Energieversorger EnBW steigert Betriebsgewinn

Karlsruhe/Gernsbach (tas) – Der Energieversorger EnBW hat auch im Geschäftsjahr 2020 vom Konzernumbau profitiert. Mehr Wind- und Solarstrom und der Netzausbau machen sich positiv bemerkbar.

Schnellladepark von EnBW in Rutesheim: Der Energieversorger ist ein Schwergewicht in der E-Mobilität.Foto: EnBw

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Schnellladepark von EnBW in Rutesheim: Der Energieversorger ist ein Schwergewicht in der E-Mobilität.Foto: EnBw

Der Konzernumbau des Energieversorgers EnBW schreitet immer weiter voran, die Früchte der Transformation – Weg vom Atom- und Kohlestromproduzenten – ernten die Karlsruher aber schon jetzt. „Die EnBW ist heute ein anderes Unternehmen“, sagte Vorstandschef Frank Mastiaux.

Am Donnerstag präsentierte er zusammen mit Finanzvorstand Thomas Kusterer die Bilanzzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr und blickte zugleich auch in die kommenden Jahre. Das Ziel ist klar umrissen: Bis 2025 soll EnBW einen Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen – ein bereinigtes Ebitda – in Höhe von 3,2 Milliarden Euro abwerfen. Im Geschäftsjahr 2020 waren es 2,8 Milliarden Euro, ein Plus von 14,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. „Das EnBW-Team hat geliefert“, sagte Mastiaux mit Blick auf den Umbau der vergangenen Jahre und kontinuierlich steigende Ergebnisse.

Der Überschuss reduzierte sich 2020 allerdings um fast 19 Prozent auf rund 596 Millionen Euro, was Kusterer zufolge an einer veränderten Bewertung von Wertpapieren im Bestand des Konzerns liegt. Auf die Ausschüttung soll dies jedoch keinen Einfluss haben, der Hauptversammlung im Mai will der Vorstand die Auszahlung einer Dividende von einem Euro je Aktie vorschlagen. Davon werden das Land Baden-Württemberg und neun Landkreise profitieren, denen die EnBW zu 93,5 Prozent gehört. Zum Vergleich: Für 2019 wurden 70 Cent je Anteilsschein ausgeschüttet.

„Maßgebliche Ergebnistreiber waren neben den Netzen vor allem die erneuerbaren Energien, insbesondere unsere beiden neuen Offshore-Windparks Hohe See und Albatros“, sagte Kusterer. Beide befinden sich in der Nordsee rund 100 Kilometer nordwestlich von Helgoland. Die 87 Anlagen liefern seit Anfang 2020 für rechnerisch mehr als 710.000 Haushalte Strom. Weil der weitere Ausbau der Offshore-Energieerzeugung in Deutschland ins Stocken gerät, realisieren die Karlsruher nun zusammen mit dem britischen BP-Konzern in der Irischen See zwei Windparks, die ab 2028 in Betrieb gehen sollen.

Führende Position erarbeitet


Insgesamt will EnBW bis 2025 zwölf Milliarden Euro investieren, laut Mastiaux sind 80 Prozent davon für Wachstumsfelder reserviert. Dazu zählt neben neuen Wind- und Solarparks der Netzausbau, aber auch neue Geschäftsmodelle wie die E-Mobilität oder das Thema Sicherheit.

Laut Mastiaux haben die Karlsruher sich gerade bei den Schnellladesäulen für E-Autos in den vergangenen Jahren eine führende Position erarbeitet, EnBW sei heute der größte Betreiber eines Schnellladenetzes in der Republik. Noch werfe das investitionsintensive Geschäft allerdings keinen Profit ab, Finanzchef Kusterer rechnet frühestens 2025 mit Gewinnen in diesem Bereich.

Noch mindestens einen Schritt vor der Marktreife befindet sich das Geschäft mit der öffentlichen Sicherheit. Hier laufen seit einiger Zeit Modellversuche, um den Einsatz von Sensoren und Künstlicher Intelligenz (KI) bei der Überwachung von öffentlichen Plätzen zu testen. Mastiaux zufolge hat der Konzern dazu eigene Programme entwickelt, die ungewöhnliche Bewegungen von Menschen erkennen, die ein Sicherheitsrisiko darstellen könnten – beispielsweise eine Schlägerei an einer Bushaltestelle. Vorteil: Erst wenn das System anhand der „Strichbilder“ so etwas erkenne, sollen Sicherheitsmitarbeiter alarmiert werden, die sich die Lage dann genauer ansehen können. Das erspare eine ermüdende Videoüberwachung, bei der Sicherheitspersonal stundenlang auf Bildschirme starren müsse. Laut Mastiaux verlaufe das datenschutzkonform.

Einer der Tests läuft derzeit in Gernsbach, wo der Salmenplatz mit dem Überwachungssystem des Karlsruher Konzerns ausgestattet wurde. Hier kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Pöbeleien und Lärmbelästigungen – Polizeieinsätze waren oft die Folge.


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