Einzelhandel in Baden-Baden: 44 Leerstände

Baden-Baden (BNN) – Geschäfte verschwinden – neue kommen: Der Einzelhandel in Baden-Baden ist immer wieder Thema. Doch neben den aktuell 44 Leerständen gibt es auch Neueröffnungen.

Leerstand in der Innenstadt: In den Räumen, in denen sich das Modegeschäft „Mia Zaya“ befand, sind die Fenster sind mit Papier beklebt. Foto: Karoline Scharfe

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Leerstand in der Innenstadt: In den Räumen, in denen sich das Modegeschäft „Mia Zaya“ befand, sind die Fenster sind mit Papier beklebt. Foto: Karoline Scharfe

Die Pandemie verändert das Stadtbild von Baden-Baden. Viele Geschäfte verschwinden. Immer noch stehen einige Ladenräume leer. Aber es gibt auch neue Läden. Deren Betreiber hoffen auf den Frühling.

Sinan Türker ist mutig, trotz Pandemie übernimmt er Anfang Januar ein Café in der Lange Straße. Das Geschäft ist zu diesem Zeitpunkt schon vollständig eingerichtet. Er ändert nur Schilder und Dekoration. Darum sei die Übernahme für ihn lukrativ, sagt er. Sein Vorgänger habe aus persönlichen Gründen aufgehört. Das neue Café heißt „Black Forest Coffee“. Türker verkauft dort Produkte der gleichnamigen Firma aus Offenburg. Und er bietet hausgemachte Torten an – die backen seine Mitarbeiter in der Offenburger Konditorei. Seit Eröffnung verdiene er am meisten über das To-Go-Geschäft. Seine Mitarbeiter verkaufen unter anderem Tassen und Kaffee. Dennoch läuft das Café schleppend. „Im ersten Monat hatte ich etwa 200 Kunden“, sagt Türker. Er hofft, dass sich die Lage in den kommenden Wochen verbessert. „Ich weiß aber nicht, was kommt. Wegen der Pandemie kann ich schlecht planen“, sagt er.

Neuer Hanfladen: Sarah Klaus hatte vor der Eröffnung ihres Geschäfts in der Lange Straße trotz Pandemie keine Angst. Für sie lohnt sich das Risiko. Foto: Patrick Helfer

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Neuer Hanfladen: Sarah Klaus hatte vor der Eröffnung ihres Geschäfts in der Lange Straße trotz Pandemie keine Angst. Für sie lohnt sich das Risiko. Foto: Patrick Helfer

Einige Häuser weiter gibt es seit Dezember ein Geschäft, das Hanfprodukte verkauft. Der Laden gehört zur Franchise-Klette „Hanf im Glück“ und wird von Sarah Klaus geführt. Sie verkauft unter anderem Öle und Tees – alles aus Hanf. Klaus entscheidet sich nach dem Studium, ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Die Ladenräume in der Baden-Badener Innenstadt findet sie schnell. Denn: Die Auswahl an Immobilien sei momentan groß. „Die Räume sollten aber passen“, sagt Klaus. Ein wichtiger Faktor ist für sie die zentrale Lage. Vor der Eröffnung des Ladens hat sie trotz Pandemie keine Angst. Das Risiko lohne sich, sagt sie. „Ich denke, man hat immer Bedenken, wenn man ein Geschäft eröffnet.“ Dennoch merkt auch sie, dass weniger Kunden auf den Straßen unterwegs sind. Darum hofft sie auf den Frühling. Wenn das Wetter besser werde, kämen mehr Leute in die Stadt. Davon profitiere das Geschäft. Neben der Alten Hofapotheke öffnete vor einiger Zeit auch der Feinkostladen „Les 3 Ptis Cochons“. Er gehört zu einer französischen Kette. Im Einkaufszentrum Cité zieht die Buchhandlung Hugendubel ein. Zudem macht dort vor kurzem ein neuer Herrenfriseur auf, sagt Centermanager Jürgen Ehlen.

Trotzdem sind viele Ladenräume in der Baden-Badener Innenstadt weiterhin verwaist. Gleich zwei Geschäfte stehen in der Sophienstraße leer. In die ehemaligen Räume des Modegeschäfts „Escada“ ist noch niemand eingezogen. Schräg gegenüber befand sich die Boutique „Mia Zaya“, auch dort fehlt ein Nachmieter. Ähnlich sieht es in der Gernsbacher Straße aus. Eine Immobilienagentur sucht für den Laden neben Moda d‘ Italia noch einen Nachfolger.

Und es ziehen weitere Einzelhändler aus: Der Kaschmirladen „Hawico Cashmere“ in der Luisenstraße hat gerade Räumungsverkauf. Die Filiale der schottischen Modekette schließt Ende März – sie existierte seit Mai 2003. Der Konzern habe entschieden, das Geschäft aufzugeben, sagt Filialmitarbeiter Christian Saur. Dafür gebe es mehrere Gründe – die Pandemie sei nur einer. Der Umsatz sei etwa gesunken, als die Stadt den Leopoldsplatz umbaute. Das Modegeschäft Massimo Dutti in der Lange Straße verschwindet einen Monat früher (wir berichteten). Von August bis Februar habe er in der Innenstadt 44 Leerstände gezählt, sagt Martin Lautenschlager von der städtischen Wirtschaftsförderung. Das sind 13 mehr als zuvor. Nicht alle Ladenräume sind tatsächlich leer. „Leerstand ist nicht gleich Leerstand“, sagt Lautenschlager. Es gehören auch Geschäfte dazu, die saniert werden. Zum Beispiel steht die ehemalige H&M-Filiale seit zwei Jahren leer. Der französische Vermieter baut sie zurzeit um. Ein Problem seien solche Geschäfte, die Dienstleister wie Friseure oder Massagestudios belegen. Auch Agenturen oder Maklerbüros mieteten einige Läden. Sie verdrängten Einzelhändler. Die Stadt könne dagegen wenig tun – das sei Vermietersache. „Die Innenstadt hat eine touristische Funktion. Wenn es zu wenig Geschäfte gibt, bleiben Besucher aus“, sagt Lautenschlager. Für die Stadt seien Einzelhändler wichtig.

Zum Thema

Das Land Baden-Württemberg hat die 3G-Regel im Handel in der Alarmstufe im Februar abgeschafft. Seit etwa eineinhalb Wochen brauchen Menschen keinen Nachweis mehr. Bisher hatten nur Geimpfte, Genesene oder Kunden mit einem Test Zutritt zu den Geschäften. Diese Regel fällt jetzt weg. Die FFP2-Maskenpflicht bleibt bestehen.Stufenplan: Baden-Württemberg soll kommende Woche zur Warnstufe zurückkehren – kündigte Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Freitag an. Damit fallen weitere Beschränkungen weg. Zum Beispiel dürfen Clubs und Discos unter bestimmten Bedingungen wieder öffnen. Messen sind wieder erlaubt und mehr Zuschauer dürfen Veranstaltungen besuchen. Die Landesregierung will die neue Corona-Verordnung am Mittwoch veröffentlichen.

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Ihr Autor

BNN-Volontärin Karoline Scharfe

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Erstellt:
18. Februar 2022, 18:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 31sec

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