Eisbär Lloyd in Karlsruhe eingetroffen

Karlsruhe (BNN) – Nach dem Tod von Eisbär Blizzard im Februar freut sich der Karlsruher Zoo über einen neuen Eisbären: Lloyd aus dem Zoo Bremerhaven ist am Montagabend im Badischen eingetroffen.

Lloyd soll in Karlsruhe zunächst einmal nicht für die Zucht eingesetzt werden. Foto: Zoo am Meer Bremerhaven

Lloyd soll in Karlsruhe zunächst einmal nicht für die Zucht eingesetzt werden. Foto: Zoo am Meer Bremerhaven

Blizzard war Anfang Februar wegen einer angeborenen Nierenerkrankung gestorben. Im Karlsruher Zoo ist man glücklich über den Neuzugang: „Wir freuen uns, wieder zwei Eisbären in Karlsruhe halten zu können“, sagt Zoodirektor Matthias Reinschmidt. Lloyd lebte in Bremerhaven bislang mit Weibchen Valeska zusammen, mit der er vier Jungtiere zeugte. Der Eisbär wurde in Bremerhaven vom dortigen Zootierarzt in Narkose gelegt und in eine entsprechende Transportbox gebracht. Einen Tag lang reist das Tier von Norden nach Süden.

Die genetische Vielfalt bei Eisbären soll in menschlicher Obhut möglichst groß gehalten werden, teilt die Stadt in einer Presseerklärung mit. Deswegen sei durch die Koordinatoren des Zuchtbuchs entschieden worden, dass Lloyd nach Karlsruhe kommt. Valeska bleibt mit ihren Jungtieren Anna und Elsa in Bremerhaven und dort fortan die gesamte Anlage alleine nutzen.

„Dieser Wechsel ist sinnvoll für Bremerhaven, die für ihre drei Bären nun mehr Platz haben“, sagt Reinschmidt. Nach einer mehrwöchigen Eingewöhnungsphase sollen Lloyd und Charlotte zusammenziehen.

Dürfen sich die Karlsruher also bald auf ein Eisbärbaby freuen? Diese Hoffnung macht Zootierarzt Marco Roller zunichte – erst mal: „Aktuell werden wir mit ihm nicht züchten, er hat auch ein Verhütungsimplantat.“ Da es in europäischen Zoos in den vergangenen Jahren bei Eisbären einigen Nachwuchs gab, hat der Zuchtkoordinator für fast alle Paare einen Zuchtstopp erlassen. Für die Jungtiere müssen auch geeignete Haltungen zur Verfügung stehen.

Dabei spielt auch der Krieg in der Ukraine eine entscheidende Rolle, da Eisbärenhaltungen in Russland und der Ukraine für eine Jungtierübernahme zurzeit nicht zur Verfügung stehen. Ausschließen will der Karlsruher Zoo eine Nachzucht aber keinesfalls: „Der Zuchtstopp gilt nur vorerst“, betont Zoo-Pressesprecher Timo Deible. Letztlich entscheide das Zuchtbuch. „Unsere Anlage ist auf jeden Fall groß genug für Nachwuchs“, so Deible. „Aber das ist am Ende nicht unsere Entscheidung.“ Dass Lloyd zeugungsfähig ist, habe er in Bremerhaven bewiesen.

Am Dienstagmorgen darf Lloyd erstmals sein neues, rund 2.000 Quadratmeter großes Zuhause begutachten. „Ob er sich direkt heraustraut, muss man sehen“, sagt Deible. Der Eisbär werde sich dann zunächst im kleineren Anlagenteil aufhalten, während Charlotte im größeren, abgetrennten Bereich ist.

Grüne kritisieren Eisbärenhaltung

Sehen können sich die beiden dann bereits – bis sie sich wirklich beschnuppern können, wird es laut Deible aber noch etwas dauern. „Man muss sehen, wie sie drauf sind“, so der Zoo-Pressesprecher.

In den vergangenen Wochen hatte die Gemeinderatsfraktion der Grünen eine Debatte über die Eisbärenhaltung im Zoo angestoßen. Man lehne einen Wiedereinstieg in die Eisbärenzucht ab, so die Grünen. Dazu sagt Zoo-Sprecher Deible: „Das ist nicht unsere Entscheidung.“ Über die Nachzucht von Eisbären entscheide am Ende das Zuchtbuch.

Bremerhavener bedauern Lloyds Wegzug

In Bremerhaven ist man unterdessen nicht so glücklich über Lloyds Wegzug. „Er war immerhin 20 Jahre bei uns im Zoo“, sagt Tobia Fischer, Leiterin der Bremerhavener Redaktion der Nordsee Zeitung. Der Wechsel ins Badische sei für Bremerhaven überraschend gekommen. Fischer ist sich sicher: „Das wird einige hart treffen.“

Kommentar: Wohl der Tiere im Blick

Von BNN-Redakteurin Tina Mayer

Die Meinungen über Eisbären in Zoos gehen auseinander. Tierschützer wollen die Großtiere am liebsten nicht mehr in den Tierparks sehen. Andere wiederum wünschen sich Nachwuchs, auch, um die gefährdete Art zu erhalten.

Ist die Eisbärenhaltung in Zoos noch zeitgemäß? Diese Frage stellte sich für viele nach dem Tod von Eisbär Blizzard im Karlsruher Zoo Anfang Februar. Engagierte Tierschützer, allen voran die Karlsruher Grünen, sprechen sich vehement gegen eine Nachzucht aus.

Ein prächtiger Bursche: Der 21-jährige Lloyd zeigt seine ganze Größe beim Spielen im Zoo Bremerhaven. Foto: Sina Schuldt/dpa

© dpa

Ein prächtiger Bursche: Der 21-jährige Lloyd zeigt seine ganze Größe beim Spielen im Zoo Bremerhaven. Foto: Sina Schuldt/dpa

Die Zoobesucher wiederum träumen schon jetzt von pelzigem Nachwuchs, seit den 1990er Jahren ist kein tapsiger Vierbeiner mehr durch die Karlsruher Eisbärenanlage gestolpert. Dass Neuzugang Lloyd nun tatsächlich für Nachwuchs sorgen könnte, stellte er im Zoo Bremerhaven bereits mehrfach unter Beweis.

Das bloße Vorführen wilder Tiere ist längst nicht mehr das Hauptinteresse moderner Tierparks, das haben auch die Besucher akzeptiert. Der Karlsruher Zoo hat unter der Leitung von Direktor Matthias Reinschmidt Vorbildcharakter in Sachen Artenschutz und Arterhaltung. Die Artenschutzstiftung der Karlsruher fördert Projekte in der ganzen Welt. Die Karlsruher Zooleitung hat das Wohl ihrer Tiere im Blick.

Die Entscheidung über eine Nachzucht der Eisbären liegt letztlich nicht in der Hand der Karlsruher. Ein übergeordnetes Zuchtprogramm hat darüber verfügt, dass Eisbär Lloyd aus Bremerhaven ins Badische zieht.

Freilebende Eisbären sind vom Aussterben bedroht, Experten messen der Arterhaltung durch Zoos eine große Bedeutung zu. Trotzdem ist die Haltung der Eisbären in Zoos nicht unbedingt zeitgemäß, sämtliche Zuchtprogramme zu stoppen, kann jedoch auch nicht die Lösung sein.

Dass der Karlsruher Zoo das Wohl der Tiere im Blick hat, zeigt er auch damit, dass alte Wildtiere hier ihren Lebensabend in altersentsprechendem Ambiente verbringen dürfen.

Neben Löwin Safo sind das vor allem die beiden Elefantendamen Saida und Jenny. Die grauen Riesen leben in einer speziellen Altersresidenz für Elefanten. Das ist vorbildlich.

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Ihr Autor

Tina Mayer und Martina Kempka

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Erstellt:
12. April 2022, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 41sec

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