Einkaufsmarkt als Paradies für Taschendiebe

Offenburg (for) – Die Corona-Pandemie hat nach Angaben des Polizeipräsidiums Offenburg zu einem Anstieg an Diebstahldelikten geführt. Besonders ältere Menschen würden häufig Opfer von Taschendieben.

Taschendiebe greifen während der Corona-Pandemie häufiger zu sonst. Foto: Federico Gambarini/dpa

© picture alliance / Federico Gambarini/dpa

Taschendiebe greifen während der Corona-Pandemie häufiger zu sonst. Foto: Federico Gambarini/dpa

Der nette Blumenschenker, der Passanten auf dem Wochenmarkt eine Rose in die Hand drückt, der hilflose Tourist, der die ältere Dame nach dem Weg fragt, oder die hektische Frau, die durch den Supermarkt eilt und andere „versehentlich“ anrempelt – Situationen wie diese können harmlos sein, sie zählen aber auch zu den häufigsten Tricks von Taschendieben, um arglose Menschen abzulenken.

Häufige Tatorte: Einkaufsmärkte und Parkplätze

Oftmals ist es eine Sache von wenigen Sekunden, ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, und plötzlich ist die Geldbörse weg. Ältere Menschen werden besonders häufig Opfer von Trickdiebstählen, „grundsätzlich betrifft das Thema aber alle“, wie Yannik Hilger, Presseverantwortlicher beim Polizeipräsidium (PP) Offenburg, bei einer Online-Pressekonferenz sagt. Die Kriminellen wählen für den Diebstahl meist Orte aus, an denen sich große Menschenmengen aufhalten und dichtes Gedränge herrscht. „Sie suchen ihre Opfer meist dort, wo ihnen Deckung und Schutz geboten wird“, erklärt Steffen Siefert, Leiter der Kriminalinspektion 2 beim Polizeipräsidium Offenburg. Das könne etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln, an Haltestellen, bei Großveranstaltungen und insbesondere in Kaufhäusern und Supermärkten sein. „Beliebt bei Taschendieben sind auch Parkplätze vor Einkaufsmärkten, hier schlagen sie gerne zu, wenn Kunden gerade ihre Ware verräumen“, weiß Siefert aus Erfahrung.

Börse nicht im Einkaufswagen lassen

Ein Phänomen, das jüngst vermehrt aufgekommen ist, seien Straftaten zum Nachteil älterer Menschen im Umfeld von Geldautomaten und Einkaufsmärkten – „in der Regel auch zusammenhängend“, so Siefert weiter. Auf den Aufnahmen der Überwachungskameras sei ersichtlich, „dass Täter die arglosen Opfer am Geldautomaten ausbaldowern, während diese ihre PIN eingeben. Danach arbeiten die Diebe daran, wie sie im Nachgang am besten an die Bankkarte herankommen.“ Gerade ältere Leute tragen laut Siefert neben der Bankkarte oftmals auch ihre PIN-Nummer im Geldbeutel bei sich. „Dadurch haben Täter ein leichtes Spiel“, sagt Siefert.

Susanne Steudten, Leiterin der Stelle für Prävention, warnt zudem davor, größere Bargeldbeträge bei sich zu tragen oder Geld in der Öffentlichkeit zu zählen. Außerdem ruft sie dazu auf, Geld, Kreditkarten und Papiere in verschiedenen verschlossenen Innentaschen nahe am Körper zu tragen. „Lassen Sie ihre Börse niemals im Einkaufswagen liegen.“

Delikte verlagern sich während Corona-Pandemie

Seit 2017 verzeichnet das Polizeipräsidium Offenburg eine etwa gleichbleibende Anzahl an Diebstahlsdelikten auf einem Niveau, das zwar recht hoch ist, im allgemeinen Vergleich aber „als normal“ bezeichnet werden kann, bilanziert Siefert. Auffällig sei das Jahr 2020: „Mit 527 Fällen hat es hier eine deutliche Steigerung an Diebstählen gegeben.“ Er begründet diesen Anstieg mit der Corona-Pandemie. Während des Lockdowns seien die Bedingungen für Hauseinbrüche oder Raubüberfälle eher ungünstig gewesen, weil fast immer jemand zu Hause war. Deshalb hätten sich viele Täter andere Wege gesucht, um illegal an Geld zu kommen – „Taschendiebstählen sind da eine lukrative Möglichkeit“, fügt Siefert hinzu.

Seit Ende 2020 vermehrt Kontrollen

Das Polizeipräsidium hat darauf reagiert und eine Einsatzkonzeption erstellt, um verstärkt Streife zu fahren. In der Folge konnten seit Ende 2020 Kontrollen an verschiedenen Orten – unter anderem im Großraum Rastatt – durchgeführt werden. „Seitdem wurden 78 Fälle aufgeklärt und 17 Täter ermittelt“, fasst Andreas Huber, Ermittler beim Polizeipräsidium, für das Zuständigkeitsgebiet des PP Offenburg (Ortenaukreis, Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden) zusammen. Bei den meisten Tätern handle es sich um Personen bulgarischer oder rumänischer Abstammung – darunter oft Frauen – mit Wohnsitz in Deutschland. „Meist ziehen sie in Dreier-Gruppen los und halten sich dann tageweise in verschiedenen Bundesländern auf.“ Dreimal konnte ein Untersuchungshaftbefehl verhängt werden. Vier EU-Haftbefehle seien derzeit noch offen.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.