Einzelhändler in Sorge um Weihnachtsgeschäft

Baden-Baden/Rastatt/Gaggenau/Bühl – 2G-Regelung im Einzelhandel: Zwar haben die meisten Kunden wohl kein Problem damit, die aktuelle Coronalage sorgt dennoch für Verunsicherung und Umsatzeinbußen.

2G-Check im Modepark Röther in Rastatt: Die Mitarbeiterin Selina Michelisz (links) überprüft den Impfnachweis einer Kundin. Foto: Frank Vetter

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2G-Check im Modepark Röther in Rastatt: Die Mitarbeiterin Selina Michelisz (links) überprüft den Impfnachweis einer Kundin. Foto: Frank Vetter

Weihnachtsdeko schmückt die Städte, aus den Läden klingen fröhliche Melodien zum Fest der Liebe – doch so wirklich weihnachtliche Vorfreude kommt gerade nicht auf bei den Einzelhändlern der Region. Wie schon im Vorjahr beherrscht Corona den Advent: Die ab Samstag bundesweit geltende 2G-Regelung für den Einzelhandel erschwert die Situation.

Denn ab Samstag gilt inzidenzunabhängig: Nur wer geimpft oder genesen ist, darf ein Geschäft betreten. Ausgenommen davon sind Geschäfte des täglichen Bedarfs, wie Supermärkte oder Drogerien.

Die Lage im Einzelhandel in Baden-Baden ist bereits seit einigen Wochen angespannt. 2G galt aufgrund der Alarmstufe II schon mal, dann zwischenzeitlich doch wieder 3G (auch Getestete) – jetzt wieder nur 2G. „Viele sind sehr verunsichert“, sagt Matthias Vickermann, Vorsitzender der Einzelhändler-Initiative Baden-Baden Innenstadt. Bei dem Hin und Her sei es nicht verwunderlich, dass den Leuten die Lust am Einkaufsbummel vergehe. Und das merken die Einzelhändler der Kurstadt laut Vickermann ganz deutlich. Das Schlimme sei der Zeitpunkt: „Die Weihnachtszeit ist elementar wichtig für das Jahresgeschäft.“ Er befürchtet, dass der diesjährige Winter dem Einzelhandel noch mehr zu schaffen machen könnte, als im Vorjahr.

Kaum Kunden und sinkende Umsätze

Wenn man sich bei den Händlern in der Kurstadt umhört, macht sich die vierte Welle deutlich bemerkbar. „Es tut sich nichts“, klagt die Angestellte eines Modegeschäfts in der Fußgängerzone. „Ich weiß nicht, woran das liegt – ob die Leute vielleicht nicht wissen, dass wir offen haben?“ Schließlich musste der Einzelhandel im Dezember 2020 weitgehend in den Lockdown.

In einem Schmuckgeschäft einige Häuser weiter sieht es ähnlich aus. Hier wird aber neben der Corona-Lage auch das schlechte Wetter, das nicht wirklich zum Bummeln einlud, als möglicher Grund für den Kundenrückgang gesehen. Auch im Lola Concept Store bleibt der große Ansturm aus. „Unter der Woche ist es ganz schlimm“, sagt Inhaberin Sarah Geckle. Schon im Vorjahr habe es für sie kein Weihnachtsgeschäft gegeben, nun zeichne sich dasselbe Szenario für 2021 ab.

Zwar sind die Kunden, die sich noch in die Läden verirren, den Händlern zufolge überwiegend verständnisvoll und zücken automatisch ihre Nachweise. Dennoch belasten die Kontrollen das Personal – oftmals sei es nicht machbar, jeden Einzelnen, der die Ladenfläche betritt, im laufenden Betrieb zu überprüfen.

Kontrollen nicht immer machbar

Vor allem in der Wagener Galerie gestaltet sich das schwierig: Die verschiedenen Geschäfte auf drei Ebenen bringen auch unterschiedliche Regelungen mit sich. Es herrsche „totale Verwirrung“, wie Inhaber Franz Bernhard Wagener dem BT sagt. In der so wichtigen Weihnachtszeit würde auf diese Weise „den Leuten die Stimmung genommen und die Umsätze versaut“. Es sei noch nicht ganz klar, wie mit dieser „ganz schwierigen Situation“ umgegangen werde. Soweit machbar, werden Kontrollen durchgeführt, etwa am Haupteingang im Erdgeschoss. Auch Schilder, die auf 2G hinweisen, stehen bereit. Aber die Mitarbeiter könnten nicht „jeden Kunden verfolgen“, um zu überprüfen, ob er von der Markthalle noch in ein Geschäft geht, in dem er eigentlich nicht sein dürfte. „Das geht gar nicht.“

Bezüglich der Kontrollen gebe es „eine ganze Reihe von Leuten, die da hochexplosiv sind“ und sich belästigt fühlen. So würden die Kunden auf „online getrimmt“, klagt Wagener. Seiner Meinung nach wurde der Beschluss nicht wirklich zu Ende gedacht.

„Die Weihnachts-Euros gehören in die Innenstadt“

„Der Einzelhandel freut sich über jeden Kunden. Das ist der einzige Weg, wie die Innenstadt überlebt“, appelliert Melitta Strack, Vorsitzende der Werbegemeinschaft Lebendiges Gaggenau und Mitinhaberin der Jeans Box in Gaggenau. Weihnachten sei die beste und umsatzstärkste Zeit, doch jetzt sei es „wieder mal sehr, sehr schwierig“. Zwar gebe es mit der Umsetzung der 2G-Regel keinerlei Probleme, zumindest in der Jeans Box. Dennoch hemmt die Regel den Einkauf laut der Vorsitzenden ungemein. „Die Leute sind zurückhaltend“, so Strack. Trotz allem hofft sie darauf, dass die Menschen sich auf den Weg in die Geschäfte machen, bevor sie ihren Einkauf im Internet tätigen.

Sabine Karle-Weiler, Inhaberin des Modegeschäfts Senger in Rastatt und Vorsitzende des Gewerbevereins RA³, spricht von einem Umsatzrückgang seit 2G von 30 bis 50 Prozent bei den Händlern. Die Kunden würden meist verständnisvoll reagieren, gleich ihre Impfzertifikate zeigen, so die Inhaberin. Es sei die richtige Maßnahme, findet Daniela Bernau, die gerade einen Mantel bei Karle-Weiler anprobiert. Irgendwie müsse man ja mal wieder Normalität bekommen. „Nur die Weihnachtsmarkt-Händler bedauere ich sehr. Das ist schon hart, so abbrechen zu müssen“, sagt sie dem BT.

„Die Weihnachts-Euros gehören in die Innenstadt“, betont Bühls Oberbürgermeister Hubert Schnurr. „Es ist richtig und wichtig, dass die Geschäfte geöffnet bleiben können.“ Er hofft, dass sich „die Umsatzeinbußen durch die 2G-Regelung in Grenzen halten werden“ und wünscht sich, „dass die Leute gerade in der Adventszeit, wenn die Innenstädte wie in Bühl festlich glänzen, auch vor Ort einkaufen“.

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Erstellt:
4. Dezember 2021, 07:30 Uhr
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