Emotionen hinter der Maske versteckt

Bühl (sre) – Der Bühler Verein Pallium hat in der Corona-Krise besondere Herausforderungen zu meistern, unter anderem hat man derzeit deutliche finanzielle Einbußen. Außerdem verschlechtert der klassische Mund-Nasen-Schutz– anders als etwa durchsichtige Faceshields – die Wahrnehmung von Emotionen.

Am Dienstag, 26. Mai, hat bei Pallium der erste psychosoziale Pflegekurs nach den coronabedingten Ausfällen stattgefunden.Foto: Margull

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Am Dienstag, 26. Mai, hat bei Pallium der erste psychosoziale Pflegekurs nach den coronabedingten Ausfällen stattgefunden.Foto: Margull

Vor ganz besondere Herausforderungen stellt die Corona-Krise die Mitarbeiter des Bühler Vereins Pallium. Diese berichten nicht nur von Unsicherheit und Angst vor Ansteckung bei Mitarbeitern, Patienten und Angehörigen sowie der Reduktion von Angeboten, sondern auch von Problemen mit der nonverbalen Kommunikation aufgrund der Schutzmaßnahmen.
Der Verein, der seit dem vergangenen Jahr sein Domizil in der Eisenbahnstraße hat, hat sich die Beratung und Unterstützung von Menschen in Zeiten von schwerer Krankheit, Sterben, Tod und Trauer zur Aufgabe gemacht. In diesem Bereich ist dem Verein zufolge die nonverbale Kommunikation besonders wichtig. Und gerade diese leide zum Beispiel durch den Mund-Nasen-Schutz: „Mitleid, Emotionen sind durch die Gesichtsmaske nur bedingt wahrnehm- und vermittelbar“, erläutert Pallium-Vorsitzender Guido Kohler.

Das ist aber längst nicht die einzige Auswirkung der Corona-Krise auf die tägliche Vereinsarbeit. Zwar ist die palliativmedizinische und pflegerische Betreuung von Patienten mit Einschränkungen möglich, andere Bereiche bei Pallium lagen in den vergangenen Wochen jedoch brach oder waren deutlich reduziert. Das gilt für ehrenamtliche Begleitungen, Schulungen und Fortbildungen sowie Beratungen für Patientenverfügungen.

„Es wird versucht, zumindest einiges aufzufangen“, erläutert Kohler: durch Telefongespräche im Ehrenamt, durch Video-Schulungen und im Fortbildungsbereich zum Beispiel für pflegende Angehörige sowie durch Videokonferenzen zum Thema Patientenverfügungen.

Der Krise etwas Positives abgewinnen

Dennoch gehen mit den Einschränkungen dem Verein zufolge auch deutliche finanzielle Einbußen einher. Vergütungen für Leistungen entfallen oder sind reduziert, zudem entstehen laut Pallium zusätzliche Kosten, unter anderem für Schutzausrüstungen, Digitalisierungsprozesse und erhöhten Zeitaufwand bei Einsätzen aufgrund der Schutzmaßnahmen. „Die Lage ist unberechenbar, und die Krise ist noch nicht beendet. Weitere Einbußen sind daher nicht ausgeschlossen“, ordnet Kohler die volatile Lage ein. „Wir hoffen, dass die frühzeitig intern eingeleiteten strategischen und organisatorischen Änderungen sowie die Nutzung der modernen Medien bis in einigen Monaten greifen und dadurch Kurzarbeit oder Stellenabbau vermieden werden kann,“ so der Vorsitzende weiter.

Zudem sei man sehr dankbar, dass man die Angebote des Vereins nun allmählich wieder hochfahren könne – unter Einhaltung entsprechender Vorsichtsmaßnahmen. So hat am Dienstag, 26. Mai, zum ersten Mal nach der coronabedingten Schließung wieder ein Zweitageskurs für pflegende Angehörige begonnen. In solchen psychosozialen Pflegekursen lernen Angehörige und andere Interessierte den Umgang mit älteren, pflegebedürftigen Menschen. Die Nachfrage für den ersten Kurs sei groß gewesen, berichtet Kohler: Zahlreiche Betroffene hätten auf die Veranstaltung gewartet.

Trotz der ernsten Lage kann man der Situation bei Pallium wenigstens auch ein paar positive Aspekte abgewinnen. „Ein neues Bewusstsein für Zusammenhalt und Aufeinanderachten entwickelt sich sowie eine besondere Dankbarkeit seitens Patienten und Angehöriger für unsere Einsätze“, hat Kohler beobachtet. Zudem könnten aus der Not heraus entstandene Neuerungen wie beispielsweise die Videoschulungen die bisherigen Angebote künftig auch langfristig punktuell sinnvoll ergänzen.


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