Einheimische Baumarten im Naturschutzgebiet Bruchgraben

Baden-Baden (up) – Im 185 Hektar großen Naturschutzgebiet Bruchgraben bei Sandweier wird ein Nachhaltigkeitsprojekt realisiert. Dort werden einheimische Baumarten gepflanzt.

Die Vertreter der verschiedenen Institutionen stellen im Naturschutzgebiet Bruchgraben das Nachhaltigkeitsprojekt vor. Foto: Ulrich Philipp

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Die Vertreter der verschiedenen Institutionen stellen im Naturschutzgebiet Bruchgraben das Nachhaltigkeitsprojekt vor. Foto: Ulrich Philipp

Die Gemeinschaftskraftwerk Baden-Baden GmbH (GKB) und die Fernwärmegesellschaft Baden-Württemberg (fbw) haben im 185 Hektar großen Naturschutzgebiet Bruchgraben bei Sandweier ein Nachhaltigkeitsprojekt initiiert. Dadurch sollen die Folgen des Klimawandels eingedämmt werden.

Die Ausführung übernimmt das städtische Fachgebiet Forst und Natur, am Mittwoch haben die Verantwortlichen die Maßnahmen bei einem gemeinsamen Pressetermin vorgestellt. „Dieser Standort ist unser Hauptsorgenkind“, erklärte Fachgebietsleiter Thomas Hauck den Teilnehmern. Demnach hat der Wald durch die trockenen Sommer der Jahre 2018 bis 2020 stark gelitten. „Die meisten Buchen hier werden den Klimawandel nicht überleben“, so der Forstamtsleiter. Die Ursachen hierfür liegen einerseits in der großen Trockenheit der genannten Jahre, gehen aber auch zurück auf den Sturm Lothar, der im Jahr 1999 wütete und dessen Folgen bis heute nicht vollständig ausgeglichen werden konnten.

Wichtige Filterfunktion für das Wasser

Sandiger Boden, in dem das Wasser schnell versickert, macht es den naturverjüngten Pflanzen hier besonders schwer, Fuß zu fassen. Den Waldstandort zu erhalten, ist hier aber besonders wichtig, weil ganz in der Nähe das Grundwasserwerk steht, das die 55.000 Bürger der Kurstadt mit Trinkwasser versorgt. „Der Wald hat eine wichtige Filterfunktion für das Wasser“, so Hauck, „außerdem ist das hier für die Menschen ein wichtiges Naherholungsgebiet, das den Lärm der nahen Autobahn dämpft“. Probleme bereitet hier zudem die Traubenkirsche aus Nordamerika, die sich als invasive Art immer breiter macht und als Wasserkonkurrent den einheimischen Arten wie Eichen, Buchen und Kiefern das Überleben erschwert.

„Man kann nicht sagen, wenn die Traubenkirsche mit den veränderten klimatischen Bedingungen zurechtkommt, lassen wir sie einfach wachsen“, stellt Hauck klar, „denn sie kann die wichtigen Funktionen, wie sie die heimischen Baumarten mitbringen, nicht bieten. Dazu gehören beispielsweise eine bestimmte Größe und eine dementsprechende Wurzeltiefe.“

Deshalb wird der zuständige Revierförster Jannes Ammon in den nächsten Wochen geeignete Flächen im Bruchgraben suchen, um Eichen- und Kiefernsetzlinge sowie andere trockenheitsresistente Baumarten aus dem Baden-Badener Stadtwald zu pflanzen. „Das werden im kommenden Jahr insgesamt etwa 1.000 Stück sein, was aber, auf die ganze Fläche gesehen, nicht ausreichen wird“, so Ammon im Gespräch mit dem Badischen Tagblatt. Zudem müssen die nachwachsenden jungen Pflanzen dann vor Rehwildverbiss geschützt werden.

„Nach drei oder vier Jahren sind sie dann tot“

Parallel dazu werden die Traubenkirschen langsam zum Absterben gebracht, indem man Stücke aus ihren Rinden herausschält, sodass die Nährstoffzirkulation unterbrochen wird. „Nach drei oder vier Jahren sind sie dann tot“, so Ammon. Gegenüber dem Umsägen hat dies den Vorteil, dass nicht zu schnell zu viel Licht auf den Waldboden trifft und damit auch kein Gras wachsen kann, das wiederum junge Bäume verhindern würde.

„All diese Maßnahmen sind kostenintensiv“, stellte Bürgermeister Alexander Uhlig bei dem Vororttermin am Mittwoch klar und betonte, dass sich GKB und fbw in den kommenden zehn Jahren an dem Projekt beteiligen. Es ist eingebettet in das Landesprojekt „Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit“ (WIN).

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Erstellt:
30. September 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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