Einzelhandel fordert Abschaffung der 2G-Regel

Baden-Baden/Karlsruhe (tas) – Die Einzelhändler in Baden-Württemberg haben ihren Wunschzettel an die Landesregierung geschrieben. Ganz oben auf der Liste: Sie wollen die 2G-Regel loswerden.

Hier dürfen nur Geimpfte und Genesene rein: Der Einzelhandel leidet laut eigenen Aussagen unter der 2G-Regel.Foto: Julia Cebella/dpa

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Hier dürfen nur Geimpfte und Genesene rein: Der Einzelhandel leidet laut eigenen Aussagen unter der 2G-Regel.Foto: Julia Cebella/dpa

Die Einzelhändler im Südwesten sind genervt von der 2G-Regelung und enttäuscht von der staatlichen Finanzhilfe. „Der Handel hat alles mitgetragen. Er ist über jedes Stöckchen gesprungen, das die Politik uns hingehalten hat.“ Nun aber reiche es ihr und ihren Berufskollegen.

Petra Lorenz, Inhaberin von zwei Lederwaren-Geschäften in Karlsruhe und Präsidentin des Handelsverbands Nordbaden, hat zusammen mit anderen Verbandsvertretern einen Brief mit ihren Weihnachtswünschen an die Landesregierung von Baden-Württemberg geschrieben. Kernforderung darin: Die Aufhebung der 2G-Regel für den stationären Einzelhandel. Denn diese sorge für einen drastischen Frequenzrückgang und prozentual zweistellige Umsatzverluste.

Die Regel, wonach nur Geimpfte und Genesene den Verkaufsraum betreten dürfen, greift in der Corona-Alarmstufe II und muss von den Händlern, die nicht der Grundversorgung dienen – also beispielsweise Bekleidungsgeschäfte, Buchläden oder Parfümerien –, durchgesetzt werden. Das sorge für zahlreiche Diskussionen im Eingangsbereich der Geschäfte – auch was die Überprüfung von Ausweisdokumenten angehe, sagt Roland Fitterer, Vizepräsident des Handelsverbands Südbaden und Betreiber von einigen Edeka-Märkten in Mittelbaden. Er sieht solche Überprüfungen eigentlich im Hoheitsbereich des Staates. Fitterer: „Welcher Kunde tut sich das an und lässt in jedem Geschäft den 2G-Nachweis überprüfen?“

Um das Kontrollproblem zu entschärfen, stellt er sich eine bundesweite „Bändchen“-Regelung vor. Einige Kommunen im Land setzen diese bereits um. Dabei wird nicht in jedem einzelnen Geschäft immer wieder von Neuem nach dem 2G-Dokument und einem Ausweis gefragt, sondern nur einmal überprüft. Danach bekommt der Kunde ein tagesaktuell gültiges Bändchen ums Armgelenk, wie man es beispielsweise aus dem Veranstaltungsbereich kennt, und kann danach auch in anderen Geschäfte ungehindert shoppen.

Der Handelsverband Baden-Württemberg (HBW) hat laut seiner Hauptgeschäftsführerin Sabine Hagmann bereits mit dem Städtetag Baden-Württemberg darüber gesprochen und grünes Licht bekommen. Die Einzelhändler sollen nun das Heft des Handelns in die Hand nehmen und gemeinsam eine Bändchen-Lösung in ihrer Kommune vor Ort umsetzen – dabei allerdings im Gespräch mit den Verantwortlichen im Rathaus bleiben.

„Wie lange hält man das durch?“


In seinem Weihnachtsbrief fordert der Verband zudem bessere finanzielle Hilfen des Staates. Der Handel dürfe „nicht auf dem entstandenen finanziellen Schaden sitzen bleiben. Auch die aktuellen Umsatzverluste, die durch die neuerlichen Verschärfungen entstanden sind und viele Händlerinnen und Händler finanziell an den Rand ihrer beruflichen Existenz drängen, müssen durch gerechte Ausgleichszahlungen finanziell kompensiert werden.“

Die Händler sehen die bisherige Überbrückungshilfe III, wonach Unternehmen staatliche Unterstützung bei ihren betrieblichen Fixkosten beantragen können, als unzureichend an. Um an die Leistungen zu kommen, ist ein Umsatzrückgang von mindestens 30 Prozent nachzuweisen – viel zu viel, sagen die Händler. „Wenn man nur 28 Prozent weniger Einnahmen hat, bekommt man keine Hilfen“, klagt Einzelhändlerin Lorenz. „Wie lange hält man das eigentlich durch?“ Aus diesem Grund fordert der HBW, die 30-Prozent-Marke abzusenken – im besten Fall auf unter 20 Prozent.

Auch der Ravensburger Mode- und Sportartikelhändler Roland Reischmann zeigt sich frustriert. „Wir blicken schon jetzt mit Sorge auf das Jahr 2022.“ Auch er fordert Klarheit bezüglich der Überbrückungshilfen. „Wir brauchen Geld, um Kunden und auch Mitarbeiter zurückzugewinnen“, sagt er. Denn die Corona-Krise habe nicht nur für weniger Käufer in den Läden gesorgt, sondern auch für schlechtere Bewerberquoten.


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