichert den Punkt für die Badener.

Der Karlsruher Philipp Hofmann (links) und der Hamburger Moritz Heyer kämpfen um den Ball. Foto: Uli Deck/dpa

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Der Karlsruher Philipp Hofmann (links) und der Hamburger Moritz Heyer kämpfen um den Ball. Foto: Uli Deck/dpa

Die Nachspielzeit war bereits hereingebrochen, als Tim Walter trotz allen Getöses um sich herum für einen ganz kurzen Moment Einblick in seine Gefühlswelt gab. Mit flacher Hand schlug der Hamburger Fußballlehrer vehement auf die Überdachung der Trainerbank, auch seine Mimik dabei verhieß nicht wirklich Gutes. Beides zusammen konnte jedenfalls leicht als Zeichen neuerlicher Enttäuschung dechiffriert werden, die Schiedsrichter Martin Petersen schon kurz darauf per Schlusspfiff endgültig machte.

„Wir haben ein schönes, sehr intensives und abwechslungsreiches Spiel gesehen“, sollte Walter gleich darauf zu jenem 1:1 zwar sagen, mit dem der Karlsruher SC und der Hamburger SV die Partie beendet hatten. Dass das nunmehr schon achte Remis der Hamburger in dieser Saison indes nur schwer in Einklang mit den hohen Ambitionen im ebensolchen Norden zu bringen ist, unterstreicht nicht zuletzt die Tabelle: Nach 13 Spieltagen rennen die Hanseaten einem Aufstiegsplatz schon wieder ein ganzes Stück hinterher, nämlich um derzeit genau fünf Punkte. Was das für Walter in einem ohnehin dauernervösen Umfeld heißt, liegt auf der Hand: noch mehr Druck und Unruhe.

Dabei war sich, von Walters grundsätzlicher Enttäuschung einmal abgesehen, das Gros der Beteiligten  hernach ziemlich einig darüber, mit dem Remis ein dem Spiel angemessenes, oder wie HSV-Mittelfeldspieler Jonas Meffert es nannte, „gerechtfertigtes“ Ergebnis gefunden zu haben. Wer es anders sah, sah es tendenziell eher zu Gunsten des KSC anders. „Wir können und müssen mit dem 1:1 zufrieden sein“, sagte etwa Jerôme Gondorf mit Blick darauf, wer da Gegner war, nämlich der zumindest für Zweitligaverhältnisse immer noch große HSV. Mit Blick auf den Spielverlauf sagte der KSC-Mannschaftskapitän aber auch: „Ein bisschen Unzufriedenheit darf schon da sein.“ Wie es zu diesen zumindest ansatzweise gemischten Gefühlen im Karlsruher Lager hatte kommen können, wusste Philipp Hofmann zu berichten. „Der HSV hatte zwar mehr Ballbesitz, aber wir die besseren Torchancen“, stellte der KSC-Torjäger den Tatsachen entsprechend fest.

HSV hat mehr Ballbesitz, KSC mehr Torchancen

Wobei das mit dem Plus an Ballbesitz für die Gäste nicht wirklich eine Überraschung war, sondern eher ein Merkmal der ’Walterschen Spielphilosophie ist – und von KSC-Trainer Christian Eichner nicht anders erwartet worden war. „Wir haben das bewusst in Kauf genommen“, sagte Eichner nach der Partie – und den genau richtigen Matchplan dagegen entworfen. Zum einen zogen die Blau-Weißen ihr Spiel gegen den Ball deutlich konsequenter und aggressiver als zuletzt auf. Zum anderen hatte Eichner seinen Jungs mit auf den Weg gegeben, es gegen eine der besten Pressingmannschaften der Liga erst gar nicht versuchen zu wollen, schönen Fußball zu spielen. „Wir wollten es einfach machen“, sagte Eichner nach der Partie. Der Plan dahinter: „Wir wollten den Gegner in eine Welt holen, in der er sich nicht wohlfühlt, in der wir besser sind.“

Und in seinem Kapitän hatte er den genau richtigen Leitwolf für dieses Unterfangen. „Ich wollte erstmal über Kampf, Einsatz und Leidenschaft ins Spiel finden und in meinen Aktionen sehr klar bleiben“, sagte Gondorf später. So sehr er bei der 2:4-Pleite vor einer Woche gegen Paderborn, damals zur Pause zurecht ausgewechselt, geschwächelt hatte, so stark und als Stabilisator wirkend spielte er am Samstagabend gegen den HSV.

Damit hatte – ganz nebenbei – Eichner auch auf die unter der Woche aufkeimende Systemdebatte (mit einer oder zwei Spitzen) richtig reagiert. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Kapitän heute. Er hat die richtige Antwort gegeben“, sagte der Coach nun fast schon genüsslich – und mit ihm, also Gondorf, tat es die ganze Mannschaft, die in Spielart und -weise ihres Kapitäns mitzog. Recht schnell wurde so ersichtlich, das dem HSV diese aggressive und kämpferische Herangehensweise nicht wirklich schmeckte. „Der KSC hat immer wieder versucht, uns in Situationen zu verwickeln, in denen es viel Unordnung gab“, bestätigte HSV-Coach Walter dies mit seinen Worten und aus seinem Blickwinkel.

Wanitzek trifft nur den Pfosten

Dabei hatte der KSC durchaus auch bange Momente zu überstehen. In Minute 14 zum Beispiel, als Sonny Kittel nach einem Flankenwechsel ausnahmsweise mal weniger konsequent von der KSC-Defensive gestört wurde und sich den Ball in weitgehender Seelenruhe zu seinem Klasse-Schlenzer zum 0:1 zurechtlegen konnte. Es war ein bisschen wie in der Vorwoche gegen Paderborn. Auch da hatte ja die erste Chance per glanzvoller Einzelleistung gleich zum Gegentor geführt – und mitten hinein in einen zwölfminütigen Systemabsturz. Umso wichtiger war die Reaktion der Blau-Weißen am Samstag. „Dass wir drangeblieben sind. Dass wir nicht den Kopf haben hängenlassen, sondern relativ zeitnah den Ausgleich geschafft haben, war die Basis für alles, was danach kam“, sagte KSC-Coach Eichner.

Hofmann war es, der per Kopfballtorpedo nach maßgeschneidertem Zuspiel von Philip Heise nur vier Minuten nach der Gästeführung auf 1:1 stellte und damit den Boden bereitete für ein intensives Hin- und Her zweier unterschiedlich agierender, aber gleichwertigen Mannschaften. Noch vor der Pause hätte der enorm spiel- und lauffreudige Marvin Wanitzek den KSC in Führung bringen können, blieb mit seinem Schuss aber an einem Abwehrbein hängen (42.). Gleich im Anschluss (44.) hatte zudem Hofmann seinen zweiten Treffer auf dem Fuß, auch er wurde abgeblockt. Gleich nach Wiederanpfiff war es dann zunächst Moritz Heyer, der an einer abgefälschten Flanke knapp vorbeirauschte ehe Robert Glatzel beim Nachsetzen gerade noch geblockt werden konnte. Die zweitbeste Möglichkeit der in dieser Phase mehr und mehr drängenden Gäste hatte dann erneut Kittel, der das KSC-Tor aus kurzer Distanz allerdings verfehlte (64.).

Eichner reagierte und brachte Fabian Schleusener für Marc Lorenz (71), der mit ausgekugelter Schulter ohnehin hätte ausgewechselt werden müssen und dem KSC auf absehbare Zeit fehlen wird. Das Spiel blieb flott und hitzig, die 20.000 sorgten trotz nebliger Kälte für beste Stimmung auf der ausverkauften Wildpark-Baustelle – und dafür, das der KSC sich bis zum Schluss nicht unterkriegen ließ. Ganz im Gegenteil: In der 80. Minute setzte Wanitzek nach Sturmlauf über den halben Platz den Ball an den Pfosten.

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Erstellt:
7. November 2021, 20:00 Uhr
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