Elfjähriger aus Steinbach befreit Natur vom Müll

Von Christina Nickweiler

Baden-Baden (cn) – Der elfjährige Jonas Biesinger ist seit einigen Wochen in Steinbach unterwegs und sammelt achtlos weggeworfenen Müll ein. Er hofft bei seiner Aktion auf Mitstreiter.

Elfjähriger aus Steinbach befreit Natur vom Müll

Nach kurzer Zeit hat der Elfjährige schon allerlei Plastikmüll gesammelt. Foto: Christina Nickweiler

Samstagnachmittag, gegen 14.30 Uhr: Jonas Biesinger aus Steinbach macht sich – ausgerüstet mit mehreren Müllbeuteln – auf den Weg, um Unrat einzusammeln, den andere achtlos in die Landschaft werfen. Wer so etwas macht und die Parkanlagen zumüllt? „Keine Ahnung“, meint Jonas Biesinger, an solchen Fragen hält sich der Elfjährige nicht lange auf, er packt an und hofft, dass er recht bald viele Nachahmer findet.

Jonas Biesinger wohnt in der „Alten Ziegelei“, und dort befindet sich die Grünanlage „Alte Tongrube“. In dem Park hat er vor rund sechs Wochen begonnen, die Grünflächen zu säubern. „Mal kontrollieren, wie es heute da aussieht“, sagt Jonas Biesinger zu seinem Vater, der ihn an diesem Nachmittag begleitet.

Warum nicht zum nächsten Mülleimer laufen?

Schon wenige Meter, nachdem er seine Tour begonnen hat, erblickt er ein Taschentuch auf dem Gehweg. Er holt seine Einmalhandschuhe aus der Jackentasche und zieht sie sich an. „Man weiß ja nie, was man da anfasst“, sagt Jonas Biesinger, als er das mit Blut beschmierte Taschentuch aufhebt und in einen Beutel wirft. Dann beginnt er, über seine Beweggründe zu erzählen. So sei ihm seit Längerem aufgefallen, dass in den öffentlichen Grünanlagen abseits der Spazierwege und auf Spielplätzen oft Abfall in der Landschaft liegt. „Es ist mir unbegreiflich, dass man nicht 30 Meter zum nächsten Mülleimer gehen kann, um seinen Abfall dort hineinzuwerfen“, sagt Jonas Biesinger, als er gerade eine Plastikflasche aus dem Gebüsch holt.

Bei seinem ersten Rundgang hatte er nach nur einer Viertelstunde und wenigen Schritten den Müllsack komplett gefüllt. Von da an hat er immer freitags und samstags in der Grünanlage Müll gesammelt. Nach mehr als einem Monat sehe es zwar schon viel besser aus, aber rund um die Sitzbänke findet er immer wieder frischen Müll.

Hundekotbeutel am Straßenschild

Auf dem Weg durch die alte Tongrube fallen Jonas Biesinger Dinge auf, die der unbedarfte Spaziergänger überhaupt nicht wahrnehmen würde. „Er hat ein Auge dafür“, bestätigt Jonas’ Vater, als der Elfjährige eine Mütze und einen Gürtel in der Nähe des Tümpels im Park aus dem Dreck zieht.

Nach rund 30 Minuten geht der Schüler eine Abkürzung, um an diesem Tag im Kolbenacker bei der ehemaligen Festhalle das städtische Gelände genauer unter die Lupe zu nehmen. Auf dem Weg dorthin am Mührichbach entlang traut er seinen Augen nicht: An der Rückseite eines Verkehrsschildes hängt ein Plastikbeutel mit Hundekot. „Jonas hat schon die abgefahrensten Dinge eingesammelt“, sagt sein Vater: Ein alter Stuhl, Autoteile beim Meister-Erwin-Denkmal, aber dieser Anblick lässt sogar einen Landwirt schaudern, der gerade auf dem benachbarten Grundstück Brennholz sägt.

Hundekotbeutel sind ein großes Problem, hat Jonas Biesinger inzwischen festgestellt. Anstatt diese in den Mülleimer zu werfen, würden diese meist auf der grünen Wiese, auf den Äckern der Landwirte oder am Bach entlang landen. Bei Jonas Biesinger wandern die Hundekotbeutel in den grauen Sack, wobei der meiste eingesammelte Unrat Plastikmüll ist.

Müllsäcke vom Ortsvorsteher bekommen

Dann überqueren die beiden die Alte Landstraße nördlich von Steinbach. Wer sich dort auf dem Radweg bewegt, der entdeckt häufig Abfall, den Leute einfach aus dem fahrenden Auto geworfen haben. Auf dem ehemaligen Festgelände Kolbenacker, wo auf der Rückseite der städtische Bauhof untergebracht ist, wird Jonas Biesinger ganz schnell klar, dass er noch mehrmals hierherkommen muss, bis der Müll restlos beseitigt ist. Bauschrott, zerknülltes Alupapier, eine volle an einer Brombeerhecke hängende Plastiktüte mit weiterem Abfall, eine Kinderschaufel, eine Sofortbildkamera und jede Menge Verpackungsmüll liegen entlang der Einzäunung. Irgendjemand hat begonnen, Hasenmist dort zu deponieren. Inzwischen schleppen Jonas Biesinger und sein Vater vier volle Säcke hinter sich her. Diese entsorgen sie derzeit über ihren eigenen Hausmüll.

Mit den kuriosesten Abfallutensilien will Jonas Biesinger später an einem zentralen öffentlichen Platz einen Müllbaum bauen und Spenden sammeln. Mit dem Geld möchte er dann Bäume kaufen und im Rebland pflanzen. Aber sein größter Wunsch ist, „dass niemand mehr einfach seinen Müll in der Natur hinterlässt, sodass wir bald schon keinen Müll mehr finden“.

Unterstützung hat Jonas Biesinger inzwischen von Ortsvorsteher Ulrich Hildner bekommen. Denn dieser hat dem Jugendlichen graue und gelbe Säcke zur Verfügung gestellt. Unterstützung erhofft sich Jonas Biesinger aber vor allem von Bürgern, die ihm künftig helfen, Müll zu sammeln. „Ich würde mich auch darüber freuen, wenn Privatpersonen und Unternehmen mich unterstützen“, sagt der Schüler.

Wer Jonas Biesinger beim Müll einsammeln in den öffentlichen Grünanlagen in Steinbach helfen möchte, der kann sich bei ihm melden per E-Mail an jonas.biesinger@gmx.net.