Eisenmann kämpft bis zuletzt

Stuttgart (bjhw) – Orientiert man sich an den jüngsten Umfragen, sieht es für die CDU am 14. März bei der Landtagswahl nicht gut aus. Doch Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann gibt sich kämpferisch.

Susanne Eisenmann, Spitzenkandidatin der CDU für die Landtagswahl in Baden-Württemberg und Ministerin für Kultus, Jugend und Sport. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

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Susanne Eisenmann, Spitzenkandidatin der CDU für die Landtagswahl in Baden-Württemberg und Ministerin für Kultus, Jugend und Sport. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Wirklich ernsthafte Chancen hat CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann laut Umfragen kaum mehr auf einen Sieg bei der Landtagswahl am Sonntag – auch wenn FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke im Endspurt laut über eine Deutschland-Koalition mit der SPD unter CDU-Führung nachdenkt. Unermüdlich unterwegs ist die 56-Jährige dennoch, mit ihrer digitalen Veranstaltungsreihe „Eisenmann will’s wissen“. Dies ist auch der Beweis dafür, wie die Bildungspolitik in Corona-Zeiten den Wahlkampf der Kultusministerin dominiert hat.

Es gibt sie, die entspannte Susanne Eisenmann, auch in diesen schweren letzten Wahlkampftagen. Am vergangenen Wochenende erzählte sie, wie sie „in Heumaden unterm Stuttgarter Fernsehturm“ aufgewachsen ist, in einer vergleichsweise ländlichen Gegend, mit vielen Freunden und viel mit dem Fahrrad unterwegs: „Ich hatte eigentlich eine tolle Kindheit und noch immer Freunde und Freundinnen aus dieser Zeit.“ Daran erinnere sie sich noch gern.

Die Hoffnungen waren groß


Dass das später auch einmal für diese wichtige Wahl am Beginn des Superwahljahrs 2021 gelten wird, ist zweifelhaft. Mit Hoffnungen geradezu überhäuft, war die promovierte Germanistin im Juli 2019 beim Parteitag in Heilbronn zur Spitzenkandidatin gekürt worden, und Generalsekretär Manuel Hagel tönte: „Ich sage es auch als Jäger: Die politische Schonzeit für Winfried Kretschmann, die endet mit diesem Tag.“ Die Basis ebenso wie die Parteispitze erwarteten nicht mehr und nicht weniger von ihr, als die CDU zügig auf Augenhöhe mit den Grünen zu bringen. Aber schon die erste Umfrage zur Hochzeit der Klimadebatte und nachdem der Ministerpräsident sich entschieden hatte, eine dritte Amtszeit anzustreben, wurde zum Dämpfer: Der Baden-Württemberg-Trend vor eineinhalb Jahren schrieb der CDU 26 Prozent zu und den Grünen 38. Sie wolle Wahlen und nicht Umfragen gewinnen, wurde zur Stereotype bis heute.

Die Hälfte ist grundsätzlich dagegen


Alle in der CDU, die die Kultusministerin vorzogen, weil sie dem Landesvorsitzenden Thomas Strobl nicht zutrauten, Kretschmann erfolgreich herauszufordern, wussten, dass sie eine heikle Entscheidung trafen. Eisenmann machte so manchen Fehler, hat zugleich aber recht mit der Einschätzung, dass, was auch immer sie tue, grundsätzlich die Hälfte der Eltern und der Lehrerschaft unzufrieden sei. Wahr ist allerdings zudem, und das ist einer der Hauptvorwürfe ihrer immer zahlreicheren parteiinternen Kritiker, dass sie selbst Unterstützer gegen sich aufbrachte. Vor allem vor Weihnachten mit der Aussage, Kinder und Lehrkräfte unabhängig von den Inzidenzraten rasch in den Präsenzunterricht zurückholen zu wollen.

Über ihre historische Rolle, als erste Frau nach dem höchsten Amt im Land zu greifen, spricht die Kandidatin selten. Rund um den Internationalen Frauentag bekannte sie dann doch einmal ihr Erschrecken über die Respektlosigkeit, mit der noch immer gegen Frauen in Führungspositionen Stellung bezogen werde. Das mache sie nach so vielen Jahren in der Politik auch ratlos. Schwer vorstellbar ist jedenfalls, dass führende Parteifreunde einem männlichen Spitzenkandidaten so kurz vor der Wahl das Leben so schwer machen würden: Denn während Eisenmann selbst die nächste Regierung anführen will, um das Land fit zu machen für die Zwanziger Jahre, sieht sogar Strobl das Land durch Grün-Schwarz „gut aufgestellt für die Zwanziger Jahre“. Was ja nichts anderes bedeutet, als dass die CDU sich nach anderen Bündnispartnern gar nicht erst umsehen soll.


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