Endlich wieder Waldseebad

Gaggenau (tom) – Nach fast sechs Jahren soll am Freitag das einst beliebte Waldseebad wieder öffnen. Damit soll eine lange Leidensgeschichte enden.

Viel Grün im Grünen: Blick auf die ausgedehnte Wasserfläche im Naturbadbereich. Foto: Thomas Riedinger/BT

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Viel Grün im Grünen: Blick auf die ausgedehnte Wasserfläche im Naturbadbereich. Foto: Thomas Riedinger/BT

Mit einem großen Festwochenende soll ab dem 20. Mai das neue Waldseebad eröffnen. Das kombinierte Natur- und Chlorbad soll eine Erfolgsstory werden und eine Leidensgeschichte beenden, die für Waldseebadfreunde spätestens am 12. Juni 2016 begann. Denn seit der Überflutung an jenem Sonntagabend war das Bad geschlossen. Der Neubau verzögerte sich immer wieder. Doch bereits vor 2016 war das Bad jedes Jahr in den Negativschlagzeilen: Als reines Naturbad blieb es weit hinter den Erwartungen zurück.

Was ist das neue Waldseebad:
2.800 Quadratmeter Wasserfläche, verteilt auf sieben verschiedene Becken. Rund 2.000 Quadratmeter sind Naturbadbereich mit 50 Meter-Becken mit Massagebucht, Massagedüsen, Wasserspeiern und Sprudelelementen. Daran schließt sich ein Nichtschwimmerbereich an mit großer Flachwasserzone und meterhohem Wasser-Geysir. Außerdem gibt es ein Kleinkindbecken zum Experimentieren mit Wasser. Eine Reihe weiterer Attraktionen sollen das Bad zu einer Freizeiteinrichtung für alle Altersklassen machen.

Warum der Neubau? Unmittelbarer Auslöser war das Unwetter vom 12. Juni 2016. Dabei wurde das Naturbad vom Traischbach komplett mit Wasser und Schlamm überflutet. Letztlich aber wurde dadurch nur eine Galgenfrist von zwei, drei Jahren auf null verkürzt. Denn langfristig hätte die Stadt einen Millionenbetrag ausgeben müssen, um das Naturbad zu sanieren. Warum das so war, darüber stritt die Stadt mit dem Planer des Naturbads, Rainer Grafinger, jahrelang vor dem Landgericht Baden-Baden. Für Planungsfehler beim Bau des ehemaligen Naturbads erhielt 2020 die Stadt 545.000 Euro – als Ergebnis eines Vergleichs nur ein Bruchteil der Kosten, die durch Fehlplanungen und Ausführungsmängel entstanden.

•Sprungbereit: Für die Sprungtürme gibt es ein eigenes Becken. Foto: Thomas Riedinger/BT

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•Sprungbereit: Für die Sprungtürme gibt es ein eigenes Becken. Foto: Thomas Riedinger/BT

Das alte Naturbad und die Algen:
Zu viele Algen, Rutschgefahr in den Randbereichen sowie ungenügend gemähte Liegewiesen: Dies waren die Hauptkritikpunkte am Naturbad, die 2009 in einer BT-Umfrage vorgebracht wurden. Das Wasser wirke nicht sauber, könne womöglich gesundheitsgefährdend sein. Einige Leser monierten den Geruch sowie glitschige, grüne Badekleidung nach dem Aussteigen.

Als die Algen das Wasser trübten:
Trauriger Höhepunkt war im Sommer 2015, als das Bad wegen zu geringer Sichttiefe einige Tage geschlossen werden musste. Wegen des Algenbewuchses kam es immer wieder zu Sturzverletzungen. Moniert wurde auch eine eher spartanische Ausstattung mit Wasserattraktionen, zum Beispiel fehle eine Wasserrutsche. Die Hygienewerte seien in Ordnung, betonten hingegen Experten immer wieder. Befürworter des chlorfreien Badens hoben insbesondere auf die ihrer Meinung nach hohe, weil chemiefreie Wasserqualität ab.

Warum die Algenprobleme:
Die Pflegekosten waren entgegen der Versprechungen so hoch, weil der Beckenboden durch Grundwasserdruck immer unebener wurde und damit nicht maschinell gereinigt werden konnte. Die Hydraulik war viel zu gering dimensioniert, die Reinigungsleistung konnte des exponentiellen Algenwachstums nicht Herr werden. Die Reinigungsteiche funktionierten nie richtig.

Im Gegensatz zu früher weist das Waldseebad nun eine Reihe von Attraktionen auf. Foto: Thomas Riedinger/BT

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Im Gegensatz zu früher weist das Waldseebad nun eine Reihe von Attraktionen auf. Foto: Thomas Riedinger/BT

Neubau:
Der Abbruch des Naturbads begann im Sommer 2019. Die ehrgeizig für 2020 geplante Wiedereröffnung wurde bald auf Mai 2021 verschoben. Dann sollte das Bad zu Beginn der Sommerferien 2021 eröffnen. Doch wegen anhaltender Niederschläge konnten die Außenanlagen nicht fertiggestellt werden. Ursprünglich war von einer Höchstgrenze für Sanierung und Umbau von 13,6 Millionen die Rede. Umfangreich waren die Maßnahmen zum Hochwasserschutz, inklusive einer teilweisen Verlegung des Traischbachs im Badgelände.

Vorgeschichte:
Rund 2,3 Millionen Euro hatte 2006 der Umbau in ein Naturbad gekostet. Eine Sanierung als chemisch-technisches Bad wäre noch teurer geworden, wurde damals argumentiert. Doch schaffte es das Naturbad nie, an frühere Besucherzahlen anzuknüpfen. Die Diskussion um die Zukunft der Gaggenauer Bäder reicht bis in die 90er-Jahre zurück, als es für die Stadt immer schwieriger wurde, sich den Betrieb von vier Freibädern zu leisten. Am Ende entschied der Gemeinderat, nur noch ein Freibad, nämlich das Waldseebad, in städtischer Regie zu betreiben. Für das Kuppelsteinbad in Ottenau und das Freibad in Sulzbach kristallisierte sich darauf hin eine Lösung auf Vereinsbasis heraus. Das Freibad in Bad Rotenfels wurde geschlossen.

Frühgeschichte:
Bürgermeister und Architekt August Schneider (1919-1933) ließ am sumpfigen Zusammenlauf von Traischbach und Weierle einen Badesee anlegen. In Zeiten der Massenarbeitslosigkeit konnte das Projekt als Notstandsmaßnahme mit Staatszuschüssen umgesetzt werden. Es entstand ein Naturbad mit 100 Metern Länge und 60 Metern Breite an der breitesten Stelle, auf dem man auch vormittags Boot fahren durfte. Umrahmt wurde das Naturbad von zweieinhalb Hektar Grün- und Liegeflächen mit Garderobenhäuschen, Kinderplanschbecken, Spiel- und Tennisplätzen sowie einer Kneipp’schen Wassertretstelle. Am 2. Juni 1929 wurde dieses „Wasser-, Licht-, Luft- und Sonnenbad“ eröffnet. Im Laufe der Jahrzehnte wurde aus dem Naturbad ein Chlorbad mit Natursteinboden. Für viele Gaggenauer ist Letzteres noch heute das Waldseebad, das sie gerne wieder hätten.

Wie kam es 2006 zum Naturbad:
Für das traditionsreiche Waldseebad als Chlorbad hatte sich eine Bürgerinitiative „Pro Waldseebad“ gebildet, die sogar ein Konzept zur Sanierung vorlegte. Weil infolge Undichtigkeit des Naturstein-Beckens Chlorwasser im Untergrund versickerte, bestand jedoch aus Sicht der Behörden Handlungsbedarf. Abdichtungsversuche führten zunächst nicht zum Erfolg. Erst 2004 konnte das Chlorbad nach einjähriger Pause den Betrieb aufnehmen. Doch eine gebrochene Rohrleitung beendete jäh die Saison. Im Januar 2005 folgte der Gemeinderat dem Vorschlag der Stadtverwaltung für ein Naturbad. Die erhofften Einsparungen beim Betrieb gegenüber einem Chlorbad blieben jedoch Phantasie.

Neben den Sprungtürmen gibt es nun auch eine Rutsche, die vor allem Kinder begeistern dürfte. Foto: Thomas Riedinger/BT

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Neben den Sprungtürmen gibt es nun auch eine Rutsche, die vor allem Kinder begeistern dürfte. Foto: Thomas Riedinger/BT

Freundeskreis:
Im Mai 2010 wurde der Förderverein Waldseebad gegründet. Er ging aus aus einer Initiative hervor, die das damalige reine Naturbad unterstützen wollte. Nicht nur Öffentlichkeitsarbeit hatte man sich vorgenommen. Die Mitglieder packten auch an, zum Beispiel beim Entfernen von Unkraut in den Reinigungsbecken des Naturbads. Oder – allerdings vergeblich – beim Saubermachen des überfluteten Bads 2016. Engagiert brachte sich der Verein in Planungen für das neue Waldseebad ein. Denn die Große Kreisstadt brauche neben Sulzbach und Ottenau auf jeden Fall ein drittes Freibad. Ausdrücklich lobt der Verein die Bürgerbeteiligung bei der Planung für das neue Waldseebad. Es gebe wenige Städte, wo sich Interessensgruppen so hätten einbringen können wie in Gaggenau.

Zum Thema:

Waldseebad eröffnet mit kostenlosen Schnuppertagen

Von Freitag, 20., bis einschließlich Sonntag, 22. Mai, kann das neue Waldseebad kostenlos besucht werden. Bei gutem Wetter ist es an diesen drei Tagen von 9 bis 20 Uhr geöffnet.

Fest am Samstag: Um 11 Uhr offizielle Eröffnung, dann spielt der Musikverein Bad Rotenfels von 11.15 bis 12.45 Uhr. Um 13 und 16 Uhr gibt es Führungen zur Bädertechnik. Dabei erfahren die Teilnehmer, wie das Naturbad funktioniert, welche Rolle die Regenerationsteiche spielen und dass über 14 Kilometer Leitungen innerhalb des Bades verlegt wurden. Um Hochwasserschutz drehen sich zwei weitere Führungen um 13.30 Uhr und um 16.30 Uhr.

Treffpunkt für die Führungen ist am Infostand auf der Kioskterrasse. Dort steht die Stadtverwaltung den ganzen Tag über für Fragen zur Verfügung. Außerdem können die Besucher dort in die fast 100-jährige Badgeschichte eintauchen. Ab 14 Uhr präsentieren Schwimmer des TB Gaggenau ihr Können im Wasser. Ab etwa 15 Uhr gibt es Vorführungen der DLRG Gaggenau. Im Bereich des oberen Kleinkindbereichs bietet der Verein Kindgenau ein kleines Mitmachprogramm für den Nachwuchs an, von 13 bis 17 Uhr. Der Freundeskreis Waldseebad verkauft Kaffee und Kuchen; auch der neue Kiosk hat geöffnet.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
16. Mai 2022, 09:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 35sec

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