„Er hat sein Ding ausgepackt“

Rastatt/Baden-Baden (mak) – Mit einer nicht alltäglichen Anklage wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung befasste sich am Mittwoch die Zweite Große Strafkammer des Landgerichts Baden-Baden.

Der Prozess vor dem Landgericht Baden-Baden wird am 24. November fortgesetzt. Foto: Jochen Denker

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Der Prozess vor dem Landgericht Baden-Baden wird am 24. November fortgesetzt. Foto: Jochen Denker

Einem heute 70-jährigen Rastatter wird vorgeworfen, am 25. Juli 2017 eine damals 20-jährige geistig behinderte Frau in einem Transporter auf dem Nachhauseweg von einer Werkstätte der Lebenshilfe genötigt zu haben, sexuelle Handlungen an ihm vorzunehmen. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Dem nicht vorbestraften Mann wird zur Last gelegt, am besagten Tag seine Ehefrau, die als Fahrerin von behinderten Erwachsenen tätig war, begleitet zu haben. Er habe sich im Transporter auf der hinteren Sitzreihe neben die junge Frau gesetzt, die Hose geöffnet und beide Hände der damals 20-Jährigen „auf sein erigiertes Glied“ gedrückt, so die Anklage. Als sie ihre Hände wegnehmen wollte, habe er diese noch fester auf sein Glied gedrückt. Des Weiteren habe er ihr mit der Hand dermaßen fest an die Brust gedrückt, dass sie danach Schmerzen hatte. Weiterhin soll er sich nach dem Aussteigen vor die Frau gestellt und ihr einen Zungenkuss gegeben haben, wobei diese „starken Ekel“ empfunden habe. Der Vorsitzende Richter Wolfgang Fischer klärte den Angeklagten auf, dass er nichts zur Sache sagen müsse. „Ich kann dazu nichts sagen, das sind alles Lügen“, meinte dieser. Die Frau habe ihre Hand drei- bis viermal auf seinen Oberschenkel gelegt, er habe die Hand „weggemacht“ und gesagt, dass sie das lassen soll. Beim Aussteigen habe sie ihm „rechts und links einen Kuss auf die Wange gedrückt“.

Junge Frau auf dem Stand eines Kleinkinds

Die Frau habe ein Auge auf ihn geworfen, meinte der Angeklagte. Fischer wies ihn darauf hin, dass die Betroffene ihre Vorwürfe bei einer richterlichen Vernehmung aufrechterhalten habe und dass ein Glaubwürdigkeitsgutachten die Aussagen bestätige. „Ein Geständnis wirkt sich strafmildernd aus“, so Fischer, doch der Mann blieb bei seiner Darstellung. Die Mutter der heute 22-Jährigen gab an, dass ihre Tochter geistig auf dem Stand eines Kleinkinds sei. Oberstaatsanwalt Michael Weber wollte wissen, ob ihre Tochter für den Angeklagten geschwärmt habe, was diese verneinte. Rechtsanwältin Katrin Behringer als Vertreterin der Nebenklage fragte bei der Mutter nach, ob deren Tochter eine eigene Sexualität entwickelt habe und schon verliebt gewesen sei. „Nein“, lautete die Antwort. Die Großmutter der jungen Frau hatte sie am besagten Tag in Empfang genommen. „Der hat seine Zunge in meinen Mund reingemacht“, habe ihr die Enkelin gesagt und sei schnell ins Bad gelaufen, um sich den Mund auszuspülen. Sie habe dann deren Schwester gerufen. „Er hat sein Ding ausgepackt und meine Hand draufgedrückt“, sei gleich deren erster Satz gewesen, gab die Schwester vor Gericht an. Die Frau des Angeklagten bekräftigte dessen Aussagen. Die sexuelle Nötigung sei „ein Ding der Unmöglichkeit, er hätte ja jederzeit damit rechnen müssen, dass ich ihn im Rückspiegel sehe“, meinte sie. Eine Mitarbeiterin der Lebenshilfe habe ihr gesagt, dass die junge Frau „männliche Wesen förmlich anspringt“ und „notgeil“ sei. Die Mitarbeiterin verneinte jedoch, so etwas gesagt zu haben. Eine Gruppenleiterin der Behindertenwerkstätte gab an, dass die Frau „sehr schüchtern, fast ängstlich“ sei und nie von Männern erzählt habe. Dass diese männliche Wesen anspringen soll, „hört sich sehr absurd an“. Am Ende des ersten Prozesstags wurde die Videoaufnahme der richterlichen Befragung vom 19. September 2018 gezeigt. Knapp zwei Monate später konnte die geistig behinderte Frau noch detaillierte Aussagen zu dem angeblichen Vorfall machen. Die Verhandlung wird am Dienstag, 24. November, um 9 Uhr fortgesetzt.

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Erstellt:
18. November 2020, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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