Elchesheim-Illingen ringt um besten Kita-Standort

Elchesheim-Illingen (as) – Aus vier Standorten für einen neuen Kindergarten soll der Gemeinderat Elchesheim-Illingen bei seiner Sitzung am 24. Januar wählen. Für alle gibt es Für und Wider.

Balanceakt: Wo ist der richtige Standort für den erforderlichen neuen Kindergarten? In Elchesheim-Illingen scheiden sich daran die Geister.Symbolfoto: Sebastian Kahnert/dpa

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Balanceakt: Wo ist der richtige Standort für den erforderlichen neuen Kindergarten? In Elchesheim-Illingen scheiden sich daran die Geister.Symbolfoto: Sebastian Kahnert/dpa

Aus vier Standorten für einen neuen Kindergarten soll der Gemeinderat Elchesheim-Illingen bei seiner Sitzung am Montag ab 19 Uhr im Bürgerhaus Alte Kirche Elchesheim wählen. Zwei sieht die Verwaltung in der engeren Wahl: Den Bolzplatz bei der Rheinwaldschule und die Rasenfläche beim Judo-Club. Schon vorab offenbart sich ein Dissens: Die Alternative Bürgerliste (ABL) plädiert nämlich in einer Pressemitteilung für die Sanierung der alten Schule Elchesheim, wovon sich ABL-Rat Christian Geschke auf Nachfrage aber distanziert.

Standort wird nicht mehr ausgeschlossen

Im Dezember war die Standortfrage auf Antrag von Norbert Schmidt (EIL) kurzfristig von der Tagesordnung abgesetzt worden. Es war von „neuen Gesichtspunkten“ die Rede, die am Sitzungstag aufgetaucht seien und zunächst bewertet werden müssten – Näheres konnte auch im Nachhinein nicht in Erfahrung gebracht werden. Neue Gesichtspunkte gehen aus den aktuellen Sitzungsunterlagen nicht hervor. Neu ist indes, dass der Standort beim Judo-Club auf dem verwaisten Bolzplatz nicht mehr ausgeschlossen wird.

Im Dezember wollte die Verwaltung wegen der dort verlaufenden Hochspannungsleitung dem Rat noch vorschlagen, von diesem Standort Abstand zu nehmen, wie in den Unterlagen zur damaligen Sitzung nachzulesen ist. Ein erforderlicher Schutzstreifen von 45,23 Meter zu beiden Seiten der Leitungsachse, der nicht bebaut werden darf, könne zwar objektiv eingehalten werden, „ein Standort mit größerem Abstand wäre jedoch subjektiv als attraktiver zu bewerten“, hieß es damals. Dabei hatte Bürgermeister Rolf Spiegelhalder (FW) im Oktober schon auf Anfrage dieser Zeitung bestätigt, dass bereits Planungen für einen Kindergarten an diesem Standort existieren.

Nun lautet die Formulierung in den aktuellen Sitzungsunterlagen: „Der Schutzstreifen würde mit einem Abstand von 90 Metern problemlos eingehalten werden. Des Weiteren sind als Vorteile die Grundstücksverhältnisse (kommunales Eigentum) sowie die attraktive Ortsrandlage zu nennen (Verkehrssituation und Naturnähe)“.

Bolzplatz: Es gibt Für und WIder

Auch bei der Gerichtsverhandlung wegen der Sportplatzkündigung im September 2021 hatte Spiegelhalder davon gesprochen, dass das Gelände für einen neuen, privaten Kindergarten im Gespräch sei – und damit den Vergleichsvorschlag des RWE-Anwalts abgelehnt, dort die Skateranlage aufzubauen. Das Gelände scheint begehrt zu sein. Denn dieser Bereich war im Rat vergangenes Jahr auch als Areal für eine Art Mehrgenerationenpark im Gespräch – das Thema wurde auf eine Klausursitzung vertagt. Gehört hat man davon seither nichts mehr.

Doch wieder zum Kindergarten-Standort: Favorit der Verwaltung war im Dezember noch der Bolzplatz neben der Rheinwaldschule. Die Lage in der Ortsmitte und Nähe zum bestehenden Kindergarten und Schule seien Vorteile, der neu angelegte Schulgarten und das Erweiterungspotenzial der Fläche weitere Argumente dafür, informiert die Sitzungsvorlage.

Freizeitfläche würde wegfallen

Damit würde allerdings für Kinder und Jugendliche eine der wenigen Freizeitflächen im Ort wegfallen und für die Schule eine Sportmöglichkeit beispielsweise für Bundesjugendspiele, Bewegungsflächen für die Ganztagsbetreuung oder die Fußball-AG (wofür das Areal jedoch zunächst instandgesetzt werden müsste). Das und die Befürchtung von Lärmemissionen hatten schon vergangenes Jahr für Aufruhr gesorgt, als die Gemeinde kurzzeitig geplant hatte, auf dem Bolzplatz die Skateranlage aufzubauen.

Und was meint Felix Ludwig, Rektor der Rheinwaldschule, zu einem möglichen Kindergarten-Standort auf dem Bolzplatz neben der Schule? „Sollte der Gemeinderat sich für diesen Standort entscheiden, wünsche ich mir eine enge Absprache“, sagt er auf BT-Anfrage, denn auch die Rheinwaldschule werde perspektivisch mit Blick auf die Ganztagsschulpflicht weiteren Platzbedarf haben.

Ausgeschlossen wird in der Sitzungsvorlage eine Erweiterung auf dem Kirchengelände beim jetzigen Kindergarten „mangels räumlicher und pädagogischer Kapazitäten“. Der Umbau der alten Schule Elchesheim wird demnach „nur als bedingt geeignet erachtet“. Als Gründe werden die angespannte Parksituation, die Nähe zur stark frequentierten Hauptstraße und die unbefriedigende Zu- und Abfahrtssituation durch die schmale Zufahrtsstraße genannt.

Alte Schule: Gemeinde hat andere Pläne

Unerwähnt bleibt dabei der Zielkonflikt, dass die Gemeinde das Gelände eigentlich an die Baugenossenschaft Gartenstadt Rastatt verkaufen will, die dort nach dem Abriss zwei dreigeschossige Wohnhäuser plant. Diese Pläne waren im Juni 2021 in einer Videokonferenz mit Bürgermeister Rolf Spiegelhalder, einem Architekten und dem Gartenstadt-Vorstand öffentlich vorgestellt worden (wir berichteten) – seitdem hat man jedoch auch davon nichts mehr gehört.

Die Alternative Bürgerliste (ABL) will diesen potenziellen Kindergarten-Standort nun nicht einfach ad acta legen. In einer Stellungnahme zeigt die Wählervereinigung auf, dass eine Sanierung mit Mitteln aus dem Landessanierungsprogramm gefördert werden könnte. Zudem habe man dort Freiraum für ein Außengelände und die Möglichkeit, einen Anbau für Vereinsräume für kleinere Vereine zu schaffen, die bisher keine Clubräume besitzen. Des Weiteren sehe man die Möglichkeit, dort – wohl statt des geplanten Millionenprojekts Bauhofneubau – ein Personalgebäude und eine bedarfsgerechte Werkstatt für den Bauhof zu errichten. Auch müsste man keine neue Heizungsanlage für das Bürgerhaus Alte Kirche anschaffen, das derzeit über die alte Schule mitversorgt werde. Und man könnte die Hauptstraße teils zur 30er-Zone umwandeln, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, bindet die ABL in ihre Ideen einen lang gehegten Wunsch von Bürgern ein. Zudem müsste der Schulsportplatz nicht bebaut werden, schreibt die ABL weiter, die durch Dieter Link und Christian Geschke im Gemeinderat vertreten ist.

Geschke plädiert für Neubau

Geschke zeigt sich auf Nachfrage überrascht: Er sei in die Erarbeitung der Stellungnahme nicht involviert gewesen, die Dieter Link an die Presse verschickt hat, kannte zunächst auch deren Inhalt nicht. Nach der Lektüre bekennt Geschke, inhaltlich komplett anderer Meinung zu sein. Grundsätzlich halte er mit Blick auf ökologisches Bauen oder Raumluftklima nur einen Neubau für zukunftsweisend, sagt er.

Demokratie lebt laut einem Zitat des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker vom Streit und der Diskussion um den richtigen Weg. Man darf also auf die Sitzung am Montag gespannt sein. Einen Beschlussvorschlag der Verwaltung gibt es in den Sitzungsunterlagen nicht.


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