Engagement geht in Bühl weit über Gedenktage hinaus

Bühl (ABB) – Elf Schülerinnen am Windeck-Gymnasium sind vielfältig aktiv. Sie engagieren sich in der Gruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.

Engagement gegen Ausgrenzung (von links): Hannah Graf, Paula Peukert, Nikte Valdez, Eleni Fotiadis vom Team „Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage“. Foto: Bernhard Margull

© bema

Engagement gegen Ausgrenzung (von links): Hannah Graf, Paula Peukert, Nikte Valdez, Eleni Fotiadis vom Team „Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage“. Foto: Bernhard Margull

So jung sie sind, so bemerkenswert reflektiert sind die Sätze, die sie sagen. Hannah Graf, Paula Peukert, Nikte Valdez und Eleni Fotiadis besuchen die elfte Klasse des Bühler Windeck-Gymnasiums und haben ein Problem mit Rassismus. Nein, sie werden nicht selbst angegriffen, es möchte ihnen aber nicht einleuchten, dass es immer noch Menschen gibt, die andere vielleicht wegen Herkunft oder Religion beleidigen oder gar körperlich angreifen. Deshalb engagieren sie sich in der Gruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.

Seit 2009 ist das Gymnasium Mitglied des bundesweiten Netzwerks und hat seither viele Veranstaltungen, Wettbewerbe und Vorträge organisiert, unter anderem mit der Holocaust-Überlebenden Anita Lasker-Wallfisch oder dem Antisemitismus-Beauftragten der Landesregierung.

Den 83. Jahrestag der Reichspogromnacht hat die Gruppe zum Anlass genommen, an der Schule zu einer Aktion aufzurufen, trotz der Corona-Auflagen ein Zeichen nach außen zu setzen. Die Schülerinnen – alle elf Mitglieder des Courage-Teams sind Mädchen – gingen durch die Klassenzimmer und stellten ihre Idee vor, wie einerseits das Bewusstsein für die Rassismus-Realität von heute und andererseits das Gedenken an die Pogromnacht, in der die Bühler Synagoge brannte, gefördert werden könnte. „Ausgrenzung ist auch heute ein aktuelles Thema“, sagt Paula Peukert. Selbst wenn man es im eigenen Alltag vielleicht nicht erlebe, so sei es in den Nachrichten doch präsent.

Statement gegen Rassismus

Die Idee sei es gewesen, die Fenster der Klassenzimmer zu gestalten, sie mit künstlerischen Arbeiten zu einem Statement gegen Rassismus umzuwandeln, erläutert Eleni Fotiadis: „Gerade in den jüngeren Klassen haben wir auch den Hintergrund erklärt.“ Die Reichspogromnacht stehe in der neunten Klasse auf dem Bildungsplan, „aber nicht so ausführlich, wie man sich das denkt oder wünscht“. Das lokale Geschehen werde nur kurz angerissen: „Der Brand in Bühl wird erwähnt, mehr aber auch nicht.“ Auch wenn der Aufruf kurz vor den Herbstferien gestartet worden sei und deshalb die Resonanz nicht ganz so hoch gewesen sei, wie man sich das erhofft habe, sei ein Ziel doch erreicht worden: „Wir haben ein Nachdenken angestoßen“, sagt Nikte Valdez. Die Reaktionen seien positiv gewesen, und die Gruppe habe auch Zuwachs erhalten. Schon bei der Vorstellung der Aktionen seien Schülerinnen aus der fünften und neunten Klasse dabei gewesen.

Der 9. November ist einer von zwei Jahrestagen, die das Courage-Team zum Anlass für Aktionen oder Veranstaltungen nimmt. Der andere ist der 27. Januar, der Holocaust-Tag zur Erinnerung an die Befreiung des KZ Auschwitz. Für das weitere Schuljahr habe die Lehrerin Barbara Becker, die gemeinsam mit Sven Lembke und Oliver Kirsten die Gruppe betreut, die Idee, je nach Infektionslage als Kino-Seminar den Film „Je suis Karl“ zu zeigen und zu besprechen. Eine andere Aktion könnte unter dem Titel „Gesichter für Diversität“ stehen. Es sei das eine, Vorträge zu besuchen, das andere, ein persönliches Zeichen zu setzen, meint Hannah Graf: „Gesicht zu zeigen erfordert Mut.“

Das Engagement des Teams beschränkt sich indes nicht auf die beiden Tage. Es treffe sich immer wieder mal und reagiere auch auf aktuelle Geschehnisse, wie etwa nach dem Angriff auf die Synagoge in Halle. Wichtig sei, sich nicht auf Vorträge zu beschränken, sondern auch Mitmach-Aktionen anzustoßen. Das sei einerseits eine Reaktion auf die Corona-Auflagen, andererseits mit Blick auf jüngere Schüler und Schülerinnen eine gute Idee: „Wenn man früh genug sensibilisiert, kann das später hilfreich sein“, meint Hannah Graf. „Damals ist etwas schrecklich schief gelaufen“, sagt Paula Peukert mit Blick auf die NS-Zeit. „Heute stemmen wir uns dagegen. Man kann nicht einfach nur sagen, es ist etwas nicht in Ordnung, und selbst nichts dagegen machen.“

In eigener Sache

Das Badische Tagblatt und die Badischen Neuesten Nachrichten bündeln ihre journalistischen Kräfte und erweitern damit das umfangreiche Leseangebot in Mittelbaden. Noch arbeiten die beiden Redaktionen getrennt, tauschen jedoch schon gegenseitig Inhalte aus. Davon sollen vor allem die Leser profitieren – durch mehr Hintergründe, Reportagen und mehr Service. Deshalb werden auf badisches-tagblatt.de auch Artikel von BNN-Redaktionsmitgliedern veröffentlicht.

Ihr Autor

Wilfried Lienhard

Zum Artikel

Erstellt:
22. November 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 04sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.