„Er hat sie abgeschlachtet“

Rastatt (up) – Der 37-jährige Syrer, der im vergangenen Jahr seine eine Jahr jüngere Ehefrau in Rastatt erstochen hat, ist vom Landgericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Das Landgericht Baden-Baden hat jetzt das Urteil im Rastatter Mprdprozess gesprochen. Foto: av

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Das Landgericht Baden-Baden hat jetzt das Urteil im Rastatter Mprdprozess gesprochen. Foto: av

Der Mörder der 36 Jahre alten Frau aus Syrien, die im vergangenen September nach vier Messerstichen durch ihren Ehemann in der Lützowerstraße starb, muss lebenslang ins Gefängnis. Dieses Urteil fällte das Landgericht Baden-Baden.
Das Gericht sah die Mordmerkmale „Heimtücke“ und „niedrige Beweggründe“ bei der Tat als gegeben an. Damit schied eine wie von der Verteidigung geforderte Verurteilung wegen Totschlags und vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung aus. Die Frau und ihr Freund seien vollkommen überrascht gewesen, als der 37-jährige Täter in die Wohnung des Opfers eindrang, erklärte der Vorsitzende Richter Stephan Schmid in seiner Urteilsbegründung. Der Angeklagte habe seine von ihm getrennt lebende Ehefrau vor sich hergetrieben und ihr mehrere Stiche mit einem Messer versetzt: „Einige davon waren schon allein für sich betrachtet tödlich, zu Deutsch – er hat sie abgeschlachtet“, stellte Schmid fest. Der Beschuldigte habe die Tat zudem angekündigt und gegenüber Bekannten erklärt, „in den Knast zu gehen“. „Er war erbost, dass seine Frau laut mit ihm redete und nicht tat, was er wollte“, charakterisierte der Richter die scheinbar grundsätzlich geartete Überheblichkeit des Angeklagten gegenüber seinem Opfer.

Sohn war Mordzeuge

Der Verurteilte nahm mit Unmut die Äußerungen des Richters zur Kenntnis. Der Täter sei der Meinung gewesen, seine Frau bestrafen zu dürfen, weil sie ihn in seiner Ehre verletzt habe, so Schmid. Der Glaube, seinen Bestrafungswillen ungehemmt ausleben zu dürfen, sei „nicht nachvollziehbar“. Dabei sei die Tat nicht religiös motiviert gewesen, so Schmid. Er führte hier eine „falsche kulturelle Grundvorstellung“ des Angeklagten an. Schon der psychiatrische Gutachter hatte bei dem Angeklagten einen „kulturell bedingten Überlegenheitsanspruch gegenüber Frauen“ erkannt.

Die Voraussetzungen für eine Feststellung der besonderen Schwere der Schuld sah das Gericht nicht als erfüllt an. Als Begründung nannte Schmid, dass der Angeklagte zwar mehrfach und mit Wucht auf den Liebhaber der Frau eingestochen hatte, diesen aber letztlich laufen ließ. Und dies, obwohl der Täter ihn bei seiner Flucht leicht hätte einholen können. Als gravierend wertete das Gericht bei „dieser gottlosen Tat, um es auf den Punkt zu bringen“, so Schmid, dass der Beschuldigte in Kauf nahm, dass sein fünfjähriger Sohn bei der Tat dabei war und Zeuge werden musste, wie sein Vater seine Mutter tötete. Laut seinem Therapeuten ist der Fünfjährige schwer traumatisiert.


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