Engelstraße Rastatt: Keime im Trinkwasser

Rastatt (dm) – Anwohner der Rastatter Engelstraße werden derzeit per Ersatzleitung mit Trinkwasser versorgt, nachdem eine Verunreinigung mit Pseudomonaden festgestellt worden war.

Während der Reinigung des Netzes werden Anwohner der Engelstraße per Ersatzleitung mit Wasser versorgt. Foto: Daniel Melcher

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Während der Reinigung des Netzes werden Anwohner der Engelstraße per Ersatzleitung mit Wasser versorgt. Foto: Daniel Melcher

Keime im Trinkwasser: Die aktuelle Verunreinigung im Leitungsnetz der Engelstraße in Rastatt ist ein Problem, wie es landauf, landab offenbar immer häufiger angetroffen wird. Das hat, so sagt Martin Höfer vom Gesundheitsamt, oft mit technischen Problemen zu tun – aber auch mit dem Klimawandel.
Zunächst: Im aktuellen Fall in Rastatt könne man eine Gesundheitsgefährdung „eigentlich ausschließlich“, so Höfer im Gespräch mit dem BT. Bei dem Fund in der Engelstraße handelt es sich um Pseudomonaden – Eiter-Erreger –, die gesunden Menschen „gar nichts“ machen. Daher werde bei standardgemäßen Trinkwasseruntersuchungen auch gar nicht auf dieses Bakterium getestet.

„Keine Gefährdung“

Dass es dennoch gefunden wurde, liegt am dortigen Krankenhaus. Für Kliniken gelten nämlich besondere Hygieneanforderungen. Und in diesem Zuge sei man am 6. Oktober bei Untersuchungen des ganzen Versorgungsstrangs erstmals auf die Pseudomonaden gestoßen – per Chlorierung sei das Klinik-Netz sofort gereinigt worden, es habe auch hier keine Gefährdung bestanden, so Höfer. Wichtig, weil die Keime bei Menschen mit bestimmten Erkrankungen oder Dialyse-Patienten verschiedene Krankheitsbilder von der Entzündung bis zur Sepsis auslösen könnten.

Des Weiteren wurde festgestellt, dass die Ursache der Verunreinigung nicht vom Klinikum stammt, sondern aus dem weiteren Straßenverlauf.

Vorsorglich werden die Anwohner an der Engelstraße – auch das Polizeirevier ist betroffen – derzeit über eine Ersatzleitung mit Trinkwasser versorgt, während der betroffene Leitungsabschnitt gereinigt und desinfiziert wird. Das soll voraussichtlich etwa zwei Wochen dauern, anschließend findet eine erneute Prüfung statt, wie die Stadtwerke mitteilten.

Probleme treten landauf, landab zutage

Die Ersatzversorgung sei „umgehend“ eingerichtet worden. Die Qualität entspreche „zu 100 Prozent der Trinkwasserverordnung“, das Trinken direkt aus der Leitung sei weiter ohne Bedenken möglich.

Wie die Keime in das Leitungsnetz kamen, darüber werde noch spekuliert, so Martin Höfer, doch möglicherweise waren Arbeiten, die kürzlich an der Leitung ausgeführt wurden, die Ursache. Gerade bei Ausbesserungen oder Brüchen könne mikrobiologischer Plaque eindringen; da geht es nicht nur um Pseudomonaden. Und die Probleme seien nicht Rastatt-spezifisch, wo immer wieder auch auf Legionellen untersucht wird, sondern grundsätzlich, landauf, landab.

Ein Thema dabei ist die Grundwasser-Erwärmung. Die Kaltwassertemperatur unter den Straßen sei deutlich gestiegen, so Höfer, der seit 26 Jahren als Teamleiter Hygienekontrolldienst im Rastatter Gesundheitsamt fungiert. Hierbei sei klar eine Auswirkung des Klimawandels zu sehen. Baden-Württemberg-weit werde daher an einem Masterplan gearbeitet und nach Möglichkeiten gesucht, wie man sich dagegen wappnet; unter anderem künftig tiefere Brunnen zu bohren oder Leitungen auszuweiten, seien zum Beispiel Überlegungen hierzu. In der betreffenden Arbeitsgruppe im Ministerium für ländlichen Raum sind auch die Gesundheitsämter vertreten.

Ihr Autor

BT-Redakteur Daniel Melcher

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Erstellt:
5. November 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 19sec

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