Eishockey: Aufbruchstimmung bei den „Schwänen“

Schwenningen(mi) – Die Schwenninger Wild Wings blühen nach Frustjahren in der Deutschen Eishockey Liga kurz vor dem Frühling auf und haben gute Chancen auf den Einzug in die Playoffs.

Torwart Joakim Eriksson hat dem Schwenninger Team schon etliche Punkte in dieser Saison gerettet. Foto: Uwe Anspach/dpa

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Torwart Joakim Eriksson hat dem Schwenninger Team schon etliche Punkte in dieser Saison gerettet. Foto: Uwe Anspach/dpa

Wer viermal in den vergangenen sechs Jahren Letzter geworden ist, hat etwas falsch gemacht. Viel sogar. Von daher überrascht es nicht, dass in der Eishockey-Hochburg Villingen-Schwenningen ein radikaler Umbruch eingeleitet wurde. Für die enthusiastischen, aber auch kritischen Fans der Schwenninger Wild Wings war der größte Weihnachtswunsch pünktlich zum coronabedingt verspäteten DEL-Saisonstart: Neue Gesichter auf dem Eis, hinter der Bande und in der Vereinsführung zu sehen. Der Wunsch wurde ihnen erfüllt.

Und tatsächlich: Mit dem dynamischen Manager Christof Kreutzer, dem in der Branche als harten Hund geltenden Trainer Niklas Sundblad und einem runderneuerten Kader sind die Ergebnisse in der Südstaffel mehr als beachtlich. Vier Wochen vor dem Playoff-Start kämpfen die „Schwäne“ beharrlich um den vierten Platz, der die Endrundenteilnahme bescheren würde.

Endlich scheint sportlich in der auch wettertechnisch nicht verwöhnten Doppelstadt wieder öfter die Sonne. „Die Neuzugänge haben gut eingeschlagen, die Mannschaft zeigt einen guten Charakter. Wichtig ist, dass wir vier ausgeglichene Reihen haben. Platz vier können wir schaffen“, sagt Kreutzer. Der 53-Jährige ist jedem Eishockey-Fan in Düsseldorf ein Begriff, mit der DEG gewann er in der Hochzeit an der Brehmstraße in den 90er Jahren fünf Meistertitel. Bundesweit bekannter ist indes sein Bruder Daniel, der zwar nie Meister wurde, dafür langjähriger Nationalspieler und bis heute DEL-Scorerkönig (797 Punkte in 1.066 Spielen).

Der ältere Bruder hat sich zunächst als Trainer – drei Jahre bei der DEG, danach beim Zweitligisten Bad Nauheim – einen Namen gemacht, jetzt will er am Schreibtisch „etwas bewegen. Es gibt viel zu tun. Ich bin selten zufrieden, ich will immer weiter nach vorne. Es gibt immer was zu hinterfragen und zu verbessern“. Nach den beiden deprimierenden Vorjahren war Letzteres nicht allzu schwer.

Zuletzt stotterte das Überzahlspiel

Dass der Schwede Joakim Eriksson im Tor, sein stürmender Landsmann Andreas Thuresson, die in Europa bislang unbekannten Spink-Zwillingsbrüder und der Haudegen Travis Turnbull aber dermaßen einschlugen und fleißig scoren, war so nicht zu erwarten. Kreutzer: „Wir mussten einige Spieler austauschen, um hier für frischen Wind zu sorgen.“ Mit den Neuen hat sich auch die Mentalität stark verändert. „Die Gedanken mussten sich hier auch im Umfeld ändern. Nach einer Niederlage ist die Saison nicht gelaufen“, war der Rheinländer aus der Schunkelstadt Düsseldorf über die vielen Schwarzmaler im Schwarzwaldloch überrascht.

Nach einem optimalen Saisonstart war zuletzt wieder vermehrt Schwanengesang angesagt, weil speziell das Überzahlspiel stotterte. Doch dass man in der Südstaffel, in der sich die Branchengrößen und Titelfavoriten Mannheim und München tummeln, mitmischt, zeigt, „dass wir einen guten Job gemacht haben“. Dass der akribisch arbeitende Chefcoach Sundblad vor der Saison viel Wert auf Fitness legte, zahlt sich nun aus. Der Mix aus schwedisch-taktischem und kanadisch-kämpferischem Hockey könnte aufgehen.

Die nordamerikanische, also kleinere Eisfläche, die in zwei Jahren zum Standard in Europa werden soll, ist zudem ein Vorteil. Kreutzer: „Du hast keine Zeit zum Nachdenken. Wir müssen uns immer umstellen, wenn wir auswärts spielen.“ Für die Prügelknaben der Vorjahre ist es gewiss auch kein Nachteil, dass der erstmals in der DEL-Historie eingeführte Abstieg wegen Corona um ein Jahr nach hinten verschoben wurde. Angst frisst Seele auf gilt am Neckar nicht mehr.

Ihr Autor

BT-Redakteur Michael Ihringer

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Erstellt:
17. Februar 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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