Elektrische Lebensretter in Baden-Baden

Baden-Baden (hez) – Inzwischen sind in der Kurstadt 40 öffentliche Defibrillatoren installiert. Und ein weiterer Ausbau des Netzes ist von der Stadtverwaltung geplant.

Oberbürgermeisterin Margret Mergen präsentiert den neuen Defibrillator in der Grobbachhalle. Foto: Henning Zorn

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Oberbürgermeisterin Margret Mergen präsentiert den neuen Defibrillator in der Grobbachhalle. Foto: Henning Zorn

Eine im Ernstfall Leben rettende Infrastruktur in Baden-Baden wurde jetzt weiter ausgebaut. Am Dienstag präsentierte die Stadt zwei neue Defibrillator-Standorte am Aumattstadion und im Foyer der Grobbachhalle in Geroldsau.
„In Notfällen sind diese Apparate segensreich“, betonte Oberbürgermeisterin Margret Mergen, als sie das Gerät in der Grobbachhalle in Augenschein nahm. Ein „Defi“, so die gängige Kurzform des doch etwas zungenbrecherischen Begriffs Defibrillator, kommt bei lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern zum Einsatz und kann durch Stromstöße das Herz wieder auf den richtigen Weg bringen. Wird das Gerät rechtzeitig aktiviert, gelingt es häufig, damit einen plötzlichen Herztod zu verhindern.

Mergen berichtete beim Pressetermin am Dienstag, dass sie selbst schon Zeuge gewesen sei, wie wirksam ein „Defi“ sein kann. So habe sie einmal eine Veranstaltung besucht, auf der ein Besucher zusammengebrochen sei. Mithilfe des Defibrillators sei es dann gelungen, dem Mann bis zum Eintreffen des Notarztes zu helfen. Die Oberbürgermeisterin bezeichnete die Grobbachhalle als idealen Standort für ein solches Gerät, weil hier in normalen, nicht coronageprägten Zeiten viele Feste und sonstige Veranstaltungen stattfinden.

Siegfried Schmich, Leiter des städtischen Fachgebiets Gebäudemanagement, wies darauf hin, dass diese „Defis“ selbsterklärend und somit auch für Laienhelfer gut geeignet seien. Durch Sprachanweisungen und telefonische Verbindung mit dem ärztlichen Notruf könnten auch Laien eigentlich nichts verkehrt machen. Die Geräte erkennen auch ohne Zutun der Ersthelfer, ob eine Schockabgabe nötig ist.

Stadträtin Cornelia von Loga (CDU) hatte die Stadtverwaltung auf die Grobbachhalle als geeignetem „Defi“-Standort aufmerksam gemacht. Sie erzählte, dass sie von Geroldsauer Bürgern darauf angesprochen worden sei. In dem Stadtteil müsse man dies als „sehr emotionales Thema“ ansehen, nachdem vor Corona bei einer Veranstaltung jemand aus den Reihen des Musikvereins vor der Halle verstorben sei.

Nun auch eigene Kindertaste am Gerät

Der für die Grobbachhalle zuständige Hausmeister Ingo Kautz informierte am Dienstag darüber, dass die jetzt installierten neuen Defibrillatoren eine eigene Kindertaste für kleine Patienten hätten, denn „auch Kinder können einen Herzstillstand erleiden“. Beim Druck auf diese Taste werde weniger Strom als normal abgegeben.

Das Gerät in der Grobbachhalle ist mittlerweile der 40. elektrische Lebensretter in der Kurstadt. 20 von ihnen sind 24 Stunden am Tag frei zugänglich – meist auf zentraleren Platzanlagen. Weitere 20 Defibrillatoren sind in städtischen Einrichtungen, bei Firmen, in Hallen oder anderen Gebäuden installiert, was einen zeitlich eingeschränkten Zugriff nach sich zieht. Der Ausbau des „Defi“-Netzes soll auch schon bald fortgesetzt werden. Bestellt sind drei Geräte für das noch unterversorgte Rebland. Sie sollen ihre Plätze in der Neuweierer Festhalle, der Steinbacher Stadthalle und der Varnhalter Yburghalle finden.

Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie hat sich die Technik der Defibrillatoren durchaus bewährt. Allerdings wird aus so manchen Städten auch berichtet, dass gerade die auf öffentlichen Plätzen angebrachten Geräte kaum genutzt werden, weil viele Menschen entweder nichts von ihrer Existenz wissen oder aber Hemmungen haben, sie im Notfall wirklich einzusetzen.

In Baden-Baden hat die Verwaltung keine Informationen darüber, wie oft die öffentlichen „Defis“ in der Stadt schon zur Anwendung kamen. Wichtig sei aber vor allem, so sagte jetzt die Oberbürgermeisterin, dass möglichst viele Menschen eine Erste-Hilfe-Ausbildung machen. Dabei lernt man auch den Umgang mit den Defibrillatoren kennen, was Hemmungen schnell verschwinden lässt.

Ihr Autor

BT-Redakteur Henning Zorn

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Erstellt:
24. November 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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