Einziges Schreibwarengeschäft in Forbach schließt

Forbach (stn) – Nach 25 Jahren Tätigkeit schließt die Papierbox seine Schreibwarenabteilung und den Buchhandel zum 28. Januar. Die Werbeagentur bleibt jedoch bestehen.

Nach 25 Jahren ist Schluss: Vera und Peter Finkbeiner schließen den Papierbox-Buchhandel. Kinderbücher oder Krimis sucht man dann dort vergebens. Foto: Nora Strupp

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Nach 25 Jahren ist Schluss: Vera und Peter Finkbeiner schließen den Papierbox-Buchhandel. Kinderbücher oder Krimis sucht man dann dort vergebens. Foto: Nora Strupp

Füller, Stifte, Blöcke, Grußkarten, Geschenkpapier, Bürobedarf und jede Menge Bücher verschiedener Genres: Noch ist bei der Papierbox in der Hauptstraße 31 in Forbach alles da, was Buben und Mädchen für die Schule brauchen oder das Herz von Leseratten höher schlagen lässt. Doch das wird sich schon bald ändern. Denn Peter und Vera Finkbeiner werden die Schreibwarenabteilung und den Buchhandel zum 28. Januar schließen.

Viele Jahre lang – ein Vierteljahrhundert, um genau zu sein – war die Papierbox der Anlaufpunkt für Schüler und Erwachsene, wenn es um Schreibwaren, Büro- und Geschenkartikel ging. Zunächst am Standort Mosesbrunnen, 2007 folgte schließlich der Umzug in die Räumlichkeiten an der B462. Damit erweiterten die beiden Inhaber Peter und Vera Finkbeiner das Angebot um eine große Auswahl an Büchern. Das Geschäft lief in den ersten Jahren in beiden Segmenten gut, doch „ab 2012 wurde der Umsatz mit jedem Quartal weniger“, blickt Peter Finkbeiner auf den Beginn einer harten Zeit zurück. Auch die Belieferung von klein- und mittelständischen Unternehmen sei drastisch zurückgegangen.

Online-Handel als boomender Konkurrent

Der Grund dafür dürfte auch anderen Einzelhändlern bekannt vorkommen. Ein neuer, zunehmend boomender Konkurrent trat auf die Bildfläche: der Online-Handel. Was folgte, war eine Tiefpreis-Schlacht. Behörden und Unternehmen wurden angewiesen, zentral einzukaufen. „Es war eine Zentralisierung ohne Rücksicht auf Verluste“, beschreibt Peter Finkbeiner. „Wir hatten schon die Situation, dass wir von einer Firma einen Auftrag für eine ganze Palette – 100.000 Blatt – Papier nicht bekommen haben, weil es irgendwo fünf Euro günstiger war“, berichtet Vera Finkbeiner. „Ein Betrieb kommt einfach nicht an die Preise von online ran“, bekräftigt Peter Finkbeiner.

Zunehmend beobachtete das Ehepaar, wie sich der Onlinehandel professioneller aufstellte: Anfangs habe es bei den Plattformen nur No-Name-Artikel gegeben, doch mittlerweile seien auch Markennamen dort zu finden. „Innerhalb von fünf Jahren ist unser Umsatz um 60 Prozent eingebrochen. Da waren wir richtig erschrocken“, macht Peter Finkbeiner die Dramatik deutlich. Besonders schwierig wurde es, als schließlich auch noch Discounter in den Preiskampf einstiegen.

Dass sie nun im Bereich Schreibwaren und Buchhandel die Segel streichen müssen, bedauern die beiden. Gerne denken sie an frühere Zeiten zurück, in denen sie Schüler von der Einschulung bis nach dem Studium und dann die nachfolgende Generation begleiten durften. „Besonders der Umgang mit den Schülern hat uns viel Freude bereitet. Während die Kinder ihre Sachen für die Schule zusammengesucht haben, haben sich die Mütter unterhalten“, erinnert sich Vera Finkbeiner. „Der lokale Handel ist auch ein Treffpunkt, hier findet Kommunikation und sozialer Austausch statt“, ergänzt Peter Finkbeiner. Ganz stolz seien die Buben und Mädchen mit ihren bunten Erstklässlerboxen, gefüllt mit Schulhelften, Stiften, Spitzern, Radiergummis und Schlüsselanhängern aus dem Laden spaziert, die sie gratis zu jedem Einkauf erhalten haben,

Lagerräumung: Noch bis 28. Januar können in der Papierbox Schreibwaren erworben werden. Foto: Nora Strupp

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Lagerräumung: Noch bis 28. Januar können in der Papierbox Schreibwaren erworben werden. Foto: Nora Strupp

„Der Einkäufer entscheidet über die Vielfalt im Ort“

Trotz aller Wehmut gibt es aber auch gute Nachrichten, denn: Ganz verschwinden aus Forbach soll die Papierbox nicht. Die Werbeagentur wird weiterhin existieren. „Den Textildruck und die regionalen Bücher, Karten und Kalender aus der eigenen Verlagstätigkeit werden wir weiterhin anbieten und ausbauen“, versprechen die Finkbeiners. Auch die Kopierdienstleistungen können noch in Anspruch genommen werden. In Zukunft soll ein Fokus außerdem auf selbst produzierten Taschen liegen, die mit unterschiedlichsten Motiven bedruckt werden.

Ihr Sohn Nico Finkbeiner betreibt im Gewerbegebiet Breitwies ebenfalls eine Werbeagentur. Geplant ist auf lange Sicht, die zwei Werbeagenturen zusammenzulegen. Aus „Papierbox Medien“ und der „Werbeagentur Finkbeiner“ soll „Finkbeiner Medien“ werden.

Dass der stationäre Fachhandel immer weiter ausstirbt, stimmt Peter und Vera Finkbeiner nachdenklich. Um den traurigen Trend der trostlosen Ortskerne und Innenstädte mit ihren verwaisten Schaufenstern aufzuhalten, muss nach Ansicht von Peter Finkbeiner vor allem eins passieren: „Das Einkaufsverhalten der Leute muss sich verändern, denn nur der Einkäufer entscheidet über die Vielfalt im Ort. Den Kunden ist ihre Macht aber gar nicht bewusst.“

www.papierbox.de

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nora Strupp

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Erstellt:
14. Januar 2022, 18:43 Uhr
Lesedauer:
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