Einsturzgefahr für Hundseck-Ruine

Schwarzwaldhochstraße (hol) – Für die Hundseck-Ruine besteht akute Einsturzgefahr. Unterdessen ärgern sich Anwohner über die Straßensperrung. Die Verwaltungen prüfen bereits mögliche Alternativen.

Keine Durchfahrt: Aus Sicherheitsgründen sperren Bauhof-Mitarbeiter die Landstraße nach Hundsbach. Foto: Bernhard Margull

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Keine Durchfahrt: Aus Sicherheitsgründen sperren Bauhof-Mitarbeiter die Landstraße nach Hundsbach. Foto: Bernhard Margull

Wieder steht sie im Blickpunkt: die Ruine am Hundseck. Wegen des Winterwetters besteht akute Einsturzgefahr. Am Donnerstag wurde deshalb die L 80b, die knapp an dem maroden Holzbau vorbei nach Hundsbach führt, gesperrt.

Für Anwohner in Hundsbach und im zu Ottersweier gehörenden Ortsteil Aschenplatz bedeutet das pro Fahrt einen Umweg von rund 15 Kilometer. „Im Landratsamt steht deshalb das Telefon nicht still“, weiß der Ottersweierer Bürgermeister Jürgen Pfetzer. Er kann die Klagen nachvollziehen. „Die Straße ist eine wichtige Lebensader“, sagt er. „Ich will nicht daran denken, was die Sperrung für Rettungsdienst, Feuerwehr und Bergwacht bedeutet.“ Die Situation habe er deshalb auch gemeinsam mit dem Bühler Oberbürgermeister Hubert Schnurr in einer Videokonferenz mit dem Landratsamt und dem Regierungspräsidium thematisiert. „Eine langfristige Sperrung der Straße ist keine Lösung“, sagt er.

Halbseitige Sperrung im Gespräch

Der Bühler OB, der in Hundsbach geboren und aufgewachsen ist, sieht das auch so. Deshalb tue man auch alles, um die Sperrung bald wieder zurücknehmen zu können. „Wir werden in der kommenden Woche noch einmal Alternativen prüfen. Möglicherweise können wir durch zusätzliche Sicherungen erreichen, dass wir die Straße nur halbseitig sperren müssen“, sagt er. Das wäre zumindest eine Hilfe für den Durchgangsverkehr.

Die Stadt Bühl, die im Rahmen einer Verwaltungspartnerschaft für Ottersweier die baurechtlichen Fragen bearbeitet, lässt die auf Ottersweierer Gemarkung stehende Ruine regelmäßig von einem Statiker überprüfen. Am Dienstag hat der Fachmann Alarm geschlagen. Wegen der hohen Schneelast sei die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet, so der Fachmann. Vor allem am östlichen Teil, der knapp einen Meter neben der Landesstraße steht, bestehe akute Einsturzgefahr. Dieser völlig marode Bauteil sollte ohnehin in den kommenden Wochen verschwinden. Bereits im Herbst 2020 hatte die Zwetschgenstadt den Abbruch dieses Anbaus angeordnet – aus Sicherheitsgründen. Eigentlich sollten am kommenden Montag die Bagger rollen. Wegen der Schneelage ist der Abriss nun aber verschoben worden, wie Schnurr sagt.

Seit Jahren kein Kontakt zu den Besitzern

Schnurrs Verwaltung hat das schwere Los, baurechtlich für die Ruine zuständig zu sein. Der Abriss wird Bühl denn auch wieder „einen mittleren fünfstelligen Betrag“ kosten, wie der OB sagt. Im Oktober hatte er gegenüber dem BT die Kosten auf 30.000 bis 40.000 Euro geschätzt. Insgesamt habe die Zwetschgenstadt nun schon über 100 000 Euro für die Verwaltung des traurigen baugeschichtlichen Kapitels an der Schwarzwaldhochstraße ausgeben müssen.

Da seit Dienstag bis zum heutigen Tag auf der maroden Dachkonstruktion der Ruine noch einige Tonnen Schnee hinzugekommen sein dürften, hat sich die Gefahrensituation sicher nicht entschärft – eher das Gegenteil dürfte der Fall sein. Schon in den Jahren zuvor hatte es oft geheißen: Ein harter Winter könnte dem Trauerspiel am Hundseck ein jähes Ende setzen. Drücken Schnurr und Pfetzer angesichts dessen die Daumen, dass es noch mehr schneit in den kommenden Tagen? Klar könnte man auf den Gedanken kommen, sagt Schnurr. Kollege Pfetzer betont aber auch: Wenn die Schneemassen die Ruine endgültig zum Einsturz bringen, ist das Problem immer noch nicht gelöst. Dann habe man einen Schuttberg da oben, der vielleicht noch auf der Straße liege. Kontakt zu den aus der Türkei stammenden Eigentümern habe er seit Jahren nicht mehr, sagt er.

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Erstellt:
9. Januar 2021, 09:00 Uhr
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