Enkeltrick trifft auch Taxi Holl

Karlsruhe (sga) – Der Enkeltrick ist mittlerweile überall bekannt. Mittlerweile nutzen Betrüger dafür eine neue Masche: Sie bestellen für ihre Opfer direkt das Taxi, das sie zur Bank bringen soll.

•Soll künftig auf die Problematik aufmerksam machen: Seit Montag hängen in den Autos von Taxi Holl Warnhinweise. Foto: Holl/Taxi Holl

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•Soll künftig auf die Problematik aufmerksam machen: Seit Montag hängen in den Autos von Taxi Holl Warnhinweise. Foto: Holl/Taxi Holl

Altes bewährt sich. So auch der Enkeltrick, der mit „Rate mal, wer am Telefon ist“ beginnt und mit „Kannst du mir Geld leihen“ endet. Und obwohl genügend Fälle auf das Vorgehen aufmerksam gemacht haben sollten, fallen ältere Damen und Herren immer wieder darauf rein. Mit Warnhinweisen und Vorträgen versuchen örtlichen Polizeipräsidien die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren, hellhöriger zu werden – neuerdings sogar während der Taxifahrt.

Seit Montag hängen die Schilder in den Fahrgasträumen seiner Taxis, direkt auf der Plexiglasscheibe hinter dem Fahrer. Knalliges Gelb und Rot soll auf die Botschaften aufmerksam machen: Fallen Sie nicht darauf rein! Übergeben Sie kein Geld! „Eigentlich müssten wir es mittlerweile alle begriffen haben“, meint Dirk Holl im BT-Gespräch. Doch der Vorstand von Taxi Holl weiß auch: „Die Betrüger werden immer dreister.“ So wurde der Fahrdienstleister selbst bereits Opfer des Enkeltricks – wenn auch nur indirekt.

Als im Juli ein Anruf mit unterdrückter Nummer die Zentrale erreicht, denkt sich keiner der Mitarbeiter etwas dabei, schließlich „ist das auch keine Seltenheit“, wie Holl berichtet. Das komme oft vor. Und genau deshalb habe auch keiner damit gerechnet, dass der Anrufer kein üblicher Kunde war. „Bis wir dann von der Polizei erfahren mussten, dass es sich damals um einen Betrüger gehandelt hat“, erinnert er sich. Dieser habe ein Taxi für sein Opfer bestellt, um es direkt zu einer Bankfiliale bringen zu lassen.

Anruf von „Unbekannt“

Dem Vorstand der Holl AG war diese Vorgehensweise zuvor unbekannt. Bisher habe der Betrüger während seines Anrufs die Rufnummer der Polizei eingeblendet, „das ist in der heutigen Zeit und mit den technischen Fortschritten offensichtlich kein Problem mehr und hat den Betrüger oft enttarnt“. Dass allerdings „einfach unter unbekannt“ angerufen wird ist ihm neu. „Aber wie man sieht, werden immer wieder neue Tricks angewandt“, so Holl. Um nicht mehr in die Machenschaften der Betrüger zu geraten, sollen die Kunden künftig auf die Problematik hingewiesen werden.

Die Idee mit entsprechenden Hinweisschildern im Fahrgastraum entstand durch eine vorherige Aktion des Polizeipräsidiums Karlsruhe. „In Zusammenarbeit mit örtlichen Bäckereien haben wir Papiertüten bedruckt, die auf die Thematik aufmerksam machen und potenzielle Opfer daran erinnern soll, vorsichtig zu sein“, erklärt Tina Rastätter. Laut der Kriminalhauptkommissarin des Karlsruher Polizeipräsidiums ist bereits in der Vergangenheit auf den Enkeltrick eingegangen worden, indem man der Bevölkerung regelmäßig Seminare und Vorträge angeboten hat. Aktuell lässt Corona diese Form von Prävention jedoch nicht zu, weshalb andere Aktionen ins Leben gerufen werden mussten. „Für die Taxis haben wir nun Plakate gestaltet und diese an Taxi Holl und Taxi Ruf verteilt“, erklärt Rastätter. Ein QR-Code führt zu einer entsprechenden Informationsseite im Internet.

„Wir hoffen sehr, dass unsere Gäste dadurch hellhörig werden und vielleicht, wenn sie jünger sind, ihre Großeltern oder andere Familienmitglieder und Bekannte auf das Problem aufmerksam machen“, so Holl. Auch die Mitarbeiter wurden auf entsprechende Situationen aufmerksam gemacht „und kontaktieren zeitgleich die Polizei, wenn ihnen etwas komisch vorkommt“. Falls sich unter den Fahrgästen trotzdem ein Opfer befinden sollte, „führt im besten Fall das Plakat dazu, den Anruf in letzter Sekunde zu hinterfragen“, erklärt Rastätter. Und auch Holl ist sich sicher: „Selbst wenn es am Ende nur eine Person ist, der wir geholfen haben – gelohnt hat es sich dann auf jeden Fall.“

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Erstellt:
4. November 2020, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 44sec

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