Engagement für Blasmusik - in der Region und weltweit

Bietigheim (mak) – Der Bietigheimer Markus Mauderer engagiert sich als Leiter der World Association for Symphonic Bands and Ensembles (WASBE) weltweit für Blasmusik. Dem BT beantwortet er Fragen hierzu - und über die Situation der Musikvereine in der Region.

Markus Mauderer: Engagiert für Blasmusik, regional und weltweit.  Foto: privat

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Markus Mauderer: Engagiert für Blasmusik, regional und weltweit. Foto: privat

Markus Mauderer ist in der Region kein Unbekannter: Von 1990 bis 2010 dirigierte er den Musikverein Ottersdorf, seit 2018 schwingt er den Taktstock beim Musikverein Iffezheim. Zudem ist der Musiklehrer an der Rastatter Gustav-Heinemann-Schule künstlerischer Leiter des Sinfonischen Blasorchesters Mittelbaden. Damit nicht genug: Als Executive Director der World Association for Symphonic Bands and Ensembles (WASBE) engagiert sich der 50-Jährige weltweit für Blasmusik auf höchstem Niveau. BT-Redakteur Markus Koch hat sich mit dem Wahl-Bietigheimer über dieses Ehrenamt und über die Situation der Musikvereine im Kreis unterhalten.

BT: Herr Mauderer, Sie leiten seit rund zehn Jahren WASBE – was macht diese Vereinigung eigentlich genau?

Markus Mauderer: WASBE ist im Jahr 1981 in Manchester entstanden und ist eine weltweite Vereinigung von Orchestern, Dirigenten, Musikern, Komponisten und Verlegern, die es sich zum Ziel gemacht haben, sinfonische Blasmusik auf höchstem Niveau zu spielen. Geleitet wird WASBE von einem zwölfköpfigen Board of Directors, das alle zwei Jahre den Präsidenten wählt, der Executive Director wird auf unbestimmte Zeit ernannt. WASBE organisiert alle zwei Jahre einen Musik-Kongress mit den weltbesten Orchestern, die dann ein Konzert geben. 2019 waren wir in Spanien, nächstes Jahr in Prag und 2023 sind wir in Südkorea.

BT: Wie hat sich Ihr musikalischer Werdegang gestaltet?

Mauderer: Ich wurde in eine musikalische Familie hineingeboren, mein Vater war Chorleiter beim Männergesangverein Ottersdorf. Mit neun Jahren habe ich mich beim Musikverein Ottersdorf an der Klarinette und am Saxofon ausbilden lassen und alle Jungmusikerleistungsabzeichen abgelegt. Danach habe ich einen Dirigentenkurs absolviert und war Vizedirigent beim MV Ottersdorf, der sich 1990 von seinem bisherigen Dirigenten trennte. Danach habe ich den Verein über 20 Jahre dirigiert.

BT: Einen Musikverein zu dirigieren hat Ihnen aber nicht gereicht, Sie ließen sich weiterbilden.

Mauderer: Ja, ich habe mich zunehmend für moderne und anspruchsvolle Blasmusik interessiert und bin während meines Lehramtsstudiums an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe alle 14 Tage an die Musikhochschule nach Basel gefahren. Nach dem Studium bin ich drei Jahre lang einmal in der Woche nach Basel und habe bei Felix Hauswirth ein Diplom in Blasorchesterdirektion abgelegt. Das war damals in Deutschland nicht möglich, mittlerweile geht das.

BT: Und durch Felix Hauswirth sind Sie schließlich auch zu WASBE gekommen.

Mauderer: Genau. Ich hatte nach dem Studium noch sporadisch Kontakt zu ihm, als er mich 2008 anfragte, ob ich mich nicht als Executive Director bei WASBE bewerben möchte. Das hat mich gereizt und ich bin zum Vorstellungsgespräch nach Chicago geflogen und wurde anschließend gewählt.

„Intensiv, aber machbar“

BT: Sie unterrichten an der Gustav-Heinemann-Schule Musik, Englisch und evangelische Religion, dirigieren einen Musikverein und leiten ehrenamtlich den Weltverband der Sinfonischen Blasorchester. Wie ist das zu schaffen?

Mauderer: Es ist sehr intensiv, aber machbar. Ich kann viel delegieren und erledige das meiste über Skype, Whatsapp und per E-Mail. Zweimal im Jahr gibt es ein WASBE-Meeting, das meist in den Schulferien stattfindet.

BT: Sie haben 1995 das Orchesterprojekt „Ensemble 95“ mitgegründet. Wie kam’s dazu?

Mauderer: Ich hatte mich mit einigen guten Kumpels, die auch von moderner, anspruchsvoller Orchesterliteratur begeistert waren, zusammengeschlossen, um diese Literatur zu spielen. Wir haben einmal im Jahr in der Badner Halle ein Konzert gegeben, für das wir 70 bis 80 Musiker begeistern konnten. Als dann 2001 aus dem Verbandsorchester des Blasmusikverbands Mittelbaden das Sinfonische Blasorchester Mittelbaden (SBM) wurde, haben wir das Ensemble aufgelöst und uns im SBM engagiert, in dem Musiker aus mehr aus 70 Vereinen spielen. Das SBM gibt jedes Jahr ein Konzert im Bürgerhaus in Bühl, das aktuell geplante Konzert mit dem 36-jährigen deutschen Komponisten Thiemo Kraas fiel leider der Corona-Krise zum Opfer. Wir hoffen aber, es in der zweiten Jahreshälfte nachholen zu können.

Blasmusik hat viele Facetten

BT: Blasmusik hat landläufig das Klischee, eher altmodisch zu sein. Was sagen Sie dazu?

Mauderer: Wir haben in Deutschland dieses Schubladendenken, das ist in vielen Ländern auf dieser Welt ganz anders. Blasmusik hat nämlich ganz viele Facetten, etwa die sinfonische Blasmusik. Es ist das gute Recht eines jeden Musikvereins, traditionelle Blasmusik zu spielen. Doch es gibt auch Dirigenten, die überlegen, was sie mit ihrem Orchester außerdem noch machen können. Es gibt meiner Beobachtung nach immer mehr Vereine in der Region, die ein Problem haben, mit herkömmlicher Blasmusik noch ausreichend Besucher für ein Konzert zu bekommen.

BT: Wie sieht es aktuell mit dem musikalischen Nachwuchs aus?

Mauderer: Ich habe Kontakt zu vielen Ausbildern in Musikvereinen, die mir über ihre Erfahrungen berichten. Die Jugendlichen werden heutzutage mit digitalen Angeboten zugeballert und die Lust auf Leistung lässt immer mehr nach. Auch die Bereitschaft, sich trotz Widrigkeiten mit seinem Instrument auseinanderzusetzen, ist gesunken. Früher haben die Eltern gesagt „du machst weiter“ und das Thema war erledigt, doch das ist heute nicht mehr so.

BT: Welche Musik hören Sie abends, um sich zu entspannen?

Mauderer: Ehrlich gesagt, genieße ich zuhause eher meine Ruhe. Ich habe so viel mit Musik zu tun, dass ich eher ohne sie abschalten kann. Im Radio höre ich übrigens querbeet alles, denn man muss offen und neugierig sein.

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Erstellt:
18. April 2020, 14:30 Uhr
Lesedauer:
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