Endgültiges Aus für Geburtsstation in Rastatt

Rastatt (sie) – Die Geburtshilfe im Klinikum Rastatt steht vor dem Aus. Die große Mehrheit des Kreistags stimmte bei nur einer Gegenstimme für die endgültige Schließung des Standorts.

Keine Zukunft: Die Geburtshilfe im Klinikum Rastatt ist bereits seit März 2020 geschlossen. Jetzt steht fest, dass der Kreißsaal nicht wiedereröffnen wird. Foto: Hans-Jürgen Collet

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Keine Zukunft: Die Geburtshilfe im Klinikum Rastatt ist bereits seit März 2020 geschlossen. Jetzt steht fest, dass der Kreißsaal nicht wiedereröffnen wird. Foto: Hans-Jürgen Collet

Der Eintrag „Rastatt“ als Geburtsort im Personalausweis wird künftig Seltenheitswert haben. Der Kreistag hat bei nur einer Gegenstimme beschlossen, die Geburtshilfe des Klinikums dauerhaft zu schließen. Die Station ist seit Beginn der Corona-Pandemie 2020 nicht mehr in Betrieb gewesen. Jetzt kommt das endgültige Aus.
Das Gremium setzte damit den Schlusspunkt hinter eine Debatte, in deren Verlauf die Verantwortlichen des Klinikums Mittelbaden immer wieder beteuert hatten, die Schließung sei nur temporär. An dieser Kommunikation übten mehrere Kreisräte Kritik. Rastatts Bürgermeister Arne Pfirrmann (FW) sagte: „Die Gründe, die jetzt für die Schließung sprechen, sind die gleichen wie vor zwei Jahren.“ Mit etwas mehr Mut hätte man das auch schon damals sagen können. So habe der Prozess für viel Irritation gesorgt.

Das Klinikum Mittelbaden hatte die Schließung im Frühjahr 2020 damit begründet, dass wegen der Corona-Pandemie in Rastatt Kapazitäten für Intensivbetten vorgehalten werden müssten. Seitdem ist die Geburtshilfe in Baden-Baden konzentriert, wo das Klinikum in den vergangenen Monaten 2,8 Millionen Euro in die Neugestaltung der Station gesteckt hat. Dort gibt es nun fünf Kreißsäle, in denen jährlich bis zu 2.600 Geburten möglich sind. Für 2021 rechnet das Klinikum mit rund 2.000 Entbindungen.

Mehrere Gründe sprechen für Schließung

Am 17. November dieses Jahres sprach der Aufsichtsrat des Klinikums schließlich die Empfehlung aus, den Kreißsaal in Rastatt aufzugeben. Aus Sicht des medizinischen Geschäftsführers Thomas Iber und des kaufmännischen Geschäftsführers Daniel Herke sprechen dafür mehrere Gründe. So sei die Versorgungs- und Patientensicherheit in einer größeren Geburtshilfe besser. Bereits in der Vergangenheit seien tendenziell riskantere Geburten am Standort Balg abgewickelt worden. Ein weiterer Grund sei die schwierige Personalsituation. Bei einer Wiedereröffnung in Rastatt müssten sieben Hebammenstellen besetzt werden.

Auch Geld spielt eine Rolle. Laut einem Gutachten würde der Betrieb von zwei Standorten zu zusätzlichen Kosten von rund 780.000 Euro führen.

Diese Argumentation fand die Mehrheit des Kreistags plausibel, auch der neue Landrat Christian Dusch. Er sprach von einer „schwierigen und emotionalen Entscheidung“. Er habe vor seinem Amtsantritt gedacht, dass es eine Lösung geben müsse, um die Geburtshilfe zu erhalten. Die Themen Versorgungssicherheit und Personal hätten ihn aber vom Gegenteil überzeugt: „Ich sehe keine Alternative zu diesem Beschlussvorschlag.“

CDU-Sprecher Andreas Merkel stellte das zentrale Argument heraus, das für seine Fraktion den Ausschlag gegeben habe, der Schließung zuzustimmen: „Wir wollen die beste medizinische Versorgung.“ Der Kreistag müsse seiner Verantwortung für Mütter und Kinder gerecht werden. Auch Pfirrmann sagte trotz Kritik an der Kommunikation: „Alle fachlichen Gründe sprechen dafür, diesen Weg mitzugehen.“

So sah es auch Manuel Hummel (Grüne): „Dieser Beschluss ist der richtige und medizinisch beste.“ Walter Jüngling (SPD) signalisierte ebenfalls die Zustimmung seiner Fraktion. Er übte aber auch Kritik an der Informationspolitik in den vergangenen Monaten: „Die Einbindung der Öffentlichkeit war nicht optimal.“ Daraus müssten die richtigen Schlüsse auf dem Weg zum künftigen Zentralklinikum gezogen werden.

Ins gleiche Horn stieß Lutz Jäckel (FDP/FuR). Er bezeichnete die Kommunikation zwar als „unglücklich und wenig professionell“, aber „wir kommen trotzdem zu keinem anderen Schluss“. Verena Bäuerle (AfD) sprach einigen Argumenten der Klinik-Leitung die Plausibilität ab, die Fraktion stimmte den Plänen aber trotzdem zu: „Die Situation zwingt uns zu einem Schritt, den wir bedauern.“

Die einzige Gegenstimme kam von Dieter Balle. Der Solo-Kreisrat der Linken warf den Mitgliedern des Gremiums vor, ein „schöngemaltes Bild“ der Schließung zu zeichnen. Die Tatsachen lägen aber anders: „Die Dinge haben sich nicht verbessert, sondern verschlechtert“.

Er bezog sich dabei nicht nur auf die medizinische Versorgung, sondern auch auf die Situation der ehemals in Rastatt Beschäftigten. Klinikums-Geschäftsführer Thomas Iber sagte dagegen: „Das Team ist in Baden-Baden gut zusammengewachsen.“


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