EnBW-Vorstand Thomas Kusterer ist bescheiden

Karlsruhe (BNN) – Aufwachsen in dörflicher Idylle zog es Thomas Kusterer nach seinem Studium in die Welt. Noch heute reist der von seinen Kollegen als „bescheiden“ beschriebene Finanzvorstand gerne.

Kennt die EnBW-Finanzen aus dem Effeff: Thomas Kusterer ist der dienstälteste Vorstand des Karlsruher Energiekonzerns.  Foto: Catrin Moritz/EnBW

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Kennt die EnBW-Finanzen aus dem Effeff: Thomas Kusterer ist der dienstälteste Vorstand des Karlsruher Energiekonzerns. Foto: Catrin Moritz/EnBW

Journalisten sind ja von Natur aus neugierig – und dürfen fragen, was sich viele EnBW’ler vielleicht nicht zu fragen trauen. Zum Beispiel: „Ist Thomas Kusterer, Finanzvorstand des 25.000-Mitarbeiter-Konzerns, privat eigentlich sparsam?“
Der darauf Angesprochene lehnt sich im Bürostuhl zurück und sagt, das komme darauf an. Er nennt als Beispiel sein großes Hobby, das Reisen. Er würde nicht einen Flug an einem anderen Urlaubstag buchen, weil dieser dann etwas günstiger wäre. Aber wenn er und seine Frau für ihre Bergtouren in den Dolomiten sind, dann nächtigen sie in einer kleinen Pension. „Nicht, weil man sich nichts anderes leisten könnte, sondern weil wir uns dort wohlfühlen.“

BWL-Studium in Mannheim

Im Privatleben kümmert sich übrigens seine Frau um die Finanzen, sagt Kusterer. Die beiden haben sich an der Uni kennengelernt. „So romantisch können Steuervorlesungen sein“, sagt der 53-Jährige.

Kusterer kennt die Finanzen der EnBW aus dem Effeff, ist das dienstälteste Vorstandsmitglied des Konzerns. Der Mann ist überaus neugierig, hierzulande und in der Welt. Er mag Gegensätze. Von wegen staubtrockener Finanzvorstand. Zunächst einmal fällt bei dem gebürtigen Pforzheimer aber auf, dass er badisches Understatement pflegt – obwohl ihm Branchenkenner ständig anerkennend auf die Schulter klopfen. Auch wenn man EnBW’ler auf Charaktereigenschaften von Kusterer anspricht, häufen sich Komplimente. „Sehr höflich und kollegial“ sei er, „zurückhaltend“, „bescheiden“, heißt es immer wieder. Fachlich sei er ohnehin top. Daher kann man durchaus fragen, ob denn der Vorstandsposten für ihn etwas wäre, wenn Frank Mastiaux im Herbst aufhört. Kusterer lächelt freundlich, führt die Kaffeetasse an seinen Mund – und trinkt. Nichts will er also dazu sagen, ganz Profi, der er ist.

Aufgewachsen in Ersingen

Bodenständig ist Kusterer, geradezu bescheiden, wenn es um seine Person geht. Oft lässt sich das Geerdetsein von erfolgreichen Menschen ergründen, wenn man eine Zeitreise in deren Kindheit unternimmt: Thomas Kusterer wächst mit seiner Schwester in dörflicher Idylle in Ersingen im Enzkreis auf. Sein Vater hat dort einen kleinen Malerbetrieb. „Die Selbstständigkeit hat mich geprägt. Es war nie nine to five“, blickt Kusterer zurück. Der Junior hilft in Ferienzeiten mit, steht beim Malern auf dem Gerüst und rutscht mit den Knien auf dem Boden, um Teppiche zu verlegen.

Kusterer reißt in vier Jahren sein BWL-Studium in Mannheim herunter, fängt dann bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG an. Als er 2004 zur EnBW wechselt, hat er das Steuerberaterexamen und Abschlüsse als deutscher und US-amerikanischer Wirtschaftsprüfer in der Tasche.

Kusterer erfüllt schon Klischees, wie es sie bei Kämmerern, Kassenwarten oder Konzernfinanzchefs eben gibt: strukturiert ist er, sachlich-analytisch, der Schreibtisch stets aufgeräumt.

Ein trockener Zahlenmensch ist der Ettlinger aber nicht. „Zahlen haben nur eine Bedeutung, wenn sie auch sprechen. Das Spannende ist, was hinter den Zahlen steckt“, sagt Kusterer – wenn man also aufgrund von Zahlen gestalten kann. Das macht er. So lobte das „Handelsblatt“ Kusterer beispielsweise als Vorreiter für Finanzierungen mit grünen Anleihen. Er ist auch für die Bundesregierung Ratgeber, wenn es um nachhaltige Finanzstrategien geht.

Privat und beruflich viel unterwegs

Der Mann mag Gegensätze: Sushi in Fernost, sehr gerne, aber wenn es im EnBW-Betriebsrestaurant Linsen mit Spätzle gibt, ist der Badener auch begeistert.

Überhaupt: Das Reisen, es ist eine Leidenschaft Kusterers. Nordamerika und Asien, vieles hat er dort bereits entdeckt. Auch beruflich, nach dem Studium, drängt es Kusterer in Metropolen, zunächst Mitte der 1990er für die KPMG nach Berlin. „Es war für mich die einmalige Chance, einen Systemwechsel so nah zu erleben.“ Dann zwei Jahre New York, die Wohnung in Upper East Side, das Büro in der Park Avenue. „New York kann anstrengend sein“, sagt Kusterer. Ihn hat die Millionenmetropole aber begeistert.

Für den damaligen EnBW-Großaktionär EdF wechselt er später als Finanzvorstand nach London. Dieses Mal klappt es, dass seine Frau beruflich mitkann. London ist als Daueraufenthalt geplant – dann kommt ein Anruf. Nun ist Kusterer seit 2011 EnBW-Finanzvorstand in Baden.

Krise als großer Einschnitt

Kurz vor seinem Amtsantritt erschüttert die Fukushima-Katastrophe. Die EnBW-Welt ist wenige Wochen später eine ganz andere. Der Konzern schreibt in der Folge rote Zahlen, wird komplett umstrukturiert. Mitarbeiter müssen gehen. Unruhige Nächte habe er damals gehabt. „Da geht es nicht nur ums Fachliche. Man weiß, die Entscheidungen haben Auswirkungen auf persönliche Biografien und Familien, und entsprechend schwer fällt es, sie treffen zu müssen.“ Heute steht die EnBW wirtschaftlich prima da, beschäftigt mehr Mitarbeiter als vor der Krise.

Übrigens, für alle, die jetzt immer noch neugierig sind: Es soll irgendwann auch wieder nach Zermatt gehen, zum Skifahren, wie in den 20 Jahren vor Corona. Es ist immer dieselbe Adresse. Kusterer schmunzelt: „Es war ein Zwei-Sterne-Hotel. Dann haben sie einen Fernseher ins Zimmer gestellt. Und jetzt hat es drei Sterne.“

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Ihr Autor

Von BNN-Redakteur Dirk Neubauer

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Erstellt:
5. Februar 2022, 17:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 39sec

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