Entscheidung der Stadt Bühl verärgert Dauercamper

Bühl/Rheinmünster (marv) – Für Unverständnis bei den 325 Dauercampern am Campingplatz Adam in Oberbruch hat die Entscheidung der Stadt Bühl gesorgt, ein strengeres Betretungsverbot als die Landesregierung im Zuge der Corona-Einschränkungen zu erlassen. Das Bizarre: In Pittersdorf und Rheinmünster durften Dauercamper, selbst wenn sie nicht ihren Erstwohnsitz dort haben, kurz auf die Gelände, um nach dem Rechten zu sehen und ihre Blumen zu gießen.

Neun Wochen lang durften Dauercamper am Campingplatz Adam nicht zu ihrem Eigentum. Foto: Wersich

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Neun Wochen lang durften Dauercamper am Campingplatz Adam nicht zu ihrem Eigentum. Foto: Wersich

Ein Landkreis, zwei Regelungen. Die Landesverordnung zur Corona-Infektionsbekämpfung wird recht unterschiedlich ausgelegt. Ein Beispiel: Während die Dauercamper des Freizeitcenters Oberrhein in Rheinmünster und des Rastatter Freizeitparadieses in den vergangenen Wochen für einen kurzen Aufenthalt, zum Beispiel zum Blumengießen, die Gelände betreten durften, wurde Dauercampern der Zutritt zum Bühler Campingplatz Adam verweigert.

Das sorgt für Unverständnis bei den 325 Dauercampern vor Ort, die ansonsten mit viel Liebe fürs Detail ihre Refugien hegen und pflegen. Astrid Wormuth, Geschäftsführerin der Campingplatz Adam oHG, sagt: „Wir sind behördlich geschlossen worden. Neun Wochen hatten wir keinerlei Umsätze“. Zwei Mitarbeiter seien in Kurzarbeit, sechs Mitarbeiter auf 450-Euro-Basis habe sie weiterbezahlen müssen. Gegenüber dem BT kritisiert sie das „nicht wirklich kooperative“ Vorgehen der Stadt Bühl und des Ordnungsamts scharf. „Unsere Dauercamper wollten lediglich nach dem Rechten sehen, ihre Blumen gießen“, schildert Wormuth und: „In der Landesverordnung war nie die Rede von einem generellen Betretungsverbot“.

Landeswirtschaftsministerium: Gartenarbeit weiter erlaubt

Das Landesministerium bestätigt das. In einem Schreiben vom 28. April, das dem BT vorliegt, heißt es: „Aktuell ist der Betrieb von Campingplätzen und Wohnmobilstellplätzen bis zum 3. Mai für den Publikumsverkehr untersagt. Dies gilt auch für Dauercamper, die keinen Erstwohnsitz auf dem Platz angemeldet haben. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein generelles Betretungsverbot. Der Zutritt für notwendige Arbeiten – etwa zur Pflege und Reparatur oder zur Gartenarbeit – ist weiterhin erlaubt.“ Dabei sei der zeitliche Umfang zu begrenzen und die generellen Abstands- und Hygienevorschriften einzuhalten.

Als Wormuth, die Stadt um eine Öffnung für ihre Dauercamper bat, damit diese „nach dem Rechten sehen können“, antwortete Elisabeth Beerens, Abteilungsleiterin Rechtswesen bei der Stadt Bühl, unter anderem per E-Mail: „Die Aussagen des Wirtschaftsministeriums sind bisher weder bei uns noch beim Landratsamt Rastatt bekannt. Auf der Homepage des Wirtschaftsministeriums findet sich auch nichts.“

Ordnungsamtsmitarbeiterin Daniela Steurer sagte gestern: „Mich wundert auch, dass da im Landkreis anders verfahren wurde. Wir haben uns an die Landesverordnung gehalten, da das Landratsamt auf Nachfrage unsere Rechtsauffassung geteilt hat und nicht sichergestellt war, dass nicht doch dort übernachtet wird.“

Feiertagswochenende: Stellplätze sehr gefragt

„Uns hat es bis jetzt circa 30 Prozent des Jahresumsatzes gekostet“, sagt Andre Junkereit, Geschäftsführer des Freizeitcenter Oberrhein, über die Auswirkungen der coronabedingten Landesverordnung. Auch er wünscht sich genauere Vorgaben.

Die Ungewissheit, die sich seit Beginn der Corona-Pandemie in allen Lebensbereichen breitgemacht hat, ist eine echte Herausforderung. Vor allem für alle Menschen mit Personalverantwortung.: Wann geht es normal weiter? Diese Frage stellt sich vielen. „Wir haben mehr als zehn Mitarbeiter, Saisonkräfte und Ferienjobber aus dem Ausland, die fehlen“, wenn es wieder wie gewohnt weiter geht, sagt Junkereit und ergänzt: „Wir haben Saisonkräfte aus Kirgistan, die Flüge buchen müssten.“

Seit Montag dürfen nicht nur Dauercamper, sondern auch touristische Camper, die über autarke Sanitäranlagen verfügen, unter Einhaltung der Abstands- und Hygienebestimmungen bis 29. Mai wieder auf Campingplätzen sein und dort auch übernachten. Beim Freizeitcenter Oberrhein habe man für die Sanitäranlagen „Reinigungskonzepte entwickelt, die“ aus Sicht von Geschäftsführer Junkereit „gut gegriffen hätten“, wenn sie denn zur Anwendung kämen. „Die Nachfrage ist derzeit enorm. Grundsätzlich sind wir an dem Wochenende schon sehr, sehr stark gebucht“, sagt Junkereit. „Viele unserer Stammkunden sind aber ohne autarke Versorgung. Diesen sind wir mit Gutscheinen oder Rückerstattungen entgegengekommen.“ Etwa 1000 Stellplätze hat das Freizeitcenter Oberrhein, auf gut der Hälfte stehen Dauercamper. Auch beim Campingplatz Adam steht, weil das Wetter gut ist und viele wegen Christi Himmelfahrt das Wochenende verlängern, das Telefon nicht still. Laut Wormuth sind es täglich um die 30 Anfragen. Außer den von Dauercampern belegten, gibt es um die 100 Plätze.


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