„Enormer Fahrspaß“ für kleines Geld

Loffenau (ham) – Auf Initiative der Gemeinde bietet die Deer GmbH in Loffenau Carsharing mit einem E-Golf an. Die Ladesäule am Kirchhaldenpfad kann zudem jeder Elektrofahrzeug-Besitzer nutzen.

Gemeinderätin Manuela Nuber (von links), die selbst einen Elektro-Smart fährt, Christian Elfendahl von der Firma Deer und Bürgermeister Markus Burger präsentieren die Ladesäule und den E-Golf mit Loffenauer Logo. Foto: Metz

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Gemeinderätin Manuela Nuber (von links), die selbst einen Elektro-Smart fährt, Christian Elfendahl von der Firma Deer und Bürgermeister Markus Burger präsentieren die Ladesäule und den E-Golf mit Loffenauer Logo. Foto: Metz

„Der Fahrspaß bei Elektroautos ist enorm“, gerät Manuela Nuber ins Schwärmen und steckt hernach das Ladekabel, an dem ein Elektro-Golf hängt, in die frisch installierte Ladesäule auf den Parkplätzen am Kirchhaldenpfad. Gestern lieferte die Deer GmbH als Kooperationspartner den VW an. Bürgermeister Markus Burger war am Morgen wohl der erste Loffenauer, der sich über die App gleich bei dem Calwer Unternehmen für das E-Carsharing registrierte.

Die Ladesäule, für die die Gemeinde rund 15.000 Euro investierte und laut Burger 40 Prozent an Zuschüssen erhält, wurde gestern eingeweiht. Die Initiative hatte Nuber vor rund zwei Jahren mit ihren Gemeinderatskollegen der SPD & Aktive Loffenauer Bürger (ALB) angestoßen. Fraktionschef Wolfgang Reik begeisterte zusammen mit Burger die Mehrheit im Gemeinderat für die Idee, um das Klimaschutzkonzept der Kommune auch in diesem Bereich voranzutreiben. Das Interesse an einer Infoveranstaltung der SPD &ALB blieb zwar mit einem runden Dutzend Teilnehmern überschaubar. Reik hofft aber dennoch, dass „sich nun manche Familie überlegt, ob sie nicht ihr zweites Auto abschafft“. Zudem könnten die Flüsterfahrzeuge auch ein generelles Aufregerthema in dem Straßendorf reduzieren: den Verkehrslärm.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung dürfte manchen Bürger überzeugen: Die seit 2019 am Markt agierende Deer GmbH bietet den E-Golf und die anderen 115 Fahrzeuge im Pool für lediglich 5,75 Euro die Stunde an – inklusive freier Kilometerzahl! Allerdings kommt der umgebaute 136-PS-Golf der siebten Generation laut einem ADAC-Test nicht über 200 Kilometer Reichweite hinaus, ehe er wieder an die Ladesäule muss und in Loffenau nach rund vier Stunden vollgeladen ist. Die Leihe für 24 Stunden kostet 34 Euro. Beim Wochenendtarif (Freitag, 17 Uhr, bis Sonntag, 21 Uhr) nimmt die Tochtergesellschaft der Energie Calw (EnC) mit neun Mitarbeitern 70 Euro. Dazu gesellt sich eine jährliche Grundgebühr von 30 Euro.

Den „Stromer“ mit dem Kennzeichen CW-EN 267E und Loffenau-Schriftzug an der Hintertür kann man über eine App via Smartphone buchen. Zuvor muss man jedoch seinen Führerschein einscannen, an Deer senden und die zugeschickte „Lap ID“ auf den „Lappen“ kleben, damit der Betreiber und das System wissen, dass man im Besitz einer Fahrerlaubnis ist. Das prüft das Unternehmen auch jedes halbe Jahr, erläutert Burger und zeigt seine Karte mit jungfräulicher „Lap ID“.

Das Auto darf an jeder Deer-Station abgestellt werden. In zehn der elf Regioenergie-Kommunen sind die Calwer demnächst aktiv. Am Dienstag schließt sich Ötigheim an, Weisenbach ist schon dabei. Die Ladestationen von Deer können auch von Fahrern anderer Elektroautos genutzt werden, betont Christian Elfendahl als Leiter der „Mobility Sales&Services“-Abteilung. Der Preis für den Strom variiert jedoch, etwa wenn man an einer Schnellladestation tankt, die mit rund 50.000 Euro mehr als dreimal so viel kostet wie das Modell mit 22 kW Ladeleistung in Loffenau, erklärt Elfendahl.

Für Deer lief es „im Januar und Februar super – bis Corona kam. Der April war gruselig. Aber wir kommen jetzt langsam wieder aus dem Tal raus und haben zuletzt 1 000 Kommunen angeschrieben“, erzählt Elfendahl weiter und zeigt sich überzeugt, dass dem E-Carsharing „die Tore weit offen stehen“. Derzeit umfasst seine Flotte 116 Fahrzeuge, überwiegend Renault Zoe, BMW i3 und der bisherige E-Golf, der nun sukzessive durch den neuen, reinen Elektro-Golf ID3 ersetzt werden soll. Zudem gesellen sich ab September 80 neue VW E-Up hinzu. Sollte sich statt der Batterie-Technik langfristig Wasserstoff durchsetzen, hat Elfendahl damit „kein Problem. Wenn das ökologisch Sinn macht, können wir uns das als Mobilitätsanbieter auch vorstellen“.

Gemeinderätin Nuber hat nicht gewartet, bis die durch Corona verzögerte Aufstellung der Ladestation in Loffenau erfolgte. Im November schaffte sie sich bereits einen Elektro-Smart an. Aufgeladen wird der kleine Stadt-Flitzer meist über die heimische Wallbox, die von der Photovoltaik-Anlage der Familie auf dem Hausdach gespeist wird.

Beim Vergleich zwischen herkömmlichen Autos und Elektrofahrzeugen kommt Nuber noch ein riesiger Vorteil in den Sinn, den Frauen offensichtlich deutlich mehr schätzen als männliche Autoschrauber, die Benzin im Blut haben: „Man stinkt nach dem Tanken nicht mehr an den Fingern!“


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