Elterninitiative kritisiert „Hinhaltetaktik“

Rastatt (ema) – Der Widerstand gegen die anhaltende Schließung der Rastatter Geburtsstation wächst. Ein Bündnis hat jetzt Kreisräten eine Resolution überreicht.

Resolution an die Kreisräte: Grünen-Fraktionssprecher Manuel Hummel im Gespräch mit den Bündnis-Vertreterinnen. Foto: Vetter

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Resolution an die Kreisräte: Grünen-Fraktionssprecher Manuel Hummel im Gespräch mit den Bündnis-Vertreterinnen. Foto: Vetter

Mit einer Resolution und einer Online-Petition setzt sich das Bündnis „Geburtsklinik Rastatt bleibt!“ für die Wiederinbetriebnahme der Entbindungsstation in der Barockstadt ein. Mitstreiter der Initiative überreichten gestern Kreisräten am Rande der Kreistagssitzung in der Badner Halle ihren Forderungskatalog. Kritik, dass es durch die Zentralisierung der Entbindungen am Standort Balg zu Qualitätseinbußen komme, wies der Geschäftsführer des Klinikums Mittelbaden, Jürgen Jung, im BT-Gespräch zurück.
Das Bündnis mit Vertretern der Gewerkschaft Verdi, des Vereins Mother Hood sowie der SPD und Linkspartei fordern den Kreistag auf, die Geburtsstation Rastatt schnellstmöglich wieder zu öffnen: „Geburtshilfe darf nicht zum reinen betriebswirtschaftlichen Prozess verkommen“, heißt es in der Resolution. Außerdem setzt sich das Bündnis für ein wohnortnahes Krankenhausnetz ein.

„Risiken für Kind und Mutter“

Anja Lehnertz von Mother Hood und Verdi-Gewerkschaftssekretär Michael Janus kritisierten bei der Kundgebung, dass durch die Schließung in Rastatt knapp 600 Geburten in Umland-Kliniken verlagert würden, die ohnehin überfüllt seien. In Karlsruhe seien bereits Schwangere mit Wehen abgewiesen worden, weil die Kapazitäten nicht ausreichen. „Längere Anfahrtswege und überfüllte Kreißsäle gehen mit gesundheitlichen Risiken für Kind und Mutter einher“, schreiben die Initiatoren. Das Bündnis wirft dem Klinikum eine „Hinhaltetaktik“ vor. Die Beschäftigten müssten sich unvermittelt auf neue Dienstpläne und längere Arbeitswege einstellen.

Im BT-Gespräch bekräftigte Klinikum-Chef Jung, dass die Rastatter Geburtsstation wegen Vorsorge für eine mögliche zweite Corona-Welle bis Ende dieses Jahres geschlossen bleibe. Überlegungen der Gesellschafter (Landkreis Rastatt und Stadt Baden-Baden), die Entbindungsstation ganz zu schließen, seien ihm nicht bekannt, sagte Jung. „Wir kommen momentan klar“, erklärte er zur Situation, dass man die Entbindungen in Balg konzentriere. Pro Schicht setze man mindestens drei Hebammen ein. Die Behauptung von Mother Hood, an einem Tag habe man in Balg 25 Geburten bewältigen müssen, wies der Klinikum-Geschäftsführer zurück. Die Spitzenwerte mit jeweils zwölf Geburten habe man am 17. April und 22. Mai erreicht.

Dass Schwangere durch die Schließung in Rastatt dem Klinikum den Rücken kehren würden, sieht Jung nicht bestätigt. In der Summe der Geburten in Rastatt und Baden-Baden habe man im ersten Halbjahr 2020 nur ein Minus von zwölf gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 registriert.

Um gewappnet zu sein, habe man in Balg die Zahl der Kreißsäle von vier auf fünf erhöht. Im Spätsommer soll außerdem ein neuer Kreißsaal für Kaiserschnitt-Operationen in Betrieb genommen werden.


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