Elchesheim-Illingen: Angebot „angepasst“

Elchesheim-Illingen (as) – Vielen ist es zu teuer: Betreutes Wohnen im Haus Edelberg Elchesheim-Illingen. Der Betreiber sagt, man habe das Angebot .„angepasst“. Die Gemeinde hat Gesprächsbedarf.

Die neue Ortsmitte Elchesheim-Illingen mit dem Seniorenzentrum Haus Edelberg. Luftbild: Willi Walter

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Die neue Ortsmitte Elchesheim-Illingen mit dem Seniorenzentrum Haus Edelberg. Luftbild: Willi Walter

Nach wie vor gibt es in Elchesheim-Illingen Unmut über die Preisstruktur für das betreute Wohnen im neuen Seniorenzentrum Haus Edelberg in der Ortsmitte (das BT berichtete). Unmut, der offenbar auch am Betreiber nicht gänzlich abprallt: Nach einem „guten Gespräch mit dem Bürgermeister“ habe man Ende 2020 das Angebot „angepasst“, erklärt Bernhard Rössler, Sprecher von Haus Edelberg, auf Nachfrage des BT.
Vollpension, Betreuung, Beratung und Verwaltung, Gesundheits- und Sicherheitsleistungen, Gesellschafts- und Unterhaltungsprogramm seien jetzt alle im Basispreis enthalten, erklärt er. Die Warm-Miete betrug laut einem Angebot vom November 2020, das dem BT vorliegt, rund 2.625 Euro für eine 49-Quadratmeter-Wohnung (53 Euro pro Quadratmeter) – damals ohne Zusatzleistungen.

All-inclusive-Paket nachgebessert

Jetzt gebe es ein All-inclusive-Paket, so der Sprecher von Haus Edelberg. Was das genau kostet, darüber schweigt er sich allerdings aus, verweist vielmehr auf weitere Zusatzleistungen, die wahlweise gebucht werden könnten, wie Wohnungsreinigung, Einkaufen, Betten beziehen, Müllentsorgung oder Haustechnik. Aufgrund des neuen Preissystems habe es der Bewohner – aufgrund des Dazu- oder Abbuchens von Leistungen – selbst in der Hand, den Preis zu bestimmen, sagt Rössler. Auf die Frage, ob auch die All-inclusive-Leistungen wahlweise sind, wenn jemand im betreuten Wohnen beispielsweise selber kocht, schweigt er. Zurückhaltend scheinen Interessenten zu reagieren, von denen es laut Rössler viele gibt: Nach einem knappen halben Jahr ist erst eines der 16 Appartements im betreuten Wohnen vermietet.

Gemeinde wollte Angebot für Dorfbewohner

Erst jüngst thematisierte ein erboster Bürger in der Fragestunde der öffentlichen Ratssitzung den hohen Mietpreis. Mehr als 2.000 Euro monatlich, das könne sich jemand mit einer normalen Rente nicht leisten. Er kritisierte, deswegen hätten sich schon mehrere Interessenten aus dem Dorf anderweitig umschauen müssen. Darüber hatte das BT bereits Anfang Dezember 2020 berichtet. Vielen Elchesheim-Illingern sei es entgegen den Erwartungen also offenbar nicht möglich, dort ihren Lebensabend zu verbringen.

Auch Bürgermeister Rolf Spiegelhalder zeigte sich im Dezember gegenüber dem BT befremdet über das Preisniveau. Denn Ziel der Gemeinde sei es immer gewesen, vor allem ein Angebot für die Dorfbewohner zu machen, so Spiegelhalder. Allerdings seien der Gemeinde gegenüber dem privatwirtschaftlichen Betreiber die Hände gebunden, erklärte Spiegelhalder damals. Er ging davon aus, dass der Markt das regulieren werde, sprich: Wenn die Wohnungen sich schlecht vermarkten lassen, werde der Anbieter schon nachbessern.

Betreiber verweist auf „Gesamtkonzept“

Vom BT mit der anhaltenden Kritik am hohen Preis konfrontiert, spricht Bernard Rössler von einem „Missverständnis, das angesprochen werden muss: Wir ,vermieten‘ nicht einfach eine Wohnung; unser Angebot für das betreute Wohnen darf nicht mit normalen Mietwohnungen verwechselt werden“. Die barrierefreien Wohnungen seien Teil eines Gesamtkonzepts für Senioren, bei dem alles unter einem Dach ist, betont der Sprecher: Betreutes Wohnen, stationäre Pflege, Kurzzeit- und Tagespflege (die coronabedingt noch nicht eröffnet worden sei) – inklusive der Möglichkeit, bei Bedarf bevorzugt vom betreuten Wohnen ins Pflegeheim zu wechseln, wenn ein Platz frei ist. Einen Empfang, einen festen Ansprechpartner und Betreuungskräfte für alle möglichen Anliegen wie Korrespondenz, Behördengänge, alles rund um Computer, Smartphone und Internet oder die Terminvereinbarung mit dem Arzt nennt er als weitere inkludierte „Serviceleistungen“. Betreuung und Vermittlung von kulturellen Angeboten, von ambulantem Dienst oder Hausnotrufdienst seien ebenfalls im Preis enthalten – genau wie die Teilnahme an hausinternen Veranstaltungen oder organisierten Ausflügen.

„Weil das alles mit einer normalen Wohnung nichts mehr zu tun hat, bestimmt es natürlich auch das Preisniveau“, erklärt der Sprecher und betont, dass sich dieses ganz im Rahmen ähnlicher Angebote bewege. „Wenn man die Preise für ein Wohnkonzept, wie wir es in Elchesheim-Illingen auf die Beine gestellt haben, einmal vergleicht, dann sieht man auch, dass sie sich von Region zu Region wenig unterscheiden“, betont er weiter.

Am Bedarf vorbei geplant?

In Elchesheim-Illingen stellen sich hingegen viele die Frage, ob dieses Wohnkonzept tatsächlich zur ländlich geprägten Gemeinde passt oder am im Ort vorhandenen Bedarf vorbei geplant wurde – mit Blick vor allem auf wohlhabende Kundschaft von irgendwoher. Und genau daran entzünden sich die Beschwerden, die auch den Bürgermeister immer wieder erreichen.

Schon in der erwähnten Ratssitzung hat er ein Gespräch vor Ort mit Haus Edelberg angekündigt. Vom BT gefragt, wann dieses stattfinden soll und wer dabei sein wird, erklärt Spiegelhalder: „Es wird in absehbarer Zeit einen Austausch zwischen allen Verantwortlichen geben.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß

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Erstellt:
3. Mai 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 14sec

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