Elina Garanca begeistert Publikum im Festspielhaus

Baden-Baden (nl) – Die lettische Mezzosopranistin Elina Garanca lässt beim Liederabend im Festspielhaus Baden-Baden verschiedene Gefühlswelten aufeinandertreffen.

Die lettische Mezzosopranistin Elina Garanca begeistert im Baden-Badener Festspielhaus, begleitet von Malcolm Martineau am Flügel, mit einer Fülle an Liedern. Foto: Andrea Kremper

Die lettische Mezzosopranistin Elina Garanca begeistert im Baden-Badener Festspielhaus, begleitet von Malcolm Martineau am Flügel, mit einer Fülle an Liedern. Foto: Andrea Kremper

Voll, warm, mit dunkler Tiefe und aufleuchtender Höhe: Mit dieser Stimme kann man einfach alles singen, was im 19. und 20. Jahrhundert für Mezzosopran komponiert wurde. Elina Garanca kam denn auch am Samstagabend mit einem ausgesprochen abwechslungsreichen Liederabend ins Baden-Badener Festspielhaus und schlug einen spannenden Bogen von deutscher Romantik über französischen Impressionismus und spanische Lieder bis zur russischen Spätromantik eines Rachmaninow.

Als kongenialen Begleiter am Flügel hat die lettische Starsängerin den bekannten schottischen Pianisten Malcolm Martineau engagiert. Er beherrscht die hohe Kunst, ebenso spontan wie einfühlsam auf Sänger zu reagieren, wie kein Zweiter.

Spektrum an Emotionen

So konnte Elina Garanca mit ihrer Stimme und den Tempi spielen, was gerade beim Lied die Sache erst so richtig spannend macht. Einen tiefen Blick in die Empfindungen und Sichtweise des 19. Jahrhunderts vermittelt Robert Schumanns Liederzyklus „Frauenliebe und Leben“. Damals ging ein Mädchen aus bürgerlichen Kreisen vom Elternhaus direkt ins Heim des Ehemanns, ihr ganzes Leben kreiste um den Mann und die Kinder. Garanca vermittelte überzeugend das von Schumann vertonte Spektrum an Emotionen, von der schwärmerischen ersten Verliebtheit, dem Überschwang der Mutterschaft bis zur tiefen Trauer und Verlassenheit der Witwe.

Garanca wählte aus den zahlreichen Liedern von Schumanns Freund und Zeitgenossen Johannes Brahms nicht die bekanntesten, sondern die bittersüßen aus. „Liebestreu“ gab sie ausdrucksvoll als intensiven Dialog zwischen der Mutter, die ihrer Tochter rät, ihre Liebe zu vergessen, und der unbeirrbar an der Liebe festhaltenden Tochter. Ihre expressive Wiedergabe „Von ewiger Liebe“ sorgte für echtes Gänsehaut-Feeling. Malcolm Martineau übernahm in den Klaviersoli zugleich die Einstimmung auf die musikalische Stilrichtung und Atmosphäre. Ob im Intermezzo in E-Dur von Brahms oder Claude Debussys „La fille aux cheveux de lin“, Martineau bestach durch sein raffiniertes Spiel mit der Klangfarbenpalette des Flügels. Auch der verspielte Tango von Isaac Albeniz wurde von ihm mit leichter Hand hingetupft. Den Ausklang der Stücke servierte Martineau durch seinen perfekt pointierten Anschlag als Tüpfelchen auf dem i – ebenso zu seinem eigenen Vergnügen wie dem des Publikums.

Nuancenreiche Stimmführung

In den drei ausgewählten Liedern von Henri Duparc ergaben Elina Garancas nuancenreiche Stimmführung und Malcolm Martineaus Spiel eine wunderbare impressionistische Klangmalerei. Eine ganz eigene, von spanischen Tänzen und spanischen Volksliedern inspirierte Atmosphäre, strahlen die „Siete canciones populares espanolas“ von Manuel de Falla aus. Elina Garanca traf perfekt den Tonfall und das Temperament dieser musikalischen Miniaturen. Mit Witz versah sie die ersten beiden dieser Lieder, innig sang sie die Liebesklage und das Schlaflied, und voller Leidenschaft gab die Sängerin das bittere letzte Lied.

Von der Feinzeichnung bei Duparc und de Falla ging Garanca über zur großen Geste bei den ausgreifenden Liedern von Sergej Rachmaninow. Hier konnte die Sängerin die volle Strahlkraft ihrer Stimme ausspielen, denn in diesen Liedern geht es um Abschied und Sehnsucht, um Liebe und Tod. Selbst wenn der Text von etwas Heiterem wie dem Frühlingserwachen erzählt, werden daraus gleich „Frühlingsfluten“, und die wiederum setzten Garanca und Malcolm Martineau mitreißend als rauschendes musikalisches Fest in Szene. Die packende Intensität ihres Ausdrucks trugen auch zwei Rachmaninow-Lieder als Zugabe.

Kann danach noch etwas kommen? Aber ja. Garanca zauberte aus einer der meistgesungenen Arien des Opernrepertoires, der Habanera der Carmen, ein lebhaftes, freches Kabinettstückchen, versehen mit einem letzten lang gehaltenen „garde“ – welcher Tenor auch immer ihren Don José singt, sollte sich in der Tat sehr in Acht nehmen, um von dieser brillanten Sängerin nicht glatt unter den Tisch gesungen zu werden.


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