Einspurige Bahnhofstraße bleibt auf der Agenda

Rastatt (dm) – Die Auswertung des sommerlichen Pop-up-Radwegs, dem je eine Richtungsspur auf der Bahnhofsstraße zum „Opfer“ gefallen war, zeigt laut Rastatter Verwaltung: Der Rückbau wäre umsetzbar.

So viel Radverkehr war auf dem Pop-up-Radweg später nicht mehr: Radlergruppe um Raphael Knoth und Ralph Neininger (ADFC) bei der Einweihung im Juli. Foto: Frank Vetter/Archiv

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So viel Radverkehr war auf dem Pop-up-Radweg später nicht mehr: Radlergruppe um Raphael Knoth und Ralph Neininger (ADFC) bei der Einweihung im Juli. Foto: Frank Vetter/Archiv

Der Pop-up-Radweg in der Bahnhofstraße: Ein Stück weit war er der „Aufreger des Sommers“, erinnert sich Rastatts Bürgermeister Raphael Knoth. Und obwohl die zeitlich befristete Aktion die Erwartungen (oder Hoffnungen) nicht alle erfüllt hat, wird sie von der Stadt als Erfolg bilanziert. Vor allem habe sich gezeigt, dass die Idee, die Fahrbahn der Ortsdurchfahrt zwischen Bahnhof und Postvorplatz auf je eine Spur zurückzubauen, tatsächlich machbar wäre.
„Umparken im Kopf“, so lautete ein Slogan, mit dem die Stadt für die Aktion geworben hatte. Eine Aufforderung, die indes längst nicht alle Verkehrsteilnehmer erreichte, wie an kritischen Bemerkungen gerade auch in Internet-Netzwerken abzulesen war – es sei „eine kleine, laute Minderheit“ gewesen, die da eine Welle negativer Äußerungen losgetreten habe, so die Stadtverwaltung.

Kaum nennenswerte Auswirkungen

Nennenswerte Auswirkungen auf den Radverkehr – das Projekt lief nur über acht Wochen zwischen Ende Juli und September – wurden jedoch auch nicht festgestellt. Die Zahl der Radler auf der eigens geschaffenen breiten Spur sei unter den erhofften Frequenzen geblieben, im Wochenmittelwert 203 bis 318. Doch auch schon an einem Tag im Jahr 2014 waren einst 237 Radfahrende entlang der Bahnhofstraße gezählt worden.

Andererseits habe das Projekt – immerhin auf einer zentralen und viel befahrenen Verkehrsader – auch keine negativen Auswirkungen auf den Autoverkehr gehabt. Ein Thema, dass die Verwaltung schon länger beschäftigt. Bereits im Jahr 2013 präsentierte sie ein Gutachten, demzufolge es aus verkehrlicher Sicht möglich wäre, die Bahnhofstraße zwischen Richard-Wagner-Ring und Hilberthof einspurig zurückzubauen.

Die Idee: Das Hauptentree zur Stadt könnte dadurch gestalterisch aufgewertet werden. Erst seit den 1970er-Jahren stehen dem Autoverkehr dort in jeder Fahrtrichtung zwei Fahrspuren zur Verfügung.

Nun habe sich in diesen acht Pop-up-Wochen bestätigt, dass „der Verkehr nicht zusammenbricht“, wenn man die Idee auch umsetzt, so Baubürgermeister Knoth. Die Befürchtungen, der Verkehr werde aufgrund der reduzierten Fahrstreifen stark beeinträchtigt, seien jedenfalls widerlegt worden. Laut städtischer Erhebung kam es lediglich zu Stoßzeiten vor der Kreuzung am Hilberthof zu „geringen Verlustzeiten“ von 60 bis 90 Sekunden.

Termin einer Umgestaltung völlig offen

Im Anschluss an die Kreuzung (in Richtung Innenstadt gesehen), wird die Straße ohnehin einspurig. Schlussfolgerung der Stadt: An den Überlegungen zur Umgestaltung der Bahnhofstraße mit Fahrbahnreduzierung soll festgehalten werden. Für wann eine solche Umgestaltung tatsächlich angegangen werden soll, ist derweil aber noch völlig offen.

Die weitere Analyse zeigt unterdessen, wie mitunter Datenlage und Wahrnehmung auseinanderklaffen. Während die Stadt zum Beispiel ermittelt hat, dass sich die Zahl der Raser um 25 Prozent reduziert habe, gaben bei einer Umfrage 24 Anwohner an, dass genauso (22) oder gar mehr als zuvor (2) gerast worden sei, während nur zehn meinten, es sei gar nicht mehr (3) oder nur noch selten(7) gerast worden.

Die Aussagekraft der Befragung wurde jüngst im Technischen Ausschuss ohnehin in Zweifel gezogen. 275 Fragebögen waren in den Haushalten verteilt worden, aber nur 35 Anwohner beantworteten sie auch.

Ihr Autor

BT-Redakteur Daniel Melcher

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Erstellt:
24. Januar 2022, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 31sec

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