Einige fließen, andere blubbern oder versiegen

Rastatt (ema) – Die Lage der Rastatter Brunnen ist mal wieder etwas prekär. Einige laufen gar nicht. Und der neue in der oberen Kaiserstraße schwächelt.

Das neue Geländer ist dran, doch jetzt klemmt es an den Düsen in der oberen Kaiserstraße. Foto: Stadt Rastatt

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Das neue Geländer ist dran, doch jetzt klemmt es an den Düsen in der oberen Kaiserstraße. Foto: Stadt Rastatt

Als gelernter Lehrer ist Herbert Köllner mit deutschem Liedgut wohl vertraut. Das stellte der FW-Fraktionschef jetzt im Finanzausschuss unter Beweis, als er die Verwaltung um einen Problemaufriss bat und dieses Begehr mit dem Titel des Friedrich-Silcher-Lieds „Wenn alle Brünnlein fließen“ einleitete. Um es vorwegzunehmen: Einige fließen eben nicht. Und in der oberen Kaiserstraße – Überraschung! – muss man wieder mal nachbessern.

Viele Jahre tat sich die Stadt schwer mit ihren kunstvollen Quellen, was vor allem am Betriebsstoff lag. Das kalkhaltige Wasser war schuld – ein Handicap, das längst behoben ist. Dass es in diesem Jahr klemmt – Köllner nannte vor allem die obere Poststraße – führte Bürgermeister Raphael Knoth auf personelle und technische Gründe zurück. Coronabedingt seien Bauhof-Mitarbeiter nicht wie sonst üblich ausgerückt. Laut einer Bestandsaufnahme im Rathaus sind in diesem Sommer in der Kernstadt nur sieben Brunnen in Betrieb gegangen. Dass das Wasser nurmit halber Kraft sprudelt, habe auch an der Ungewissheit gelegen, ob und wie – angesichts der Einschränkungen des öffentlichen Lebens durch die Corona-Pandemie – Brunnen als Anziehungs- und Versammlungspunkt im öffentlichen Raum überhaupt sprudeln sollten.

Flip-Flops verstopfen Brunnen

Von der feuchten Abstinenz ausgenommen blieben die frisch in Betrieb genommenen Anlagen in der oberen Kaiserstraße. Der Bernhardusbrunnen einschließlich Umfassungsbecken ist ebenso aktiv wie die Wasserspiele. Im Edelstahlbecken parallel zur Kapellenstraße stellt man zwar ebenfalls plätschernde Aktivitäten fest, allerdings recken sich die Fontänen lediglich in bescheidener Größe in die Höhe. Das Blubbern ist keineswegs so gewollt, wie man im Rathaus einräumt. Womit die angekündigte Behebung des Mangels der Serie „Pleiten, Pech und Pannen“ in der Kaiserstraße ein weiteres Kapitel hinzufügt.

Gleich drei Gründe für die dürftige Strahlkraft haben die Tiefbauer herausgefunden.

Erstens: Bei einer Überprüfung fand man sachfremde Utensilien wie etwa Kinderschaufel oder Flip-Flops, die zur Verstopfung führten und den Fontänen das Wasser abgraben. Lösung: Man prüft derzeit weitere Möglichkeiten einer „Vorsiebung“, um die Anlage vor Störungen zu schützen.

Zweitens: Der Wasserdruck ist sehr schwach. Lösung: Eine Fachfirma überprüft das gerade. Drittens, und hier kommt das größte Problem: die zu groß dimensionierten Düsen. Um die gewünschte Höhe der Fontänen zu erreichen, müsste jetzt eine zu große Wassermenge gepumpt werden, was dann zu Wellenbewegungen im Becken führen würde. Mit der Konsequenz, dass eine erhebliche Menge Wasser über das Brunnenbecken hinausspritzt. Ein Überschwappen will man aber vermeiden. Lösung: Es werden kleinere Düsen eingebaut, um die Fontänen so zu strecken, dass sie auch von der Kapellenstraße sichtbar sind – ohne wiederum für allzu große Ablenkung der Verkehrsteilnehmer zu sorgen.

Das ist allerdings wie meist nicht ganz so einfach. Da der Austausch der Düsen technisch sehr aufwendig sei, sollen diese Arbeiten im Herbst angegangen werden, wenn der Brunnen abgestellt ist.

„2021 wird Rastatt dann in den Genuss einer größeren Fontänenhöhe kommen“, verspricht die Verwaltung. Nicht nur das: Der Bürgermeister kündigte für 2021 eine komplette Brunnenoffensive an. Wenn das mal kein Grund ist, dass FW-Chef Köllner nicht nur den Brünnlein-Text zitiert, sondern als sinnliche Sitzungsbereicherung bei Gelegenheit musikalisch zum Besten gibt.


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