Enten-Mahd in der Bühlot: Mitarbeiter war unerfahren

Bühl (BNN) – Ein Sturm der Entrüstung ist losgebrochen, weil bei einer Mäh-Aktion entlang der Bühlot Entennester zerstört wurden. Verantwortliche wehrt sich gegen Vorwürfe

Alles kahl rasiert: Die Nester auf der kleinen Sandbank an der Bühlot unterhalb der Sonnengasse sind nach Mäharbeiten komplett verschwunden. Foto: Ulrich Coenen

© Ulrich Coenen

Alles kahl rasiert: Die Nester auf der kleinen Sandbank an der Bühlot unterhalb der Sonnengasse sind nach Mäharbeiten komplett verschwunden. Foto: Ulrich Coenen

Die Empörung ist riesengroß. Die mutwillige Zerstörung von drei Entennestern mit rund 25 Eiern auf einer Sandbank an der Bühlot beschäftigt die Menschen auf Facebook. Der Bericht und der Kommentar dieser Zeitung werden dort intensiv diskutiert. „Aus Versehen kann das nicht geschehen sein“, meint eine entsetzte Bühlerin. „Das muss jemandem einfach egal gewesen sein.“ Dies müsse personelle Konsequenzen haben. „Unfassbar“, meint eine andere. „Was ist das schlimmste Tier? Der Mensch.“ Ein Dritter fordert: „Der Verantwortliche sollte seinen Platz räumen.“

Was ist passiert? Das Ufer der Bühlot wurde am Dienstag im Auftrag des Zweckverband Hochwasserschutz Raum Baden-Baden/Bühl im Bereich der Innenstadt gemäht. Dabei hat ein Mitarbeiter des beauftragten Landschaftspflegeunternehmens die Gelege auf der Höhe des Gasthauses Schwanen nicht beachtet, das Gras abrasiert und die brütenden Enten verscheucht. Die Eier sind ausgekühlt, es werden keine Küken schlüpfen.

Viviane Walzok, Geschäftsführerin des Zweckverbands Hochwasserschutz, bedauert den Vorfall. „Es tut mir unendlich leid“, erklärt sie. „Wir haben alle Vorkehrungen getroffen, damit sich so etwas nicht wiederholt.“ Das Unternehmen, das die Arbeiten im Auftrag des Verbands ausführt, sei sehr erfahren. „Es arbeitet schon länger für den Verband als ich selbst und ich bin bereits seit 1997 dabei“, berichtet Walzok. „Allerdings wurde dieses Mal ein neuer Mitarbeiter eingesetzt.“

Proteste auch, wenn nicht gemäht wird

Die Geschäftsführerin hat die Zerstörung der Entennester zum Anlass genommen, alle Landschaftspflegeunternehmen anzusprechen, die für den Zweckverband tätig sind. „Ich habe sie noch einmal speziell für Gelege am Ufer sensibilisiert“, sagt Walzok. Auch mit dem Chef des neuen Mitarbeiters, der am Dienstag am Ufer der Bühlot tätig war, hat sie sich unterhalten.

Nach Auskunft der Geschäftsführerin arbeiten die Mitarbeiter der beauftragten Unternehmen nicht im Akkord, sondern werden nach Einsatzstunden bezahlt. „Es gibt feste Verträge und Pflegepläne für jedes Gewässer“, berichtet sie. „Die Leute stehen nicht unter extremen Zeitdruck und sind angehalten, auf Gelege Rücksicht zu nehmen.“ Flächen um Gelege herum, sollen nicht gemäht werden.

Enten-Mahd in der Bühlot: Mitarbeiter war unerfahren

© pr

Doch auch das führte schon zu Bürgerprotesten. Der Zweckverband erhielt Anrufe von Anwohnern. Man habe wohl den einen oder anderen Uferbereich „vergessen“, denn dort stehe trotz Mäharbeiten immer noch hohes Gras. Die Antwort, dass dies bewusst und zum Schutz von Gelegen geschehe, begeistert dann auch nicht jeden.

Vorwürfe auf Facebook, dass die Zerstörung von Gelegen durch den Zweckverband häufiger vorkomme, weist Walzok entschieden zurück. „Es gab in der Vergangenheit einen einzigen Verdachtsfall, über den wir informiert wurden“, stellt sie fest. „Als wir dem nachgegangen sind, stellte sich allerdings heraus, dass es eine Falschmeldung war.“ Die Geschäftsführerin betont, dass der Verband selbstverständlich nur Fällen nachgehen könne, über die er Kenntnis erhalte.

Viviane Walzok weist einen weiteren Vorwurf, der auf Facebook erhoben wurde, zurück. Dort wird behauptet, das Gras am Ufer der Bühlot werde nur gemäht, damit die Bühl gepflegt aussehe. „Hauptsache, das Stadtbild sieht ordentlich aus“, meint ein Diskutant.

„Es geht um Hochwasserschutz“

„Es geht um den Hochwasserschutz“, konstatiert Walzok. „Der Zweckverband ist verantwortlich, dass die Abflussfähigkeit der Gewässer im Raum Bühl und Baden-Baden erhalten bleibt. Früher oder später wächst jedes Gewässer zu, wenn wir nicht eingreifen. Das geht selbstverständlich auf Kosten der Leistungsfähigkeit.“

Welche Folgen das haben kann, hat sich in Bühl und Baden-Baden zuletzt 1998 gezeigt. In Bühl und Baden-Baden wurden am 29. Oktober große Teile der Innenstädte überflutet.

Ihr Autor

BNN-Redakteur Ulrich Coenen

Zum Artikel

Erstellt:
20. Mai 2022, 09:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 44sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.