Eisental: Ortsvorsteher tritt zurück

Bühl (mf/sga) – Jürgen Lauten wird zum Jahresende sein Amt aufgeben. Diese Nachricht sorgte für große Überraschung in der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrates Eisental.

Ortsvorsteher Jürgen Lauten geht, und auch in der Ortsverwaltung gibt es einen Wechsel: Annette Leppert (rechts) wird durch Sabrina Meier ersetzt. Foto: Martina Fuß

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Ortsvorsteher Jürgen Lauten geht, und auch in der Ortsverwaltung gibt es einen Wechsel: Annette Leppert (rechts) wird durch Sabrina Meier ersetzt. Foto: Martina Fuß

Es war eine hoch-emotionale Situation am Ende der Ortschaftsratssitzung in Eisental: Jürgen Lauten, seit 28 Jahren im Ortschaftsrat, davon sechs Jahre als Stellvertreter und sieben Jahre als Ortsvorsteher, gibt bekannt, dass er zum 31. Dezember dieses Jahres von seinem Amt als Ortsvorsteher zurücktritt und auch den Ortschaftsrat verlässt.

Es war eine faustdicke Überraschung für die Ortschaftsräte. Jürgen Lauten hatte erst am Abend Oberbürgermeister Hubert Schnurr und auch die anderen Vorsteher der Bühler Ortsteile informiert. „Es fällt mir wirklich nicht leicht und es war ein langer Entscheidungsprozess, das könnt Ihr mir glauben“, wandte er sich an die Gremiumsmitglieder, „aber nach reiflicher Überlegung ist die Entscheidung gefallen. Ich habe schweren Herzens mein Rücktrittsgesuch eingereicht, und ich hoffe, Ihr habt Verständnis und könnt das mittragen.“

Zwei Gründe führt der erfahrene Kommunalpolitiker für den Rücktritt an. Zum einen erfordere die berufliche Aufgabe als Hochbau-Amtsleiter der Stadt Gaggenau seine ganze Aufmerksamkeit, zum anderen müsse er auf seine Gesundheit achten. Er wolle und könne sich nicht aufreiben. „Die Ressourcen reichen einfach nicht aus für beides und halbe Sachen mache ich nicht“, so Lauten, der nicht nur in der Kommunalpolitik aktiv ist, sondern seit 17 Jahren den Heimatverein leitet, seit zehn Jahren Jugendleiter im Turnverein ist und fast ein Viertel-Jahrhundert den Schartenberghexen vorstand. Natürlich stehe er als sachkundiger Bürger jederzeit zur Verfügung, schließlich sei viel Herzblut in den Job geflossen und manchen Kampf habe er für den Ort gefochten. „Ich werde mich auch weiterhin für Eisental einsetzen und mit Rat und Tat zur Seite stehen“, versprach der sichtlich gerührte Ortsvorsteher.

Ortschaftsräte zeigen Verständnis

Formell muss der Ortschaftsrat entscheiden, ob es keinen Hinderungsgrund für den Rücktritt gibt. Auch wenn alle Räte den Rücktritt bedauerten, so äußerten sie auch Verständnis: „Die Entscheidung tut weh. Andererseits hoffe ich, dass Du uns auch weiterhin mit Deiner Tatkraft zur Verfügung stehst“, erklärte Axel Schroeter (SPD). „Wir wollen froh zurückblicken auf das, was Du alles geleistet hast.“ Auch Petra Zeller (CDU) erinnerte dankbar daran, wie viele Projekte und kreative Ideen Lauten in seiner Zeit im Ortschaftsrat angestoßen und umgesetzt habe.

Einmal die schweren Minuten der Verkündung überstanden, informierte Lauten darüber, wie es weitergeht. Im Dezember soll ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gewählt werden. Die Person könnte dann am 1. Januar 2022 schon ihr Amt antreten.

Bühls Oberbürgermeister Hubert Schnurr hat selbst erst am Dienstagabend von dem „bedauerlichen“ Rücktritt erfahren. Lauten sei „ein wichtiger Aktivposten“ und habe maßgeblich zu der Gestaltung des Dorflebens beigetragen, „aber man kann es verstehen, er hat in Gaggenau einen verantwortungsvollen Aufgabenbereich“.

Auch Wechsel in der Ortsverwaltung

Wenige Minuten bevor Eisentals Ortsvorsteher Jürgen Lauten seinen Rücktritt mitteilte, verabschiedete er am Dienstag im Ortschaftsrat Verwaltungsmitarbeiterin Annette Leppert, die nach Rastatt ins Landratsamt wechselt. Dabei stellte er auch gleich Nachfolgerin Sabrina Meier vor, die ab dem 4. Oktober in der Ortsverwaltung arbeiten wird. „Du hast ideal zu uns gepasst“, lobte Lauten die scheidende Mitarbeiterin. Sie sei eine „wichtige Ansprechpartnerin“ gewesen, betonte er und dankte für ihr enormes Engagement. Einen Wermutstropfen bringt der Wechsel mit sich. Während Leppert 26 Stunden arbeitete, hat Meier nur eine Wochenarbeitszeit von 19,5 Stunden. Die Folge ist, dass ab sofort die Verwaltung dienstags geschlossen ist. Auch eine weitere Schließung donnerstags müsse er in Betracht ziehen, wenn sich die Arbeit anders nicht bewältigen lasse, sagte Lauten. Sein Vorschlag an die Stadtverwaltung, eine zweite Kraft einzustellen, sei man nicht gefolgt. Sowohl Thomas Roth (CDU) als auch Ursula Zink-Ohnemus (FW) äußerten Bedenken zu einer weiteren Schließzeit. Lauten blieb bei seiner Position: „Ich werde nicht akzeptieren, dass die Arbeit nur mit Überstunden zu bewältigen ist, und werde meiner Sorgfaltspflicht nachkommen.“ Er verwies auf die aktuell in den Ortsverwaltungen durchgeführte Organisationsuntersuchung, die bis Ende des Jahres abgeschlossen sein wird. Noch vor der Sommerpause 2022 werden die Ergebnisse den Ortschaftsräten vorgestellt. Er gehe davon aus, dass die Untersuchung den Personal-Mehrbedarf aufzeige.

Ihr Autor

Martina Fuß und BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
23. September 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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