„Engerer Bezug zu Gernsbach“

Gernsbach (ham) – Marcus Mössner ist neuer Rektor an der Realschule in Gernsbach. Der bisherige Schulleiter in Untergrombach legt an neuer Stätte großen Wert auf einen „engeren Bezug“ zur Stadt.

In Schweden geboren, Europäer im Herzen: Der frankophile neue Realschul-Rektor Marcus Mössner zeigt Flagge in der Realschule Gernsbach. Foto: Metz

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In Schweden geboren, Europäer im Herzen: Der frankophile neue Realschul-Rektor Marcus Mössner zeigt Flagge in der Realschule Gernsbach. Foto: Metz

Die blaue Flagge mit gelbem Kreuz thront auf seinem Bürotisch. Im Hintergrund sticht das schwedische Banner in einem Rahmen ebenfalls ins Auge. Der neue Rektor der Realschule Gernsbach hat sich in seinem Büro bereits eingerichtet und deutet damit seinen Geburtsort in der Nähe von Stockholm gerne an. Als „bekennender Europäer“ ist Marcus Mössner aber auch besonders frankophil und verbringt jedes Jahr einen Urlaub in Frankreich.

Der Schulleiter hat vergangene Woche seinen neuen Posten bezogen. Zuvor war der Baden-Badener Rektor an der Realschule im Bruchsaler Ortsteil Untergrombach. Dass sich in Gernsbach nach dem langen Investitionsstau viel bewegt, bereitet dem Nachfolger von Joachim Schneider kein Kopfzerbrechen. „Als ich 2011 in Untergrombach als Leiter begann, mussten wir eine nagelneue Schule aufbauen. Die war noch nicht fertig, bis zum Chemie-Becher fehlte damals einiges“, erinnert sich der Mathematik-, Technik- und Chemie-Lehrer an die Situation und weiß, „es gibt an jeder Schule Baustellen, das ist für mich Alltag.“ In Gernsbach treffe er außerdem auf „funktionierende Strukturen. Ich muss mich also nur einfinden, sobald die Schule wieder läuft und alle Lehrer da sind. Einleben werde ich mich unter Vollbetrieb“. Momentan ist nur das Sekretariat besetzt, die Putzkräfte reinigen fleißig die Räume und drei Deutsch-Lehrer bieten eine „Lernbrücke“ in ihrem Fach an, um die Corona-Zwangspause etwas zu kompensieren.

„Interessante Stelle an größer Schule im Ort“

Den in Gamshurst aufgewachsenen 48-Jährigen zog es unter anderem wegen der räumlichen Nähe an die Spitze der Realschule in Gernsbach: „Nach Untergrombach fahre ich im Optimalfall in 45 Minuten – aber in schlechten Fällen bin ich auch täglich drei Stunden unterwegs“, erzählt der Vater von neunjährigen Zwillingen (Charlotte und Cornelius) von seinen Fahrten von der Baden-Badener Cité aus. Die kürzere Entfernung schätzt Mössner vor allem wegen des nun „engeren Bezugs zum Standort. Hier erfahre ich, was in Gernsbach passiert. In Bruchsal war das nicht so“, stellte der Kurstädter über die Jahre hinweg fest, „dass man als Schulleiter stark eingebunden ist in die Gemeinde. Deshalb ist es wichtig, nicht zu weit weg zu wohnen.“ Dazu gesellt sich außerdem: „Gernsbach ist kleiner und überschaubarer als Bruchsal. Hier sind wir die größte Schule am Ort und haben einen ganz anderen Stellenwert“, findet der Rektor auch deswegen die neue „Stelle interessanter“.

Die aktuelle Hauptaufgabe plagt Mössner weniger: „Wir haben schon gewisse Routinen bei den Abläufen und uns Szenarien wegen Corona überlegt, was passiert wenn ... Als positiver Mensch gehe ich zunächst einmal davon aus, dass alles normal läuft.“ Das heißt für die 74 neuen Fünftklässler, die sich auf drei Klassen verteilen werden, ab nächster Woche genauso wie für die anderen der rund 450 Realschüler: „Maske auf dem Schulgelände tragen, im Unterricht herrscht keine Pflicht. Es herrscht Einbahnstraßenverkehr. Der Pausenhof ist für die Klassen eingeteilt. Zudem ermahnen wir die Schüler zur Hygiene.“

Langfristig will der Sohn eines Deutschen und einer Polin, der 1988 in Rheinland-Pfalz seine Lehrer-Karriere begann, vor allem die Digitalisierung vorantreiben an seiner neuen Schule. „Der Fokus liegt eindeutig darauf. Diesbezüglich muss Deutschland klar besser werden“, betont der ehemalige Schul- und Personalreferent am Regierungspräsidium Karlsruhe (2005-2011).

Nur bei Hobbys in alter Technik verhaftet

Dabei gehe es nicht nur um die während Corona oft beschriene Technik, die für Online-Unterricht fehlte, „sondern auch um den Gebrauch. Darauf legten wir schon in Untergrombach großen Wert“.

Nur bei seinen Hobbys treibt Mössner die Digitalisierung nicht zum Äußersten und bleibt in der guten, alten Zeit verhaftet. Die Märklin-Eisenbahn freut ihn wie seine Zwillinge in der kalten Jahreszeit um Weihnachten. Und wie schon sein Vater und Schwester Alexandra frönt der 48-Jährige der Fotografie. „Hauptsächlich Landschaften“ begeistern ihn, zudem beleuchtete Megastädte bei Nacht wie Kuala Lumpur. Die gerahmten Petronas Towers und weitere sehenswerte Bilder liegen hinter ihm auf dem Schrank bereit und muss er noch nach der „Nagelprobe“ der anderen Art in seinem Büro aufhängen.


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