Engagierte Personen für Themenvielfalt

Baden-Baden (kli) – Auf dem Wahlzettel stehen elf Direktkandidaten – darunter fünf von Parteien, die nicht im Bundestag sind.

Günther Beikert. Foto: Klimaliste

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Günther Beikert. Foto: Klimaliste

Neben den Direktkandidaten der sechs im Bundestag vertretenen Parteien (CDU, SPD, Grüne, FDP, AfD und Die Linke) treten im hiesigen Wahlkreis Rastatt fünf weitere Parteien jeweils mit einem eigenen Direktkandidaten an. Ein Überblick über diese Kandidaten und ihre politischen Inhalte und Ziele:

Die Freien Wähler schicken Lara Schindler als Direktkandidatin ins Rennen. Die 27-jährige Servicekraft aus der Gastronomie möchte junge, neue Ideen in die Politik bringen. „Ich möchte realistisch an die Probleme herangehen und nicht wie viele andere leere Versprechen abgeben“, sagt sie. In der Migrationspolitik zum Beispiel plädiert sie für einen pragmatischen Kurs, der den Zuzug beschränkt.

Lara Schindler. Foto: Freie Wähler

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Lara Schindler. Foto: Freie Wähler

Auch beim Klimaschutz vermisst sie realistische Politik. Radikale Konzepte à la Greta Thunberg sind ihr zu extrem. „Man muss überlegen, was man wirklich machen kann und nicht nur darüber reden“, fordert sie. Dritter Punkt, der ihr wichtig ist, ist die Infrastruktur, gerade auch im Wahlkreis: Straßen müssten saniert werden, damit der Verkehr fließen kann und weniger Emissionen erzeuge. Auch der Öffentliche Nahverkehr und Fahrradwege gehörten ausgebaut. Schindler verweist hier auf das Vorbild Niederlande.

Für Volt geht Robin Gscheidle an den Start. Der 23-jährige Student des internationalen IT-Business aus Kuppenheim, der nebenberuflich als Schwimmlehrer arbeitet, möchte Menschen aktiv helfen, wie es Volt 2020 etwa mit einer Aktion „Europe cares“ für Flüchtlinge in dem abgebrannten Lager Moria auf Lesbos gemacht hat.

Robin Gscheidle. Foto: Robin Gscheidle

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Robin Gscheidle. Foto: Robin Gscheidle

Für besonders wichtig hält Gscheidle den Klimaschutz, da will er sich für europäische Lösungen einsetzen, zum Beispiel eine europäische Stromtrasse vorantreiben. Außerdem setzt Gscheidle auf die Themen Bildung und Digitalisierung. „Estland hat den deutschen Schulen seine guten Werkzeuge für digitalen Unterricht zur Verfügung gestellt, aber wir sind leider nicht darauf eingegangen“, moniert er. Seine Partei, die in vielen europäischen Ländern vertreten ist, strebt zudem eine Reform der EU an. „Ich profitiere beruflich und fürs Studium viel davon, kann mich mal eben digital mit Volt-Kollegen in Spanien oder Ungarn austauschen.“

Günther Jakob Beikert tritt als Direktkandidat für die Klimaliste BadenWürttemberg an. Der 53-jährige Lehrer, der zuvor lange in der Finanzbranche gearbeitet hat, möchte konsequenten Klimaschutz wählbar machen, wie er sagt. „In der Klimakrise sind wir so weit fortgeschritten, dass wir alle Kraft dafür einsetzen müssen, die Auswirkungen zu begrenzen“, sagt er. Die ganze Politik müsse auf das Ziel Klimaschutz ausgerichtet sein. Dem Klimaschutz müsse höhere Priorität als wirtschaftlichem Wachstum eingeräumt werden. Beikert dekliniert das für viele Bereiche durch: „Es reicht nicht, wenn wir den Verkehr auf Elektro-Mobilität umstellen, der Verkehr muss auch weniger werden.“ Ähnliches Umsteuern gelte für Produktion und Konsum sowie für Landwirtschaft und Handel. Politik müsse auf die Interessen der nächsten Generation achten. „Augen zu und gegen die Wand fahren ist keine Alternative“, sagt Beikert.

Marion Hofmann. Foto: Armin Broß

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Marion Hofmann. Foto: Armin Broß

Für die Basisdemokratische Partei Deutschland (die Basis) geht Marion Hofmann ins Rennen. Die 61-jährige Rastatterin ist Produktions- und Ausbildungsleiterin. Was sie zur Kandidatur motiviert? „Bis 14. März 2020 lebte ich frei und selbstbestimmt. Danach wurden mir meine Grundrechte genommen, meine Reisefreiheit, meine Versammlungsfreiheit, meine Selbstbestimmung und Eigenverantwortung über meine Gesundheit. Da sich kein gewählter Politiker für meine Belange einsetzte, schloss ich mich der Bürgerbewegung die Basis an“, berichtet sie. Mit den „vier Säulen Freiheit, Machtbegrenzung, Achtsamkeit und Schwarmintelligenz gestalten wir Basisdemokratie, also Politik von unten nach oben“, so Hofmann. Und für was will sie sich in der Politik einsetzen? „Nach Wiedereinführung unserer Grundrechte setze ich mich im Auftrag der Menschen für eine echte Gesundheitspolitik ein“, erzählt sie. Wichtig sei ihr auch die Bildungspolitik.

Wolfgang Peter Rapps. Foto: Wolfgang Peter Rapps

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Wolfgang Peter Rapps. Foto: Wolfgang Peter Rapps

Wolfgang Peter Rapps kandidiert für die Internationalistische Liste. Der 71-Jährige ist Rentner, war zuvor Diplomphysiker und wohnt in Karlsruhe. „Schon während meines Studiums und noch mehr im Beruf wurde mir der Widerspruch bewusst, dass die moderne Wissenschaft und Technik einerseits riesige Möglichkeiten zur Verbesserung unseres Lebens bei gleichzeitiger Schonung der natürlichen Umwelt bietet“, berichtet er. Diese Möglichkeiten würden aber nur für die Profitmaximierung genutzt „oder richten sich zum großen Teil sogar direkt gegen uns, wie die steigende Arbeitshetze in den Großbetrieben, zum Beispiel den Daimlerbetrieben in der Region oder der Skandal um die Diesel-Abgase zeigt“. In einem anderen Gesellschaftssystem wäre die Krisenhaftigkeit vermeidbar, findet er. Mit den Marxisten-Leninisten kämpft er „für eine Zukunft ohne Ausbeutung, Unterdrückung und gegen die existenzielle Gefahr einer globalen Umweltkatastrophe“.

Ihr Autor

BT-Redakteur Dieter Klink

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Erstellt:
4. September 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 14sec

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